Drei Millionenstädte in drei Tagen

Nur von Seoul aus gab es die Möglichkeit, direkt nach Wladiwostok zu fliegen. Aber dorthin musste ich von Neukaledonien erst mal kommen. Daher bin ich von Nouméa nach Brisbane geflogen. Und von dort am Abend weiter über Taipeh (eng. Taipei) nach Seoul. Und dann zwei Tage später – am ersten Gültigkeitstag meines russischen Visums – nach Wladiwostok.

Australian flagNoch mal ein Tag in Brisbane

In Brisbane bin ich nur beim Motel vorbeigefahren, in dem ich schon vorher gewohnt hatte. Und das aus einem ganz bestimmten Grund. Denn vor der Abreise hatte ich einen Länderaufkleber für das Auto im Internet bestellt. Der wurde jedoch nicht rechtzeitig geliefert. Daher hatte ich das Motel als Lieferadresse angegeben. Um ihn jetzt hier abzuholen.

Australischen Nationalitätskennzeichen

Ohne könnte es teuer werden…

Und er war tatsächlich angekommen. Ein Problem weniger. Denn auf meiner Fahrt von Wladiwostok nach Frankfurt hätte ich ein Länderkennzeichen von Australien wohl nicht mehr bekommen. Und von Gesprächen mit anderen Reisenden wusste ich, dass ein fehlendes Nationalitätsschild für das Auto in vielen Ländern Grund für eine kleine Zahlung an die Polizei ist – gerne auch mehrfach am Tag 😉

In Brisbane regnete es und es war Winter. Da ich die Stadt schon gut kannte, habe ich daher nur noch ein bisschen eingekauft. Und mich bis zur Abfahrt zum Flughafen mit dem netten Managerpärchen des Motels unterhalten.

Taiwanese flagZwei Stunden in Taipeh

Der Nachtflug nach Taipeh hatte leider 4 Stunden Verspätung. Das bedeutete, dass von meinem geplanten halben Tag in der Hauptstadt Taiwans nur noch 2 Stunden übrig blieben. Genau genommen eigentlich nur noch eine Stunde. Denn für die Fahrt vom Airport zur City und zurück brauchte ich jeweils auch noch mal 30 Minuten. Natürlich hätte ich am Flughafen bleiben können. Aber erstens fand ich schon die Warterei in Brisbane langweilig. Und zweitens wollte ich ja wenigstens mal die Innenstadt von Taipeh sehen. Denn dort war ich zuvor noch nie gewesen.

Stadtzentrum Taipeh

Alles ganz schön bunt hier…

Ein bisschen sieht es dort aus wie in Kowloon (Hong Kong), abseits der großen Einkaufsstraßen. Jedenfalls von den Reklametafeln an den Häusern her. Aber von den Gebäuden her auch ein bisschen wie in Peking. So richtig toll war mein erster Eindruck also nicht. Aber ich habe ja auch nur einen ganz kleinen Teil der Stadt um den Hauptbahnhof herum gesehen. Die Tourismusindustrie sieht das natürlich ganz anders. Und auch einige Bekannte, die selbst längere Zeit in Taiwan waren, sind begeistert.

Busfahrplan Taipeh

Busfahrplan Taipeh

Englische Hinweisschilder oder Werbung sucht man in der 3 Millionen Metropole vergeblich. Aber sehr informativ sehen die Busfahrpläne an den Haltestellen aus. Jedenfalls dann, wenn man taiwanesisch oder chinesisch kann. Und überall in der City gibt’s kleine Geschäfte und Restaurants. Mit mehr Zeit hätte ich die gerne mal besucht. Auf dieser Reise war Taipeh eben nur ein sehr kurzer Zwischenstopp. Und ich war gerade rechtzeitig wieder am Flughafen und am Gate zum Weiterflug.

Korean flagZwei Tage in Seoul

Paläste und Partys, Märkte und Museen, Shopping und Sehenswürdigkeiten, Wolkenkratzer und Wanderwege. Die 11 Millionen Metropole in Nordasien bietet ihren Besuchern vielfältige Erlebnismöglichkeiten. Und obwohl im Großraum Seoul über 20 Millionen Menschen auf engem Raum leben wirkt die Stadt durch ihre vielen grünen Hügel doch aufgelockert.

Innerkoreanische Grenze Panmunjom

Koreanische Grenze bei Panmunjom

Man kann versuchen, Seoul in 4 Tagen kennenzulernen – oder auch in 4 Wochen. Zwei Tage reichen mit Sicherheit dazu nicht aus. Aber weil ich schon vorher drei Mal für längere Zeit hier war, habe ich mir dieses Mal nichts Bestimmtes vorgenommen. Mit einer Ausnahme: Ich wollte noch mal eine Halbtagestour nach Panmunjom zur innerkoreanischen Grenze machen.

Doch leider fanden diese Touren an meinen zwei Besuchstagen (Sonntag und Montag) nicht statt. Außerdem wäre eine Anmeldung drei Tage vorher inklusive Angabe der Passnummer notwendig gewesen. Schade – aber nicht zu ändern. Daher hier nur ein Bild von meinem Besuch 2013.

Im Zentrum von Seoul

Metro Seoul

Metro Seoul

So hatte ich Zeit, durch die Stadt zu laufen. Und mit Metro und Bussen von einem Ende zum anderen zu fahren. Und kleine koreanische Restaurants und Garküchen auf den Märkten zu besuchen. Die Metro ist übrigens total übersichtlich, so dass man sich auch als Fremder mit den Routen schnell zurechtfindet. Und die Züge kommen alle 3-4 Minuten. Trotzdem lohnt es sich, eine Übersichtskarte der Stadt dabei zu haben. Denn es ist (derzeit) nicht möglich, für Seoul Routen in Google Maps einzugeben.

Gyeongbokgung Palace
Gyeongbokgung Palace, Seoul

Gyeongbokgung Palace, Seoul

Ganz in der Nähe meiner Unterkunft liegt der Gyeongbokgung Palast, der größte von fünf Königspalästen. 1395 erbaut, mehrfach zerstört und seit 1990 rekonstruiert. Die Anlage ist riesig mit vielen unterschiedlichen Gebäuden. Ursprünglich sollen es mal 330 gewesen sein, mit 5.792 Zimmern… Wer die wohl gereinigt hat? Hier kann man sich intensiv mit koreanischer Geschichte und Kultur beschäftigen.

Genauso wie im nahegelegenen Buckchon Hanok Village, einem koreanischen Dorf mit traditionellen restaurierten koreanischen Häusern.

War Memorial of Korea
War Memorial of Korea

War Memorial of Korea

Mit der Metro bin ich anschließend über den Hauptbahnhof Richtung Süden zum War Memorial of Korea gefahren. Ein militärgeschichtliches Museum und Kriegsgedenkstätte an die verschiedenen Kriege, in die Korea verwickelt war. Insbesondere natürlich den Koreakrieg 1950 – 1953. Die Atmosphäre im Inneren des Gebäudes gleicht eher einem Museum. Dafür geht es im frei zugänglichen Außenbereich mit Panzern, Flugzeugen, Hubschraubern und sogar einem Schiff teilweise zu wie in einem Erlebnispark. Mit vielen Familien, Schulklassen und Gruppen. Und aus Lautsprechern ertönt klassische Musik.

N Seoul Tower
N Seoul Tower

N Seoul Tower

Ebenfalls in der Nähe liegt der N Seoul Tower. Der Fernsehturm Seouls auf dem Berg Namsan. Bei klarem Wetter hat man von hier eine tolle Aussicht auf die Stadt und weit ins Land. Oder nach Sonnenuntergang auf die glitzernde Metropole. Auf den Berg kann man übrigens entweder mit einer Seilbahn hochfahren oder mit dem Bus – und auch ganz klassisch hochlaufen. Der Tower selbst war abends schick beleuchtet. Und zwar in Abhängigkeit von der Feinstaubbelastung in der Stadt, wie man mir im Hotel erzählte. Dabei bedeutet blau = keine Belastung, grün = geringe Belastung, gelb = hohe Belastung und rot = sehr hohe Belastung. Eine clevere Art, die Einwohner zu informieren.

Cheonggyecheon Stream
Cheonggyecheon Stream

Cheonggyecheon Stream

Als Ziel für den nächsten Tag hatte ich mir den Namdaemun Market ausgesucht. Und bin einfach mal zu Fuß losgezogen. Eher zufällig kam ich dabei am Cheonggyecheon Stream vorbei. Ein kleiner Fluss – oder besser: Graben – der sich 10 km durch die Innenstadt zieht. Auf beiden Seiten begrünt, mit Wegen für Fußgänger und vielen Brücken. Das war allerdings nicht immer so. Bis 2003 verlief über dem Wasser eine Hochstraße. Die wurde dann im Zuge von urbanen Umweltmaßnahmen abgerissen. Heute ist der Cheonggyecheon Stream ein kleines Naherholungsgebiet mitten in der Stadt.

Sungnyemun Gate

Das ist mir übrigens oft in Seoul aufgefallen: Wo immer möglich gibt es Bäume, Sträucher, Blumenkübel, kleine und kleinste Grünflächen. So auch um das  Namdaemun, das große Südtor, dessen offizieller Name Sungnyemun ist.

Wie der Gyeongbokgung Palast wurde es auch 1395 erbaut, im Koreakrieg stark beschädigt und wieder aufgebaut. Durch Brandstiftung wurde 2008 das Dach fast vollständig zerstört und das Tor wurde bis 2013 ein zweites Mal restauriert.

Namdaemun (Sungnyemun) Tor, Seoul

Namdaemun (Sungnyemun) Tor

Seit 1962 steht es unter der Nummer 1 auf der Liste der koreanischen Nationalschätze. Die koreanischen Nationalschätze im Land (Gebäude, Denkmäler und Orte) sind übrigens von 1 to 300+ durchnummeriert.

Teile der alten Stadtmauer mit den erhaltenen Toren lassen sich auch auf einem 20km langen Rundweg erkunden. Allerdings wohl nicht an einem Tag. Denn der führt über vier ziemlich steile Hügel zwischen 120 und 350 Meter Höhe, auf die es über Treppen geht…

Namdaemun Market

Auf dem Namdaemun Market gleich nebenan bekommt man alles, was man braucht – und noch mehr. Brillen und Blumen, Kleidung und Küchenzubehör, Lampen und Lebensmittel, Medikamente und Möbel, Spielzeug und Schreibwaren, Teppiche und Tee, und und und… 10.000 kleine Shops und Straßenstände ziehen sich über mehrere Blocks an kleinen Gassen entlang, die für Autos gesperrt sind. Die Waren werden per Moped oder mit Handkarren transportiert. Hier herrscht Tag und Nacht Betrieb, denn in erster Linie ist es ein Markt für die lokale Bevölkerung.

Garküche Namdaemun Market

Garküche Namdaemun Market

Original und originell koreanisch essen

Tteokbokki Seoul

Tteokbokki

Und ein Snackparadies für Einheimische und Touristen! Denn auch unzählige Garküchen gibt es hier. Probiert doch mal Tteokbokki (떡볶이), eine Art Schupfnudeln aus dickem Reisteig. Mit etwas Fisch-Cake (Eomuk, 어묵) in einer Chilipaste (Gochujang, 고추장). Aber was für einer!! Die Koreaner lieben scharf gewürztes Essen.

Waschbär

Süß und flauschig…

Auch das eine oder andere Café und die eine oder andere Bar in Seoul lassen sich neben ihrem eigentlichen Geschäft etwas einfallen. Katzencafés sind hier out. Besucht doch mal das Café Blind Alley (Cheongpa-ro 47-gil, Cheongpadong 2(i)-ga, Yongsan-gu, Seoul). Da gibt’s neben Eis, Kuchen, Tee und Kaffee auch Waschbären und Minischweine zum Streicheln.

Vinyl Cocktail Bar

Vinyl Cocktail Bar

Oder die Vinyl Cocktailbar (Seogyo-dong, Mapo-gu, Seoul). Dort werden die Cocktails in Plastiktüten serviert. Sehr praktisch zum Mitnehmen. Und ehe mich jetzt Greta, Grüne und andere Gruppen beschimpfen: Auf der Rückseite der Tüten gibt’s auch gleich Vorschläge zum Recycling. Zum Beispiel als Aquarium für den Goldfisch oder als Behälter für Stifte oder als Blumenvase 😉

Waschtag

Waschmaschine

Welcher Knopf ist da für was 😉

Am Abend hatte ich grad‘ noch Zeit, meine Klamotten zu waschen. Denn in der Unterkunft stand eine Waschmaschine. Das heißt, eigentlich eher ein Kombigerät aus Waschmaschine und Trockner. Sehr praktisch, so was will ich zu Hause auch haben. Statt zwei getrennter Geräte!! Und als ich erst mal raus hatte, welche Knöpfchen in welcher Reihenfolge zu drücken waren  funktionierte beides auch problemlos.

Abflughalle Flughafen Seoul

Abflughalle Flughafen Seoul

Aber nun muss ich mich auf den Weg zu meinem Landcruiser machen. Der sollte schon seit einigen Tagen in Wladiwostok/Russland in seinem Container im Hafen stehen. Hoffentlich jedenfalls. Daher für heute

안녕 다음에 봐 서울

annyeong daum-eh bwa Seoul

Tschüss bis zum nächsten Mal Seoul. Du bist eine unglaublich tolle Stadt!

Cheers, Rüdiger 😎

Im Video (1m 39s) gibt’s noch ein paar mehr Bilder aus Seoul

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