Die lange Fahrt nach Deutschland beginnt

Highway in Siberia / Fernstraße in Sibirien

Am Samstag, den 9. Juni geht es morgens in Wladiwostok los. Meine Fahrt durch Sibirien beginnt.

Wo befinde ich mich eigentlich?

Map Siberia / Karte Sibirien

Sibirien ist ziemlich groß

„Durch Sibirien“, das klingt jetzt so richtig gewaltig. Aber in Wirklichkeit habe ich nur einen ganz kleinen Teil dieser riesigen Landschaft zwischen Ural und Pazifik (7.000 km) und zwischen Nordpolarmeer und Mongolei (3.500 km) gesehen. Nämlich das Flachland von Amur und Ussuri und das Südsibirische Gebirge. Immer schön an der Grenze zu China entlang. Nord- und Mittelsibirien warten noch auf eine Durchquerung mit dem Landcruiser 😅

Wladiwostok ist das Verwaltungszentrum der Region Primorje. Chabarowsk das der Region Chabarowsk. Tschita das der Region Transbaikalien. Und Ulan Ude das der Region Burjatien. So bin ich hier durch 4 Regionen in Sibirien gefahren.

Meine Route von Wladiwostok nach Ulan Ude

Und ich habe davon nur ein ganz kleines Stück gesehen

Auch die Fernstraßen in Russlands Fernem Osten sind ziemlich übersichtlich. Eigentlich brauchte ich nur drei. Die A370 (Ussuri)  von Wladiwostok nach Chabarowsk, 760 km. Da gab es allerdings manchmal Verwirrung, weil die bis 2010 noch M60 hieß. Und so wird sie zum Teil auch noch bezeichnet.

Dann die R 297  (Amur) von Chabarowsk nach Tschita, 2.165 km. Meist entlang des Amur Flusses. Auch hier musste ich mich daran gewöhnen, dass die Straße auf Russisch anders bezeichnet wird. Nämlich mit P 297. Denn im russischen Alphabet wird R = P geschrieben.

Highway in Siberia / Fernstraße in Sibirien

Zwischen Wladiwostok und Chabarowsk

Und genauso die R 258/P 258 (Baikal) von Tschita nach Ulan Ude, 609km. Sie führt noch weiter nach Irkutsk am Baikalsee. Na ja, und schließlich noch die A 340 für das kurze Stück zwischen Ulan Ude und mongolischer Grenze (280km).

Für Kontakte nach Deutschland musste ich auch den Zeitunterschied im Auge behalten. Der beträgt in Wladiwostok +8 Stunden gegenüber Frankfurt. Und es wäre blöd gewesen, wenn ich morgens um 8 jemanden angerufen hätte. Dann ist es Mitternacht in Frankfurt. Und da möchte niemand gern gestört werden.

Tschüss, Freunde!

Pünktlich um 9 Uhr ist Egor mit seiner Familie zur Verabschiedung gekommen. Wir machen noch ein paar Fotos und tauschen Adressen aus. Dann bin ich für den Landcruiser und mich alleine verantwortlich.

Vor dem Beifahrersitz steht das Gas für den Campingkocher

Das heißt, noch nicht ganz. Denn ich will noch in einem Supermarkt einkaufen. Vor allem Mineralwasser, Kaffeepulver, Dosenmilch und Snacks für unterwegs. Und ein paar Dosen Campinggas für den australischen Kocher aus den Campingutensilien von meinem Sohn. Um unterwegs Kaffee zu kochen. Die Campinggasdosen stehen übrigens auf dem Foto noch vor dem Beifahrersitz.

Deshalb fährt Egors Frau die ersten Kilometer durch die Stadt  vor mir her zu einem Supermarkt, der auch schon am Beginn der Fernstraße liegt. Damit ich später nicht noch durch die Stadt kurven muss.

Letztlich komme ich dann doch erst nach 11 Uhr los und schaffe bis zum späten Nachmittag etwa die halbe Strecke bis Chabarowsk.

Alltäglicher Tagesablauf auf meiner Tour

Coffe break / Kaffeepause

Kaffeepause unterwegs. Der Gaskocher steht weit genug vom Gras weg. Ich will schließlich nicht Sibirien abfackeln

Ihr werdet sicher wissen wollen, wie denn so ein gewöhnlicher Fahrtag auf meiner Tour ausgesehen hat. Also denn, here we go: Meistens bin ich zwischen 6 und halb 7 aufgestanden. Und nach einem guten Frühstück in der Unterkunft zwischen 8 und halb 9 losgefahren. Da ich (abhängig vom Straßenzustand und den Geschwindigkeitsregelungen) meistens nur mit 80-90 km/h gefahren bin, habe ich etwa alle 2 Stunden eine kurze Erholungspause gemacht. Auch, um nicht mal am Steuer einzunicken. Denn oft waren über viele Stunden nur die Wolken abwechslungsreich oder mal ein entgegenkommendes anderes Auto. Oder ein paar Tiere, die sich auf der Fahrbahn tummelten.

Suche nach Unterkunft
Rest Stop Siberia / Raststätte in Sibirien

Hier gab’s Handyempfang

Da es in vielen Ländern außerhalb der Ortschaften keinen Handyempfang gibt habe ich mich meistens so gegen 14 Uhr in einem Dorf oder an einem Rasthaus an den Straßenrand gestellt. Und dort in meiner Handyapp eine Unterkunft für den Abend gebucht. Denn um die Zeit konnte ich meistens gut abschätzen, wie weit ich bis zum Abend kommen würde. Die Buchung über die App hatte zwei Vorteile. Zum einen konnte ich die Hotels in Euro bezahlen. Damit fielen keine Kreditkartenkosten für einen Einsatz der Karte im Ausland an. Und zum zweiten konnte ich damit auch Bonusübernachtungen sammeln.

Toyota Landcruiser

Der Landcruiser parkte nachts meistens hinter der Unterkunft

Da ich alleine war, wollte ich aus Sicherheitsgründen nicht im Zelt übernachten. Und auch, damit der Landcruiser innerhalb eines umzäunten Geländes abgestellt war. Außerdem war noch vorteilhaft, dass ich mich morgens nicht um ein Frühstück kümmern musste. Und schlafen konnte ich im Landcruiser auch nicht. Denn der war mit Camping-Equipment von meinem Sohn aus 2 Jahren Australien vollgestopft. 2 Swags, 2 Zelte, mindestens 5 Schlafsäcke, Decken, Planen, der Zeltvorbau für die Awning, 2 Klappstühle, 1 Klapptisch, 2 Maxtrax Sandbleche, Kocher, Töpfe, Pfannen, Geschirr, und und und…

Keine Nachtfahrten

In den Sommermonaten bin ich bis 19/20 Uhr gefahren, im Herbst dann bis 17/18 Uhr. Und im November nur bis 15/16 Uhr. Denn ich wollte definitiv nicht im Dunkeln fahren. Wegen der Straßen und wegen Tieren. Aber auch deshalb nicht, weil der Landcruiser ja bis Deutschland noch eine Frontbeleuchtung für Linksverkehr hatte. Und in all diesen Ländern herrschte Rechtsverkehr. Sobald ich also im Dunkeln das Licht einschaltete, blendete ich den Gegenverkehr. Und das gab der mir auch deutlich mit Lichthupe zu verstehen.

Zwar herrschte auch tagsüber in allen Ländern außer Österreich und Deutschland Beleuchtungspflicht für Autos. Aber erstens fiel meine „falsche“ Beleuchtung bei Tageslicht nicht so auf. Und zweitens habe ich statt des Abblendlichts am Tage meistens nur das Standlicht angeschaltet. Hauptsache, die Scheinwerfer waren nicht dunkel…

Am Abend
Toyota Landcruiser

Unterwegs

Nach der Ankunft bin ich dann erst mal zu Fuß durch den Ort oder die Stadt gegangen. Um mich zu bewegen, etwas zu sehen, Abend zu essen und mit Leuten zu reden. Da ich den ganzen Tag alleine unterwegs war, war es mir wichtig, mich am Abend noch etwas zu unterhalten. Entweder ich hatte im Restaurant Kontakt, oder auf der Straße am Auto sprachen mich Leute an. Gelegenheiten zum Gespräch ergaben sich eigentlich immer.

Danach habe ich mich um Standardaufgaben gekümmert. Alle Bilder und Videos des Tages von der Kamera, dem Handy, der Dashcam und manchmal der Drohne auf Laptop und externe Festplatte sichern. Instagram und Facebook mit News zu füttern. Mails checken und (manchmal) beantworten. Notwendige Überweisungen online machen und sonstige Dinge in Deutschland regeln. Denn dort lief der Alltag in meiner Abwesenheit ja auch weiter. Tagebuchnotizen schreiben. Sonst würde ich die Erlebnisse heute auch nicht mehr so gut zusammenbringen…

Und schließlich grob den nächsten Tag per Internet planen. Bis wohin will ich ungefähr kommen? Gibt es auf dem Weg irgendetwas Interessantes zu sehen – ohne großen Umweg? Muss ich morgen früh noch etwas einkaufen oder tanken?

Gerade in den ersten Tagen hat das alles noch ziemlich lange gedauert. Die Routine musste sich erst mal einstellen. Aber das ging dann von Tag zu Tag besser, sodass ich schon um Mitternacht im Bett war. Und nicht erst halb 2, wie in den ersten paar Tagen.

Mein Sibirien

Birch Forest / Birkenwald

Birkenwald am Straßenrand

Nördlich von Wladiwostok war die Landschaft zunächst eher flach. Später, hinter Chabarowsk, dann eher hügelig. Aber egal wie, entweder Sibirien war flach mit Birken und vielen Büschen. Oder es war hügelig mit Birken und vielen Büschen. In beiden Fällen schön, weil es nicht so dicht besiedelt ist wie Zentraleuropa. Und es viel mehr freie Landschaft gibt. In beiden Fällen aber auch auf den langen Straßen manchmal eintönig.

Siberian Village / Dorf in Sibirien

Ein kleines sibirisches Dorf an der Straße

Ich habe mir gerade noch mal die Landschaftsfotos aus den Tagen angesehen. Eigentlich brauche ich davon hier nur eins oder zwei zu posten. Alle anderen sehen genauso aus… Abwechslung gab es immer dann, wenn ich einen großen Fluss Sibiriens (Amur oder Ussuri) oder seine Seitenarme überquerte. Allein die langen Brücken über die breiten Flüsse sind ein Hingucker. Und je breiter der Fluss (= je wichtiger die Brücke), desto eher gab es an beiden Seiten der Brücke auch noch mit Personal besetzte Wachhäuschen. An kleineren Brücken gab es diese Wachhäuschen zwar auch noch, aber sie waren nicht (mehr) besetzt. Im Video gibt es ein Bild davon. Denn an und auf den Brücken durfte man nicht anhalten. Also leider keine Möglichkeit für Fotos.

Highway in Siberia / Fernstraße in Sibirien

Lange Fernstraßen und weiter Himmel über Sibirien

Abwechslung gab es auch am Himmel, wenn das Wetter sich änderte. Besonders, wenn ein Gewitter aufkam. Das sieht in dieser weiten Landschaft zwar großartig aus. Allerdings war es mir am liebsten, wenn es weit entfernt war. Denn mit meinem beladenen Dachgepäckträger war der Landcruiser meistens der höchste Punkt in der Landschaft.

Überhaupt der Himmel. Ich möchte behaupten, er ist in Sibirien, der Mongolei, Kirgistan und Kasachstan anders als in Europa. Höher, und die Wolken sind darunter aufgehängt. Dieses weite Land und dieser große Himmel fehlen mir hier zuhause.

Straßen in Sibirien
Highway in Siberia / Fernstraße in Sibirien

Baustelle

Die russischen Fernstraßen sind zu 80% perfekt ausgebaut. Die anderen 20% befinden sich im Bau oder werden gerade repariert. Und so eine Baustelle kann sich schon mal 30 km hinziehen. Da blieb mir nichts anderes übrig, als mich hübsch in die Blechkarawane einzureihen und mit 50, 40 oder 30 km den anderen Autos zu folgen. Hier bestimmte der langsamste LKW vor uns die Geschwindigkeit.

Und noch eine Baustelle

Bei Tschita musste ich von der R 297 auf die R 258 wechseln. Diese Kreuzung ist wohl ziemlich nördlich der Stadt. Da ich jedoch nach Tschita hineingefahren bin, musste ich mich später auf einer Landstraße zur R 258 durchmogeln. Und die wurde gerade ausgebaut. 30 Baustellen bei einspuriger Verkehrsführung. Damit habe ich dann für die 600 km nach Ulan Ude genau so lange gebraucht, wie am Tag zuvor für 900 km. Unten im Video gibt’s einen kurzen Ausschnitt dieser Straße…

Highway in Siberia / Fernstraße in Sibirien

Gar nicht gut für die Reifen

Auch Schlaglöcher (vermutlich durch die strengen Winter) auf ansonsten gut geteerten Straßen sollte man im Auge haben. Wie mir ein Einheimischer erklärte werden die nach folgendem Muster repariert: Zuerst wird der Schaden fein säuberlich ausgefräst. Dann werden die Ränder behandelt. Und schließlich wird das Loch asphaltiert. Nur dass zwischen Schritt 1 und 3 schon mal mehrere Tage oder Wochen liegen können. Das war auch noch ein Grund, warum ich nur bei Tageslicht gefahren bin.

Chabarowsk

Central Station Khabarovsk / Hauptbahnhof Chabarowsk

Nächster Halt: Chabarowsk Hauptbahnhof

Nur ein kurzer Zwischenstopp zum Bargeld holen, für eine Kaffeepause und um zu tanken. Allzu viel habe ich daher hier nicht gesehen. Aber es ist eine nette mittelgroße Stadt (500.000+ EW) mit vielen alten Bauten. Etliche davon warten aber noch auf eine Sanierung. Bis 1990 war die Stadt hauptsächlich durch das Militär geprägt, heute durch Industrie und Bergbau. Und durch koreanische und japanische Investoren.

Dirty Windshield / Verdreckte Winschutzscheibe

Jetzt putz‘ ich die Windschutzscheibe. Aber in einer Stunde sieht sie wieder genauso aus

Es war Sonntagmittag und Bargeld gab’s nur im Hauptbahnhof. Und gleich nebenan ein schickes Kaffee. An der Tankstelle hilft mir ein netter Russe mit seinem Reifendruckprüfer und Insektenentferner aus. Die Spraydose gibt er mir auch gleich noch mit. Denn die Tankstelle hatte keine vorrätig. Und meinte, die würde ich auf der weiteren Tour brauchen noch brauchen. Wie wahr…

Abends in einem Motel hinter Chabarowsk lernte ich einen japanischen Motorradfahrer kennen. Metabon (seinen richtigen Namen kenne ich gar nicht) kam aus Tokio und hatte dort seinen Job als Bestatter aufgegeben. Nun wollte er mit seinem Motorrad auch durch Sibirien, die Mongolei, den Kaukasus und Westeuropa nach Paris und Spanien. Von dort aus dann durch Afrika. Und dann wieder zurück nach Japan. Hat er auch geschafft. Ich verfolge immer noch seine Posts auf Instagram.

Übernachtet habe ich in diesen ersten Tagen in Motels an den Fernstraßen. Nicht übermäßig komfortabel, aber nach 10-12 Stunden Fahrt täglich war mir das egal. Ich wollte da ja nur eine Nacht schlafen.

Übrigens: In Chabarowsk war ich Frankfurt schon eine Stunde näher gekommen. Nur noch sieben Stunden Zeitunterschied zwischen zuhause und mir.

Tschita

Road Sign Siberia / Straßenschild in Sibirien

Noch ganz schön weit bis nach Tschita

Die 2.100 km vom östlich von China gelegenen Chabarowsk bis Tschita, nördlich von China, bin ich an zweieinhalb Tagen gefahren. Wie oben schon beschrieben gab es hier auch nichts Interessantes zu sehen. Und so war dieser Teil der Fahrt recht eintönig. Andererseits: So unlieb war mir das gar nicht. Ich wollte in Sibirien möglichst schnell vorankommen. Denn ich hatte ja nur ein 30 Tage Visum für Russland.

Highway in Siberia / Fernstraße in Sibirien

Irgendwo in Sibirien

Und das lief auch in der Zeit weiter, wenn ich durch die Mongolei fahren würde. Und dann natürlich später durch den russischen Altai. Die gesamten 7.000 km von Wladiwostok bis zur kasachischen Grenze musste ich in 30 Tagen schaffen. Gerne hätte ich ein 90-Tage-Visum gehabt. Aber das hatte mir das Visumsbüro in Deutschland im März leider nicht beschaffen können.

Trans-Siberian Railway

Ist das die Transsib? Ich sag‘ einfach mal ja

Irgendwo hier kam ich an eine Brücke über die Eisenbahn. Und dort sah ich aus dem Auto einen Zug der Transsib. Oder war es vielleicht nur ein Regionalzug? Ich glaube nicht, dazu war er zu lang. Jedenfalls habe ich unter Umgehung sämtlicher deutscher Verkehrsvorschriften während der Fahrt noch schnell mit dem Handy ein Foto gemacht. Denn bevor ich an der Brücke war, war der Zug schon lange vorbei.

Meine Fahrzeugausrüstung muss noch ergänzt werden

Persönlich hat mir Tschita nicht so gut gefallen. Die Stadt liegt von Bergen umgeben in einem Tal. Schon das gefiel mir nicht. Außerdem war es regnerisch. Und schließlich ist es eine Industriestadt die von Maschinenbau, Metallverarbeitung und Braunkohle lebt. Auch befand sich hier wohl zu Sowjetzeiten ein ziemlich großes Militärkommando. Wikipedia schreibt, dass es hier 15 Divisionen gegeben hat. Irgendwie finde ich, dass man Städten ihre militärische Vergangenheit ansieht…

Aber ich wollte endlich ein Warndreieck und einen Verbandskasten für das Auto kaufen. Beides ist in Australien nicht vorgeschrieben und so fehlte es eben auch im Landcruiser. Aber man erzählte mir, dass sich Ordnungshüter bei Kontrollen zumeist zuerst dafür interessieren. Das ist in Russland nicht anders als in Deutschland.

Es hat dann eine Weile gedauert bis ich einen Autoteileladen gefunden hatte. Und noch mal eine Zeit, bis ich dem Verkäufer klar machen konnte was ich wollte. Meine Gebärden in Bezug auf das Warndreieck hatte er zunächst so gedeutet, dass ich eine entsprechende Motor-Warnanzeige im Instrumenten-Display hätte. Aber schließlich klappte es. Und für 450 Rubel (ca. 6.50€) war ich nun Besitzer von Warndreieck und Verbandskasten.

Nicht allein auf Adventuretour

Die haben sich…

…ganz schön was vorgenommen

Wie zuvor schon Metabon traf ich in Tschita eine Gruppe Chinesen, die mit ihren Geländewagen bis Portugal und zurück nach China fahren wollten. Während ich konstant mit 80 bis 100 km pro Stunde gefahren bin haben die mich am folgenden Tag immer mal wieder überholt und mir freundlich zugewunken. Der Landcruiser ist eben nicht für Geschwindigkeiten sondern schwieriges Gelände ausgelegt. Und ich wollte ja gar nicht so schnell fahren. Auch einen kleinen gelben Audi A4 hatten die Chinesen im Schlepptau. Wie der die Strecke allerdings bewältigen soll war mir damals unklar – und erfahren habe ich es nie.

Highway in Siberia / Fernstraße in Sibirien

Das Gewitter blieb immer hübsch links, rechts oder vor mir

Auf der Strecken zwischen Tschita und Ulan Ude wurde Sibirien gebirgiger. Aber auch hier gab es keine besondere Highlights. Mit Ausnahme der häufiger werdenden Baustellen. Die R 258 war noch nicht so gut ausgebaut wie die südlicheren Fernstraßen. Und daher oft nur einspurig in jede Richtung.

Schon in Tschita hatte es in Strömen geregnet, und das wurde auf der weiteren Fahrt auch nur kurzzeitig mal besser. 300 km vor Ulan Ude dann wieder einmal ein Gewitter mit Starkregen. Doch irgendwie führte die Straße immer am Rande des Gewitters entlang. Sodass es beim Regen blieb, aber was für einem! Glück gehabt 😉

Ulan Ude liegt auch in Sibirien, aber…

Siberia / Sibirien

Sonne – kurz vor Ulan Ude

Hinter der letzten Bergkuppe befand ich mich plötzlich auf einer riesigen Hochebene. Was für ein Kontrast nach den vielen Kilometern im Regen. Sonnenschein, grasende Rinder und Schafe, friedvolle Abendstimmung – wie ein Garten Eden.

Ulan Ude, Russia

Zur Rush Hour gibt’s hier genauso viel Stau wie in Frankfurt

In Ulan Ude scheint die Sonne und es ist 15 Grad wärmer als vor dem Gebirge. Und ich habe mich eher wie in China oder der Mongolei als in Russland gefühlt. Denn viele Menschen hier stammen von asiatischen und mongolischen Volksgruppen ab, obwohl sie natürlich russische Staatsbürger sind. Übrigens bin ich Frankfurt hier schon wieder eine Stunde näher gekommen. Der Zeitunterschied beträgt in Ulan Ude nur noch +6 Stunden.

Einmal Autowäsche bitte

Irgendwo muss doch die Waschanlage sein…

Car wash / Autowäsche

Gefunden!

Car wash / Autowäsche

Gut eingeseift…

Car wash / Autowäsche

…und blitzblank geputzt

Zuerst lasse ich mal den Landcruiser waschen. Nach zwei Tagen durch Schlamm. Die Suche nach einer Waschanlage ist recht abenteuerlich. Aber schließlich finde ich in einem Hinterhof eine. Hier gibt’s keine Waschstraßen, die gesamte Wäsche wird noch per Hand erledigt. Aber danach sieht der Wagen aus wie neu.

Eine sympathische Innenstadt…
Ulan Ude, Russia

Hübsch, die Hodegetria-Kathedrale

In Ulan Ude bleibe ich zwei Tage. Am ersten Tag sehe ich mir die russisch-orthodoxe Hodegetria-Kathedrale (Kathedrale unserer Lieben Frau von Smolensk) an. Russisch Свято-Одигитриевский собор Улан-Удэ, englisch Odigitrievsky Cathedral.

Schon bei diesen unterschiedlichen Bezeichnungen komme ich ins Schleudern. Weil im Internet die deutsche Bezeichnung steht, in einem Prospekt die englische und auf den Schildern die russische. Ist das nun eine oder sind es mehrere Kirchen? Nein, es ist nur eine!

Aber das war leider auf der ganzen Reise so. Ich musste mich zwischen der deutschen, englischen und der Bezeichnung in der jeweiligen Landessprache zurechtfinden. Das ging mal mehr und mal weniger gut. Vor allem, weil ich ja meistens an einem Ort nur ein oder zwei Tage war. Und auch nicht die Zeit hatte, da jeden Abend lange Internetrecherchen anzustellen.

Ulan Ude, Russia

Fußgängerzone in Ulan Ude

Ich schlendere die hübsche Fußgängerzone, die zentrale Straße in der Stadt, entlang und komme auf der anderen Seite an das Zarentor.

Ulan Ude, Russia

Triumphbogen für den Zar in Ulan Ude

Ein Triumphbogen, der 1891 gebaut wurde, als der Zar die Stadt besuchte. 1936 wurde er abgerissen und 2006 zum 340jährigen Stadtjubiläum wieder aufgebaut. Vielleicht stammt ja das Sprichwort „Russland ist groß und der Zar ist weit…“ aus dieser Zeit.

Ulan Ude, Russia

Lenin hat zwar keinen Triumphbogen gekriegt aber dafür ein Riesendenkmal

Im Zentrum laufe ich dann an einem riesigen Lenin-Kopf vorbei. Der sieht allerdings hier im Fernen Osten Russlands auch leicht asiatisch aus.

Die mit 7.70m höchste und 42 Tonnen schwere Portraitbüste der Welt soll wohl zu seinem 100. Geburtstag entstanden sein. Und steht bis heute. Nach 1990 hat man sie stehen lassen. Man weiß schließlich nie weiß, was noch kommt – und vielleicht wird sie noch mal gebraucht 😉

Ulan Ude, Russia

Blick vom Datsan Rinpoche Bagsha auf Ulan Ude. Leider war es etwas bedeckt

…ein buddhistisches Kloster…

Am Nachmittag ging es mit dem Bus 97 auf einen Berg etwas außerhalb der Stadt. Zu einem buddhistischen Kloster, dem Datsan Rinpoche Bagsha. Von hier aus hat man einen tollen Blick auf Ulan Ude.

Ulan Ude, Russia

Gebetsfahnen im Kloster

Und man kommt sich im Klosterbereich wie in Bhutan oder der Mongolei vor. Nicht wie in Sibirien. Besonders beeindruckend: Ein Weg mit Gebetsfahnen und die Gebetsmühlen.

Zurück in der Stadt fing es wieder an zu regnen. Und daher wollte ich nicht laufen sondern mit einem Bus zurück fahren. Ich fragte eine Passantin, welcher Bus Richtung City fährt und sie meinte – von hier aus keiner. Aber sie wollte mir ein Taxi rufen. Wie freundlich! Und ich hatte wieder etwas gelernt. In Russland ist es nicht üblich/möglich, ein Taxi direkt an der Straße anzuhalten. Man muss erst in der Zentrale anrufen. Und natürlich kannte ich keine lokale Taxirufnummer.

Lake Baikal / Baikalsee

Den Baikalsee hätte ich mir blauer gewünscht. Da hilft auch keine Nachbearbeitung des Fotos. Es war einfach total schlechtes Wetter. Schade

…und der Baikalsee

Wenn man schon mal in dieser Ecke ist sollte man natürlich den Baikalsee gesehen haben. Den tiefsten Süßwassersee der Erde, 16.000m, den ältesten und den wasserreichsten. Doch mein Ausflug dorthin am nächsten Tag erwies sich als Pleite. Die knapp 200 km pro Strecke bin ich umsonst gefahren. Erstens kam ich wegen der direkt am Seeufer entlangführenden Eisenbahnstrecke der Transsibirischen Eisenbahn nur sehr schlecht ans Ufer. Und zweitens war das Wetter über dem See so nebelig und schlecht, dass ich nur ca. 200m Sicht hatte.  Fotos brauchte ich daher gar nicht erst zu machen. Und auch meine Drohne nicht zu starten. Aber immerhin habe ich an einem kleinen Kiesstrand dann mal einen Fuß ins Wasser des Baikalsees gesteckt.

Von Sibirien zur mongolischen Grenze

Siberia / Sibirien

Letzte Pause in Sibirien kurz vor der mongolischen Grenze

Irgendwie erreichte ich die Grenze am nächsten Tag erst ziemlich spät. Kurz vor 14 Uhr. Dabei hatte man mir in der Unterkunft gesagt, dass der Grenzübergang schon mal 6 Stunden dauern kann. In meinem Tagebuch steht nur ‚bin ziemlich spät weggekommen‘. Aber warum, das weiß ich heute gar nicht mehr. Verschlafen? Oder zu lange gefrühstückt? Keine Ahnung.

Siberia / Sibirien

Auch hier ist eine religiöse Gedenkstätte

Dabei war die Strecke von Ulan Ude bis zur Grenze (Kjachta in Russland bzw. Altanbulag in der Mongolei) über die A 340 mit 280 km gar nicht so lang. Die Straße war gut und getrödelt habe ich unterwegs auch nicht. Nur mal eine Pause auf einem Rastplatz direkt an einem See gemacht. Auch hier stand ein mongolisch/buddhistisches Denkmal.

 Grenzübergang

Dafür dauerte meine Grenzüberquerung aber auch nur knapp 3 Stunden. Generell läuft die immer nach dem gleichen Muster ab. Beim Einfahren in den Grenzbereich wird das Autokennzeichen notiert. Dann erfolgen Passkontrolle und Check der Autopapiere, meist in einem Gebäude. Da stehen auch ATMs, um Geld in der Landeswährung zu besorgen.

Wieder draußen wird als nächstes das Gepäck im Auto kontrolliert. Je nach Grenze und Reisendem mehr oder weniger genau. Die meisten Reisenden vor mir mussten beispielsweise ihr gesamtes Gepäck aus dem Auto ausladen. Ich brauchte das nicht zu tun. Übrigens an keiner Grenze. Dafür wurde bei mir an jeder Grenze ins Handschuhfach geguckt. Warum? Keine Ahnung! Bei der Inspektion wird dann auch noch mal die Fahrgestell-Nummer des Wagens mit den Papieren verglichen. Man sollte also schon wissen, wo die bei seinem Modell eingestanzt ist.

Bei der Ausfahrt aus dem Grenzbereich wird dann zum Schluss noch mal gecheckt, ob man alle Schritte durchgeführt hat. Und das Auto wird von der Liste der in den Grenzbereich eingefahrenen Fahrzeuge gestrichen.

Und weil’s so schön war, das Ganze gleich noch mal von vorn

Die geschilderte Prozedur läuft immer zweimal ab. Einmal auf der Seite des Staates, den man verlässt. Und dann auf der Seite des Staates, in den man einreist. Bei der Einreise in ein Land muss man zusätzlich noch die Grenzversicherung (Haftpflicht) für den Wagen abschließen. Und unter Umständen Straßengebühren zahlen.

Links die mongolische, rechts die russische Flagge

Die mongolische Einreise war übrigens insofern sehr professionell, dass es einen Laufzettel gab. Der wurde an jeder Position abgestempelt. Und zum Schluss gecheckt, ob alle Stempel auf dem Papier waren. Neben Auto, Pass, Zoll und Straßengebühren gab es hier noch die Punkte Desinfektion und Röntgen. Desinfektion und Röntgen des Autos, nicht der Reisenden! Röntgen brauchte ich nicht, aber Desinfektion. Und das kostete auch ein paar Cent.

Da ich den Laufzettel auf mongolisch nun überhaupt nicht lesen konnte nahm sich ein freundlicher junger Beamter meiner an und lotste mich höchstpersönlich von Station zu Station. Das hatte den Vorteil, dass ich an mancher Schlange schnell vorbei kam. Und auch nicht viel kontrolliert wurde.

Während der Warterei auf der russischen Seite lernte ich im Wagen vor mir Tatsral aus Ulaanbaatar kennen. Sie hatte amerikanische Touristen nach Irkutsk gebracht und kam nun mit einigen mongolischen Studentinnen von dort in einem Taxi zurück. Sie war die einzige, die Englisch sprechen konnte und gab mir ihre Telefonnummer.

Wenn ich in Ulaanbaatar wäre sollte ich sie anrufen. Dann wollte sie mir die Stadt zeigen. Schon mal ein toller Auftakt für meinen Besuch in der Hauptstadt der Mongolei. Doch dann scheuchten uns die russischen Grenzbeamten schon wieder in unsere Autos. Wir sollten in den Autos warten und nicht draußen herumstehen.

Noch eine letzte kurze Verzögerung…

Im Versicherungsbüro kurz vor der Ausfahrt aus dem Grenzbereich passierte noch was Lustiges. Ich musste die Autoversicherung kaufen und die junge Mitarbeiterin dort hatte ihr Kleinkind dabei. Während wir noch sprachen schob das Kind die Tür des Schrankes zu, in dem die Formulare lagen.

Und diese Tür hatte einen Schnappverschluss. Ein Schlüssel war nicht aufzutreiben. Und so holte die Mitarbeiterin ihren Kollegen. Der brach dann die Schranktür kurzerhand auf. Es ist manchmal eben doch nicht gut, wenn man die Kinder mit zum Job nimmt 😉

…und ich bin in der Mongolei

Mit Wegen, Umwegen und Ausflügen sind die ersten 4.000 km meines Roadtrips nach Frankfurt/Main geschafft. Und mein Landcruiser hat mich sicher bis hierher gebracht.

Im Video (2m 35s, Music: Royalty Free Music von Bensound, www.bensound.com) gibt’s mal einen Blick ‚from the driver’s perspective‘ durch Sibirien. Das heißt von der Dashcam. Straßen, die Tankstelle in Chabarowsk, eine Brücke über einen Nebenarm des Amur oder Ussuri und die Grenze. Ich hatte gar nicht gemerkt, dass jedes Mal, wenn ich den Motor wieder startete, auch die Dashcam zu filmen anfing 😉

Einfach auf das nächste Foto klicken, dann öffnet sich das Video in einem neuen Fenster. Ich habe es hier mit einem Bild und einem dahinter liegenden Link eingebunden. Denn bei normaler Einbindung fehlt die Videokontrollleiste. Warum? Das habe ich bisher noch nicht herausgefunden.

Übrigens, wenn ihr euch fragt, warum auf der Dashcam manchmal eine Geschwindigkeit von 0 km/h angezeigt wird obwohl der Landcruiser fährt: Das liegt daran, dass die Dashcam nach dem Einschalten ein bisschen Zeit braucht. Bis das eingebaute GPS System seine Satelliten gefunden hat.

video screenshot

Und diejenigen unter euch, die jetzt noch mehr Sibirien wollen, können sich mein YouTube Video von 2019 über diesen Teil der Reise anschauen.

Für heute von mir zu diesem Teil der Reise nur noch ein Fazit: Sibirien. Eine großartige Landschaft! Mit großartigen Menschen! Wie es weitergeht, vom Grenzübergang bis nach Ulaanbaatar und weiter durch die mongolische Wüste bis zum russischen Altai, das erzähle ich euch im nächsten Teil.

Cheers, Rüdiger 😎

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