Flagge Bulgarien

Flagge Bulgarien

Bulgarien habe ich von Südwesten nach Nordosten durchquert, von der griechischen zur rumänischen Grenze. Von der Küste am Schwarzen Meer durch das Balkangebirge im Landesinneren bis zur Donautiefebene im Norden.

Meine Fahrt durch Bulgarien

Rund 600 Kilometer durch Bulgarien

Aber es war schon Ende Oktober. Wäre ich im Sommer hier gewesen, hätte ich sicher noch den einen oder anderen Abstecher gemacht.

Doch so blieb es bei drei Stops. Kurz hinter der Grenze im Süden in Petrisch. Später dann 200km nördlich in Sofia, der Hauptstadt von Bulgarien. Und schließlich weiter nordöstlich in Weliko Tarnowo.

Pech in Petrisch

Weil ich von Veria schon 180km gefahren war wollte ich in Petrisch übernachten. Nur 20km von der griechischen Grenze entfernt. In einem kleinen Guesthouse hatte ich schon meinen Rucksack im Zimmer abgestellt. Dann ging ich noch mal zum Auto um die Papiere zu holen. Dabei merkte ich, dass der Schlüssel noch innen steckte. Und die Fahrertür war abgeschlossen. Alle anderen Türen auch.

Pferde

Der Sommer ist vorbei

Das wäre eigentlich kein Problem. Denn der Ersatzschlüssel war immer im Rucksack. Doch jetzt nicht. Denn den hatten wir in Baku im Hotel vergessen. Und von dort war er nach Deutschland zu meinem Sohn geschickt worden.

Was also tun? Ich fragte die Vermieterin und sie wusste Rat. Sie rief bei einer Autowerkstatt an. Und nach ca. einer Stunde kamen zwei Mechaniker. Mit Schraubenzieher und einem biegsamen Draht war der Landcruiser in weniger als 20 Sekunden wieder offen. Für 10 Lewa, etwa 5 Euro. Gut, dass ich vorher nicht wusste, wie schnell das geht 😉

Petrisch, Bulgaria

Auf dem Land wird noch viel selbst angebaut

Normalerweise ist die Fahrertür nicht abgeschlossen wenn man sie schließt. Schon aus Sicherheitsgründen. Damit man sich im australischen Outback nicht ausschließt. Nur wenn man beim Schließen der Tür gleichzeitig innen am Griff einen kleinen Hebel drückt wird die Tür verschlossen. Und das hatte ich wohl aus Unachtsamkeit gemacht.

Etwas Gutes hatte mein Fehler aber auch. Ich wurde von der Vermieterin gleich zum Abendessen eingeladen. Wahrscheinlich hatte sie Verständnis dafür, dass ich jetzt keine Lust mehr hatte, irgendwo im Ort noch ein Restaurant zu suchen.

Nach Sofia

Melnik, Bulgarien

Blick auf Melnik

Petrisch ist jetzt nicht so wirklich ein Touristenort. So machte ich mich am folgenden Morgen in Richtung Sofia auf. Dabei empfahl mir die Vermieterin, noch einen kurzen Umweg über Melnik zu machen. Das ist ein Museumsort und Hauptziel für Touristen. Vor allem wegen seiner historischen Gebäude und der 100m hohen Sandsteinfelsen direkt am Ortsrand. Und seinem Weinanbau.

Ich bin da zwar erst mal hingefahren. aber habe mir das Panorama dann doch nur oben von der Straße angesehen. So toll war das Wetter nicht. Alte Häuser und Kirchen wollte ich nicht besichtigen. Und Wein konnte ich wegen des Fahrens ohnehin nicht trinken. Die Felsen konnte ich auch aus der Entfernung sehen.

Unterwegs in Bulgarien

Auf dem Weg nach Sofia

Der kleine Umweg führte aber dazu, dass ich etwa die Hälfte der 200km nach Sofia auf Landstraßen gefahren bin.

Und das war recht entspannt. Meist ohne jeden Verkehr zwischen den kleinen Orten.

Im Sommer kann man in dieser Gegend bestimmt schön Wandern oder Fahrrad fahren.

Die Hauptstadt von Bulgarien

Gebäude in Sofia, Bulgarien

Sieht aus wie ein Museum. Oder eine Kunsthalle?

In Sofia hatte ich wie üblich eine Unterkunft etwas außerhalb der Innenstadt gebucht. Aber immer noch so, dass ich die City auf einem 6km langen Spaziergang gut erkunden konnte. Den habe ich auf etwas unterschiedlichen Routen dann sogar zweimal gemacht. Einmal am Vormittag. Und weil das Wetter wieder schlechter wurde dann nochmal abends. Im Hotel gab es ein (öffentliches) Bad mit Sauna. Da bin ich dann zwischendurch drin gewesen.

Seit mindestens 5000 Jahren leben in Sofia schon Menschen. In römischer Zeit hieß der Ort Serdica. Dann eroberten die Osmanen die Stadt. Und erst nach 500 Jahren bekam sie ihre Selbständigkeit zurück. Die Zeit im Kommunismus und westliche Einflüsse seit 1990 brachten wieder neue Impulse. So entstand ein ganz spannender Mix aus persischer, türkischer, russischer, slawischer und europäischer Kultur.

Fußgängerzone Sofia, Bulgarien / Pedestrian zone SofiaNatürlich auch beim Essen. Klar, ich hätte Hamburger futtern können. Aber es sollte ja was typisch Bulgarisches sein. Für Tarator (kalte Gurkensuppe mit Joghurt) war es zu kalt. Schopska Salat war mir zu wenig. Nur Gurke, Tomate, bulgarischer(!) Schafskäse, Zwiebel, Petersilie, Salz. Aber kein Essig und Öl. Also habe ich Kebaptscheta gewählt. Das ist so ähnlich wie Ćevapčići in Serbien. Aber wirklich auch nur so ähnlich. Die Auswahl an Gewürzen macht den Unterschied.

Wenn übrigens die Verständigung in Bulgarien mal nicht so klappt, dann muss man aufpassen. Kopfnicken bedeutet Ablehnung/Verneinung. Und Kopfschütteln Zustimmung/Bejahung. Also grade umgekehrt wie anderswo.

Eine Zeitreise durch 2000 Jahre

Straßenbahn Sofia, Bulgarien / Tram in SofiaJetzt wird es aber Zeit für einen kleinen Rundgang durch die Hauptstadt von Bulgarien.

Die U-Bahn brauchte ich dazu nicht.

Noch nicht einmal die schicke Straßenbahn, die quer durch die Stadt fährt. Übrigens schon seit dem Jahr 1898.

 

Sweti Aleksandar Newski

Aleksandar Newski Kathedrale Sofia, BulgarienDie bulgarisch-orthodoxe Alexander Newski Kathedrale ist das Wahrzeichen von Sofia. Mit golden glänzenden Kuppeln und auch im Inneren prunkvoll ausgestattet.

Gebaut wurde sie 1882 – 1912 zum Gedenken an Zar Alexander II. und die Befreiung Bulgariens von der türkischen Herrschaft.

Aleksandar Newski Kathedrale Sofia, Bulgarien

Ich finde, am Abend sieht sie schöner aus

Jeder mag für sich selbst entscheiden, ob sie ihm am Tage oder am Abend besser gefällt. Ich fand sie am Abend schöner.

Zum einen ist der Platz vor der Kathedrale dann nicht so voll. Zum anderen fand ich aber auch das Licht am Abend schöner. Auch wenn man dann die goldenen Kuppeln nicht sieht. Aber ich hatte auch das Glück, dass gerade Vollmond war.

Aleksandar Newski Kathedrale Sofia, Bulgarien

An der Aleksandar Newski Kathedrale gibt es einen kleinen Flohmarkt

Hinter der Kathedrale ist ein kleiner Park mit einem Trödelmarkt.

Für 3 Euro wollte man mir aber keine Medaille „Held sozialistischer Arbeit“ aus der UdSSR verkaufen.

Und Fotos davon durfte ich auch nicht machen.

 

Reiterstatue Zar Alexander II.

Ein paar Schritte weiter schaut der russische Zar hoch zu Ross auf das Parlamentsgebäude. Das 12m hohe Denkmal wurde 1907 enthüllt. Ebenfalls ein Dank für die Befreiung Bulgariens.

Reiterstatue Zar Alexander II. Sofia, Bulgarien / Equestrian StatueAllerdings ist es schwierig zu fotografieren. Denn Gebäude mit ziemlich großen Werbetafeln stehen dahinter.

Entweder ist Werbung von einer deutschen Spedition mit auf dem Bild. Oder von einer amerikanischen Versicherung und einer internationalen Hotelkette.

Oder man sieht nur den Schwanz vom Pferd. Doch dafür dann auch das Parlamentsgebäude…

Sweti Nikolaj

Sweti Nikolaj Sofia, Bulgarien / ChurchDie russisch-orthodoxe Nikolaikirche mit ihrem grünen Dach und den vergoldeten Zwiebeltürmen finde ich persönlich hübscher als die Alexander Newski Kathedrale.

Sie wirkt nicht so wuchtig und steht auch nicht an einem so großen belebten Platz.

1914 wurde sie eingeweiht. Angeblich, weil der russische Botschafter Sehnsucht nach seiner Heimat hatte.

Nationaltheater Iwan Wasow
Nationaltheater Iwan Wasow Sofia, Bulgarien

Hübsch, der Springbrunnen vor dem Nationaltheater

Ebenso ansprechend wie die Nikolaikirche fand ich das Nationaltheater aus dem Jahre 1907.

Benannt ist es nach einem bulgarischen Historiker und Schriftsteller.

Durch seine Lage am Stadtgarten von Sofia und dem Springbrunnen davor herrscht hier eine ganz entspannte Atmosphäre.

Nationaltheater Iwan Wasow Sofia, BulgarienAngeblich gibt es dort manchmal ganz spontan eine Art open-air-Tanzfläche für junge Leute.

Gesehen habe ich das nicht, aber es war ja auch schon dunkel.

Und Ende Oktober war es abends nicht mehr so richtig warm.

Rotonda Sweti Georgi
St. Georgs Rotunde Sofia, Bulgarien

Umgeben von hohen Häuserblocks: Die Rotonda Sweti Georgi

Zuerst wusste ich gar nicht genau, was das überhaupt ist. Eine Kirche, eine Ausgrabungsstätte, antike Ruinen?

Eigentlich alles drei. Der Backsteinbau der frühchristlichen Kirche wurde wohl im 4. Jahrhundert errichtet. In den Resten einer römischen Siedlung. Und er gilt als ältestes Gebäude in Sofia.

Ungewöhnlich ist die Lage der St. Georgs Rotunde. Zwischen großen Häuserblocks eines Hotels und dem Präsidentenpalast. Aber sie liegt nun mal mitten im alten Stadtzentrum.

Übrigens gibt es nur 500m entfernt auch noch Überreste eines römischen Amphitheaters. Mit Platz für 20.000 bis 25.000 Zuschauer bei Gladiatorenkämpfen war es fast genauso groß wie das Kolosseum in Rom. Leider konnte ich diese Ausgrabungsstätte aber nicht besuchen, weil sie am Abend bereits geschlossen war.

Dreieck oder Quadrat?

Aufgrund der Stadtgeschichte leben in Sofia alle drei Weltreligionen friedlich nebeneinander. Und im Zentrum stehen ihre Bauwerke auf engem Raum zusammen. Eine Synagoge, eine Moschee und eine römisch-katholische Kirche im „Dreieck der Toleranz.

Synagoge Sofia, Bulgarien

Die Synagoge…

Banja Baschi Moschee Sofia, Bulgarien

…und die Banja Baschi Moschee

Manchmal wird auch noch die bulgarisch-orthodoxe Kathedrale Sweta Nedelja in der Nähe dazugezählt. Dann wird das Dreieck der Toleranz zum „Quadrat der Toleranz.

Sweta Petka
Sweta Petka Sofia, Bulgarien

Die Sweta Petka Kirche von vorn…

In einer Unterführung an der U-Bahn Station Serdica ganz in der Nähe der St. Georgs Rotunde steht noch eine uralte kleine Kirche.  Die Sweta Petka aus dem 16. Jahrhundert mit ein Meter dicken Wänden und nur einem Raum.

Blickt man von vorne auf sie, sieht man im Hintergrund das ehemalige Gebäude der Kommunistischen Partei Bulgariens.

Sweta Petka Sofia, Bulgarien

…und von hinten

In umgekehrter Richtung ist im Hintergrund die Statue der „Heiligen Sofia“ zu sehen.

Diese Figur wurde am „Platz der Unabhängigkeit“ im Jahr 2000 aufgestellt.

Sie löste eine Leninstatue ab, die dort bis 1990 stand und gilt als Beschützerin von Sofia und Bulgarien.

Und hier gibt’s noch ein paar weiter Fotos von meinem Stadtbummel durch Sofia.

We will rock you… Open air

Nationaler Kulturpalast Sofia

Der Kulturpalast in einem großen Park

Sofia, Bulgarien

Solche Häuschen für die Polizei zur Ampelsteuerung gab’s glaube ich in den 50er Jahren bei uns auch

Mehrfachbelichtung!

 

Zum Witoscha Gebirge

Am zweiten Tag wollte ich noch vor die Tore der Stadt. Denn dort liegt das Witoscha Gebirge. Das Naherholungsgebiet der… Ja wie sagt man eigentlich zu den Bewohnern von Sofia?

Bei den Bewohnern von Frankfurt oder Hamburg ist das klar, Frankurter oder Hamburger. Aber Sofia? Sofiaer, Sofiosi? Muss ich gleich mal im Internet gucken. Wikipedia mogelt sich drumherum und schreibt „…der Hauptstädter…„. Der Duden nennt sie Sofioter. Und es heißt dort auch „die Sofioter City„. Ob das richtig ist? Klingt ziemlich komisch 😉

Sofia, Bulgarien

Ein Blick vom Witoscha Gebirge auf die Stadt

Egal wie, jedenfalls bin ich an den Fuß des Gebirges gefahren. Das ist bis zu 2.300m hoch. Und es beginnt schon in den südlichen Vororten von Sofia. Irgendwann habe ich das Auto dann abgestellt und bin ein Stück hochgelaufen. Doch leider war es an diesem Vormittag nebelig und ich habe bald aufgegeben.

Den Nebel in Bulgarien kannte ich übrigens schon. Ein paar Wochen zuvor war es von Burgas zur griechischen Grenze genauso. Und bei meinem allerersten Besuch in Bulgarien auch. 1975, als ich einen LKW von Deutschland nach Syrien überführt habe. Damals musste ich den LKW an Kreuzungen quer stellen, um die Straßenschilder lesen zu können. Denn Internet gab’s damals noch nicht…

Weiter oben im Gebirge sollten noch ein Wasserfall, ein Kloster und die sogenannten „Steinflüsse“ sein. Lange Strecken von ziemlich großen Felsblöcken. Doch die Ausschilderung der Wanderwege war – nun ja – etwas spärlich. Und auf Google Maps wollte ich mich bei Waldwanderwegen nun schon mal gar nicht verlassen.

Kirche von Bojana
Kirche von Bojana, Sofia, Bulgarien

Die Kirche von Bojana am Fuß des Witoscha Gebirges

Auch die Straße ins Gebirge wollte ich nicht weiter hochfahren. Denn außer für Militär war das verboten. Zwar sagte mir ein Wanderer, es gäbe keine Probleme. Doch darauf wollte ich es als Tourist nicht ankommen lassen.

Also machte ich kehrt und fuhr in den nahe gelegenen Sofioter(!) Vorort Bojana. Durch kleine und kleinste Anliegerstraßen erreichte ich mt allerlei Durchfragen mein Ziel.

Kirche von Bojana, Sofia, Bulgarien / Church of BoyanaDie bulgarisch-orthodoxe Kirche von Bojana. Sie ist aus dem 10. Jahrhundert und aus dicken Ziegelsteinmauern gebaut. Innen gibt es gut erhaltene Wandmalereien. Und vermutlich steht die Kirche deswegen auch in der Liste des UNESCO Weltkulturerbes.

So spektakulär fand ich sie jedoch nicht und suchte bald lieber ein Restaurant in der Nähe. Aber leider vergeblich. Also ging es am Nachmittag wieder ins Zentrum zum Hotel zurück. Und dort in die Sauna. Vielleicht sollte man das Witoscha Gebirge eher zusammen mit einem Einheimischen besuchen.

In den Norden von Bulgarien

Eine ehemalige Kollegin empfahl mir vor meiner Weiterfahrt nach Rumänien unbedingt noch einen Stop in Weliko Tarnowo. Von Sofia nur 220km entfernt. Dort kam ich auf dem Weg nach Bukarest ohnehin vorbei.

Unterwegs nach Norden

Die Fahrt über die Autobahn endlich mal an einem sonnigen Tag dauerte nur drei Stunden.

Ein Zimmer habe ich mir oberhalb des Ortes an der Fernstraße genommen. In die verwinkelten und engen Gassen wollte ich mit dem Landcruiser definitiv nicht fahren.

Und meine Wahl war gar nicht schlecht. Denn am nächsten Tag konnte ich in einer halben Stunde durch den Wald in die Stadt laufen.

Weliko Tarnowo

Zarewez Festung und Kathedrale des Patriarchen, Weliko Tarnowo, Bulgarien

Zarewez Festung und Kathedrale des Patriarchen

Auch dieser Ort ist mindestens 5000 Jahre alt. Aber richtig entwickelt hat er sich erst im Mittelalter. Damals wurde von den bulgarischen Zaren (Königen) dort eine große Festung errichtet.

Erst innerhalb der Festung und später darüber hinaus entwickelte sich die Stadt. Sie wurde politischer, religiöser und kultureller Mittelpunkt. Und war dann sogar 200 Jahre lang Hauptstadt des Bulgarischen Reiches.

Weliko Tarnowo, Bulgarien

Blick auf die Stadt

Diese Entwicklung hat aber auch mit ihrer besonderen Lage zu tun.

Über Jahrtausende hat der Fluss Jantra eine tiefe steile Schlucht in das Gebirge gegraben. Und gleichzeitig macht er hier mehreren Schleifen.

Dadurch entstanden verschiedene große Hügel. Auf dem wichtigsten, dem Zarewetz, wurde der Festungskomplex gebaut. Und die Stadt dehnte sich dann auf die anderen Hügel aus.

Die Festung, das Panorama der Altstadt am Steilufer des Flusses und alte Häuser machen Weliko Tarnowo heute zum Touristenziel. Manche sagen, es sei eine der schönsten Städte in Bulgarien. Und Weliko Tarnowo war bereits 2010 Kulturhauptstadt des Balkans.

Die Festung Zarewez
Eingang zur Festung, Weliko Tarnowo, Bulgarien

Der Eingang zur Festung

Meinen Rundgang begann natürlich an der Festung.

Aber ich war schon so früh am Morgen da, dass noch nicht einmal das Kassenhäuschen geöffnet hatte.

Natürlich war auch die wiederaufgebaute Kirche des bulgarisch-orthodoxen Patriarchen noch geschlossen. Zu der sollte man auf jeden Fall mal ganz hinauf laufen.

Kathedrale des Patriarchen, Weliko Tarnowo, Bulgarien

Die Kathedrale des Patriarchen ganz oben auf dem Berg. Ob der da jeden Tag raufgeklettert ist?

Unterhalb der Kirche sind dann die Reste des Palastes der bulgarischen Zaren und der ersten Besiedelung zu sehen.

Während der Öffnungszeiten kann man wohl auch an einer Führung teilnehmen.

Dann wird man wahrscheinlich noch mehr historische Einzelheiten über den Festungskomplex erfahren.

Das Varusha Viertel und die Samovodska Charshia
Nadeshda 1869, Weliko Tarnowo, Bulgarien

Früher eine Schule, heute Kommunikationszentrum: Nadeshda 1869

Gegenüber dem alten politischen und kirchlichen Zentrum liegt das Varusha Viertel, die heutige Altstadt.

Auf dem einen Kilometer langen Weg vom Eingang der Festung dorthin kommt man dabei an hübschen alten Häusern und einer Kathedrale vorbei.

 

Samovodska Charshia, Weliko Tarnowo, Bulgarien

Die Handwerkerstraße, Samovodska Charshia

In der Altstadt gibt es schmale Gassen mit Kopfsteinpflaster und Häusern aus dem 19. Jahrhundert. Darin kleine Geschäfte mit Kunsthandwerk. Besonders in der Samovodska Charshia, der Handwerker Straße.

Wenn man keine Lust mehr hat weiterzulaufen findet man hier auch nette Cafes und traditionelle Restaurants. Und man fühlt sich ein bisschen wie vor 200 Jahren.

Blick ins Tal – Das Asenevtsi Denkmal und die Stambolov Brücke

Weliko Tarnowo, BulgarienZurück Richtung Festung kann man einen etwas anderen Weg entlang der Jantra nehmen. Und dort immer mal wieder rechts in schmale Durchgänge zwischen den Häusern gehen.

Dann hat man einen tollen Blick auf den tief am Fluss gelegenen Sveta Gora Park. Und auf das Asenevtsi-Denkmal direkt an einer Flussbiegung.

Asenevtsi Denkmal und Stambolov Brücke, Weliko Tarnowo, Bulgarien

Von fast überall in der Stadt zu sehen: Das Asenevtsi Denkmal. Dahinter die Stambolov Brücke

Es wurde 1985 in sozialistischem Stil errichtet. Zur Erinnerung an die bulgarischen Zaren aus der Dynastie Asen (oder Assen). Asen I und seine Brüder Petar und Kaloyan sowie Asen II, dem Sohn von Asen I.

Die Brüder begannen 1185 einen erfolgreichen Aufstand. Gegen die Besatzung von Bulgarien durch die Kaiser in Konstantinopel. In der Folge gründeten sie dann das Zweite Bulgarische Königreich.

Weliko Tarnowo, Bulgarien

In der Stadt gibt’s viele Brücken

Der Ort für das Denkmal ist perfekt gewählt. Weliko Tarnowo liegt auf Hügeln und man kann von fast jedem Punkt der Stadt das Denkmal sehen.

Dabei sieht man auch die Stambolov-Brücke von 1897 über die Jantra. Heute jedoch nur noch für Fußgänger und Radfahrer nutzbar.

Es würde sich wohl auch lohnen, mal zum Denkmal hinunter zu laufen. Und von dort auf die Stadt hochzuschauen. Dabei dürfte sich wieder eine ganz andere Perspekive auf Weliko Tarnowo ergeben. Darauf habe ich allerdings verzichtet.

Klöster in der Umgebung
Kloster der Heiligen Dreifaltigkeit, Weliko Tarnowo, Bulgarien

Nur die Klostertürme sind hinter dem hohen Tor zu sehen

Weil ich morgens schon so früh in der Stadt war hatte ich Zeit, am späteren Nachmittag noch zu einem der vielen Klöster in der Umgebung zu fahren. Ausgesucht hatte ich mir das Kloster der Heiligen Dreifaltigkeit. Vor allem weil es dort Mönchzellen geben sollte, die direkt in den Felsen gehauen worden waren.

Über kleine Landstraßen war ich auch schnell da. Denn das Kloster ist nur 6 Kilometer von der Stadt entfernt. Doch leider war es schon zu spät. Die Tür zur Klosteranlage war abgeschlossen. So konnte ich außen nur ein Foto von den Klostertürmen und der Felswand dahinter machen. Schade.

Von Bulgarien nach Rumänien

Am nächsten Tag fuhr ich weiter nach Bukarest. Zuerst 120km bis zur bulgarischen Grenze. Einen Großteil davon wieder über Landstraßen.

An einem alten Flussbett habe ich in Bulgarien noch mal Pause gemacht. Dabei entdeckte ich eine kleine Hängebrücke und einen romantischen Wasserfall. Vor der Weiterfahrt habe ich dann den Landcruiser auf blinde Passagieren gecheckt.

Tschüss Bulgarien

Eigentlich wollte ich Bulgarien mit seinen vielen tollen Landschaften noch gar nicht verlassen.

Und ich würde gerne noch mal im Sommer zurückkommen.

Denn ich glaube, dieses spannende Land im Südosten Europas hat eine Menge zu bieten. Es wird jedoch oft noch unterschätzt.

Donaubrücke, Russe, Bulgarien

Auf nach Rumänien!

Bis zur Grenze waren es dann nur noch ein paar Kilometer. Sie liegt genau in der Mitte der Donau.

Zollkontrolle und Brückenmaut auf bulgarischer Seite waren schnell erledigt. Dann ging es über die wunderschöne 30m hohe „Brücke der Freundschaft“ aus dem Jahre 1954 fast drei Kilometer über den Fluss.

Übrigens soll die Brücke unter der Fahrbahn auch noch eine Eisenbahnverbindung und einen Fußweg haben. Aber die konnte ich von oben nicht sehen.

Streit vor der Grenze

Auf rumänischer Seite war hinter der Brücke Stau. Für die 2km bis zur Kontrollstelle brauchte ich daher mehr als zweieinhalb Stunden. Kurz vor der Grenzstation passierte dann direkt vor mir noch etwas Lustiges. Ein rumänischer Mercedes fuhr rechts vorbei und wollte sich vor meinem Vordermann einfädeln. Dann begann eine heftige Diskussion…

ARRRRRGH – SMASH – GHOK – KANNGG – KA-BOOSH – KKKA-RACK – DONG

Schließlich stellte sich die – nun ja kräftige – Beifahrerin meines Vordermannes ihrem Kontrahenten erst in den Weg. Und sprang dann mit Schwung auf seine Motorhaube. Beide Parteien mussten rechts heraus fahren und wurden von der Polizei befragt. So war ich eher an der Kontrollstelle als mein Vordermann. Der diskutierte immer noch mit den Beamten.

Die Einreise nach Rumänien dauerte nur ein paar Minuten. Aber ich hatte durch den Stau schon viel Zeit verloren. Und kam erst bei Dunkelheit in Bukarest an. Obwohl die rumänische Hauptstadt nur 70km von diesem Grenzübergang entfernt ist.

Video Bulgarien

An dieser Stelle wie immer mein Dashcam-Video (2m 33s, 468 MB; Musik: Secrets Secrets – Silent Partner, YouTube Audiolibrary).

  • Petrisch
  • Richtung Sofia
  • Nach Weliko Tarnowo
  • Zur Grenze und über die Donau
  • Stau vor der Grenze

Was ich dann in Rumänien erlebt habe, das erzähle ich euch im nächsten Post.

Cheers, Rüdiger 😎

 

 

Griechenland stand zuerst gar nicht auf meiner Reiseplanung. Denn eigentlich wollte ich ja durch die Türkei fahren. Und von dort über Bulgarien nach Norden. Weil eine Einreise in die Türkei aber nicht möglich war, hatte ich mich dazu entschieden, mir noch Griechenland anzusehen.

Karte Bulgarien und Griechenland

Von Burgas nach Athen, Korinth, Kap Sunion, Delphi und zu den Meteora Klöstern. Und von dort noch mal in den Süden auf den Peloponnes. Zusammen 2.850km

Da wollte ich schon immer mal mit dem Auto hin. Das erste Mal nach dem Abitur. Das ging jedoch damals nicht, da ich noch nicht volljährig war. Und später fehlte für eine längere Autoreise einfach die Zeit. So passte der Abstecher nun sehr gut.

Die Überschrift des Posts lautet zwar Griechenland. Aber nach der Ankunft in Europa war ich zuerst noch drei Tage in Bulgarien.

 

Drei Tage in Burgas / Bulgarien

Flagge Bulgarien

Flagge Bulgarien

Die Passkontrolle noch auf der Fähre war in zwei Minuten erledigt. Denn ich habe ja einen EU-Pass. Dann musste ich den Landcruiser auf einem Zollplatz abstellen. Und im Zollbüro die Einfuhr des Landcruisers organisieren.

Dabei hatte ich unheimliches Glück. Denn der Zollbeamte sprach Deutsch. Seine Eltern waren wohl aus Österreich eingewandert. So konnte ich ihm ohne sprachliche Schwierigkeiten klarmachen, wieso ich hier mit einem in Australien zugelassenen Auto aufkreuzte.

Hummer und Landcruiser

Der ‚Hummer‘ neben dem Landcruiser war auch auf der Fähre übers Schwarze Meer. Aber der Besitzer nicht. Der ist geflogen…

Er fragte mich dann noch, ob ich Steuer und Zoll für den Wagen gleich vor Ort bezahlen wollte. Oder erst später in Deutschland.

Ich habe mich für Deutschland entschieden. Denn ich wollte kein Risiko eingehen dass die in Bulgarien gezahlte Steuer später in Deutschland nicht anerkannt wird.

Nummernschild und Auto wurden in die EDV eingetragen und es fand noch eine kurze Besichtigung des Wagens statt. Ohne intensive Kontrolle des Innenraums.

Dann durfte ich in die Stadt fahren. Und dort sollte ich mich auch um eine Grenzversicherung kümmern. Auf dem Hafengelände gab es keine Versicherungsbüros.

Die Grenzversicherung wird zum Problem

Bargeld bekam ich an einem ATM. Eine SIM-Karte in einem Telefonshop. Auch der Kauf einer Autobahnvignette war an einer Tankstelle schnell erledigt.

Aber die Grenzversicherung für den Landcruiser war schwierig. Am nächsten Tag war ich dazu bei mindestens fünf Versicherungsbüros. Bulgarischen und internationalen. Doch keines wollte den Landcruiser versichern. Überall hieß es, das haben wir nicht im Angebot. An einer Landgrenze wäre das sicher einfacher gewesen.

Internationaler Versicherungsschein für die Europäische Union

Endlich hatte ich eine Grüne Karte für den Landcruiser

Immerhin telefonierte dann eine hilfsbereite Mitarbeiterin bei einem Versicherer ziemlich lange herum. Und schickte mich schließlich zum Versicherungsbüro des bulgarischen Automobilclubs.

Die wollten mir eine Haftpflichtversicherung für die EU ausstellen. Ich sollte in der Zwischenzeit schon mal Bargeld besorgen.

Die Währung hieß jetzt Lew, im Plural Lewa. Und 1 Lew sind 100 Stotinki. 200 Lewa sollte die Versicherung für 3 Monate kosten, also etwa 100 Euro. Wenn ich gewusst hätte, dass sie später in Deutschland rund drei Mal so teuer war, dann hätte ich sie in Bulgarien gleich für 6 Monate abgeschlossen.

Aber egal, nach ein paar Stunden hatte ich endlich eine grüne Versicherungskarte. Gültig für alle EU-Länder. Und meine Reise konnte weitergehen.

Jassas Ellas – Hallo Griechenland

Flagge Griechenland

Flagge Griechenland

Dies wurde auch langsam Zeit. Denn das Wetter in Burgas verschlechterte sich von Tag zu Tag. Während am Ankunftstag noch die Sonne schien, regnete es zwei Tage später unablässig. Und dazu war es auch noch neblig. Da machte es keinen Spaß mehr, draußen herumzulaufen.

Also setzte ich mich ins Auto und fuhr Richtung Griechenland. Erst über eine Autobahn. Die aber später in eine Landstraße überging. Nach 300 km kam ich an die bulgarisch-griechische Grenze. Mitten in den Bergen. Verregnet und neblig. Ich hoffte mal, dass sich dies spätestens an der Küste ändern würde.

Die Passkontrolle war in zwei Minuten erledigt. Ich war ja innerhalb der EU. Und auch auf meine Autozulassung hat mich niemand angesprochen. Ebenso wenig gab es eine Zollkontrolle.

Kawala, Griechenland

Auch im Norden von Griechenland ist es schon herbstlich

So bin ich Richtung Küste weitergefahren. Und hatte in dem kleinen Ort Kavala 150 km vor Thessaloniki für eine Nacht ein Guesthouse gebucht. Denn in die Großstadt wollte ich nicht fahren.

Das Guesthouse war schnell gefunden. Aber leer und abgeschlossen wie einige Wochen vorher das in Gori/Georgien. Nur dass dieses Mal kein freundlicher Nachbar zu sehen war. Denn die Straßen waren leer. Es hatte auch hier wohl kurz vorher ziemlich geregnet.

Schlecht gelaunt rief ich also wieder Mal bei dem Hotelportal in Frankfurt an. Und bekam nach einer halben Stunde ein Upgrade in einem Hotel, 5 km entfernt. Im Telefonat stellte sich heraus, dass auch hier das Guesthouses schon geschlossen hatte. Ohne dass sich die Unterkunft im Hotelportal abgemeldet hatte.

Nachdem ich mir am nächsten Morgen in Kavala eine SIM-Karte besorgt hatte, ging es weiter nach Athen. Einen Geldumtausch brauchte ich ja hier nicht, in Griechenland wird mit Euro bezahlt.

Richtung Athen
Autobahn nach Athen

Auf dem Weg nach Athen…

Auf der Fahrt merkte ich zum ersten Mal, wie gut die griechischen Autobahnen sind. Alle neu angelegt oder ausgebaut. Ebenso die vielen Tunnel. Perfekt, und viel besser und leerer als in Deutschland!

Klar, es gibt eine Autobahnmaut. Alle 30 – 80 km muss man an einer Mautstelle einen kleinen Betrag zahlen. Zwischen 1,50 und 3,70 Euro. Für jemanden, der es eilig hat, mag das etwas nervig sein. Aber ich hatte ja Zeit. Und immerhin bedeuten diese Mautstellen auch Arbeitsplätze. Und Vielfahrer können wohl auch elektronisch zahlen.

Olymp, Griechenland

Der Olymp, Sitz der griechischen Götter

Das Wetter Richtung Athen wurde besser. Und ich kam am höchsten Gebirge von Griechenland vorbei, dem Olymp. 2.900 m hoch und im Altertum der Sage nach Sitz der griechischen Götter.

Die gesamten 700 km bis in die Hauptstadt von Griechenland wollte ich nicht an einem Tag fahren. Daher blieb ich noch für eine Nacht in Lamia. Auch einem kleinen Küstenort.

Lamia, Griechenland

Das Ende der Saison

Am Nachmittag des folgenden Tages erreichte ich dann Athen. Das heißt, eigentlich bin ich erst mal nur dran vorbeigefahren. Ich hatte mir bewusst eine Unterkunft außerhalb der Stadt gesucht. Denn mit dem Landcruiser wollte ich nicht durch die engen Straßen in Griechenlands Hauptstadt fahren. Und Parkplätze für das Fahrzeug würde es dort wohl auch kaum geben.

Unterkunft in Mati

Eine richtige Entscheidung, wie ich später gesehen habe. So blieb ich für einige Nächte in Mati, einer Küstenstadt 40 km östlich von Athen. Hier hatte ich arglos ein Hotel unterwegs online gebucht. Weil dort Parkplätze im Freien ausgewiesen waren. Und es ein paar Kilometer weiter eine U-Bahn Station gab, an der man parken konnte.

Mati, Griechenland

Das Feuer kam vom Berg und ging bis zum Meer

Als ich von der Hauptstraße abbog und durch den Ort fuhr wunderte ich mich dann über viele verbrannte Bäume und leere Grundstücke an der Strecke (auch im Video zu sehen).

Polizei patrouillierte und hatte eine mobile Wache eingerichtet. Vor Häuserruinen standen mobile Toilettenanlagen.

Haus in Mati, Griechenland

Abgebranntes Haus in Mati, Oktober 2018

Erst später erfuhr ich, dass hier zwei Monate zuvor eine riesige Feuerwalze oben von den Bergen bis ans Meer alles vernichtet hat. Es hatte wohl auch viele Verletzte und Tote gegeben. Doch davon hatte ich auf meinem Roadtrip nichts mitbekommen. Das Ramada Hotel direkt am Wasser war eines der wenigen Gebäude, das stehengeblieben war. Schon das Nachbargebäude gab es nicht mehr. Und wenn es windstill war roch es in der ganzen Gegend immer noch verbrannt. Gespenstisch.

Athen, Hauptstadt von Griechenland

Natürlich kann man ohne Schwierigkeiten 14 Tage Urlaub in Athen machen. Und dabei immer wieder etwas Neues entdecken. Oder einfach nur durch die City schlendern. Oder noch ein Museum besuchen.

Straße in Athen, Griechenland

Und plötzlich steht man schon wieder vor antiken Bauwerken

Die Stadt ist kulturelles und historisches Zentrum. Mit vielen antiken Schauplätzen und Gebäuden. Und gilt als Ursprung unserer Demokratie.

Übrigens auch ein griechisches Wort, δημοκρατία (demokratia, Herrschaft des Volkes). Zusammengesetzt aus δῆμος (demos, Volk) und κράτος (kratos, Herrschaft). Wie gut, dass ich damals in der Schule in Griechisch aufgepasst hab‘ 😉

14 Tage hatte ich leider nicht. Denn ich wollte nur drei Tage bleiben und mir danach andere Teile von Griechenland ansehen.

Erst der Landcruiser, dann das Sightseeing
Straße in Athen, Griechenland

Darum wollte ich mit dem Landcruiser nicht in die Stadt fahren!

Doch bevor ich die Hauptstadt von Griechenland erkunden konnte musste ich mich erst mal um einen Service für den Landcruiser kümmern. Der letzte lag 10.000 km zurück.

Das war in Astana, der Hauptstadt Kasachstans. Da mir niemand einen Tip geben konnte, welche Werkstatt ich nehmen sollte, orientierte ich mich an den Beurteilungen in Google. Mit dem Ergebnis, dass die beste Werkstatt genau auf der anderen Seite von Athen lag.

Graffiti in Athen, Griechenland

Diskussion der griechischen Finanzkrise…

Da fuhr ich am nächsten Morgen hin. Und habe es nicht bereut. Es war wirklich ein erstklassiger Service. Der Meister nahm sich 2 Stunden Zeit, das Auto zu kontrollieren. Selbst alle 4 Reifen wurden abmontiert, um den Zustand der Bremsen zu prüfen. Und die hinteren mussten tatsächlich erneuert werden.

Das wurde vorher wahrscheinlich noch nie gemacht. Ich sollte zwei Tage später wiederkommen, bis dahin wären die Ersatzteile da.

Flamiatos Toyota, Athen, Griechenland

Super Job , der Service bei Flamiatos Toyota in Athen

Eigentlich hatte ich ja gehofft, dass der Service direkt gemacht werden würde.

So musste ich zwei Mal durch die Stadt. Und am Tag der Inspektion von der Werkstatt mit der U-Bahn ins Zentrum. Und den Landcruiser am Nachmittag rechtzeitig vor Geschäftsschluss wieder abholen.

Etwas umständlich, doch anders ging es nun mal nicht.

Streifzug durch die Antike

Blick vom Lykabettus Hügel auf Athen

Vom Lykabettus Hügel kann man über die ganze Stadt schauen

Über die Stadt und ihre historischen Stätten könnte man einen eigenen Blog schreiben.

Aber ich will hier ja keinen Reiseführer für Athen machen.

Darum berichte ich nur über einige Orte, die ich mir hier angeschaut habe. Das bedeutet aber nicht, dass andere Orte weniger interessant sind.

Blick vom Lykabettus Hügel auf die Akropolis

Und auf die Akropolis bis nach Piräus

Zum Beispiel der Syntagma Platz im Zentrum. Da kommt man aus der U-Bahn Station aber sowieso vorbei. Oder die Stadtteile Plaka und Monastiraki zum bummeln, essen und shoppen.

Und natürlich der Hausberg der Athener, der Lykabettus. Von dem hat man einen tollen Blick auf die Stadt, die Akropolis und das Meer. Jedenfalls dann, wenn der Himmel klar ist. Doch leider war das bei meinem Besuch nicht der Fall.

Wenn ihr Geschichte und südländischen Flair erleben möchtet, dann kann ich euch einen Städtetrip nach Athen unbedingt empfehlen!

Die Agora und der Tempel des Hephaistos
Hephaistos Tempel auf der antiken Agora, Athen

Am Hephaistos Tempel auf der antiken Agora ist es nicht ganz so voll wie auf der Akropolis

Wenn man sich in das Leben der Antike hineinversetzen will, sollte man die Agora (ἀγορά) besuchen. Den über 2.500 Jahre alten Marktplatz der Athener.

Der war aber früher noch viel mehr. Versammlungsplatz, Ort für Diskussionen und Wahlen, Festplatz und sozialer Treffpunkt. Also Instagram und Facebook der Antike. Nur dass man hier persönlich miteinander sprach.

Mehr als 30 Gebäude haben hier mal gestanden. Heute gibt es davon leider nur noch zwei. Eines davon ist der Tempel des Hephaistos aus Marmor. Dafür ist der aber einer der am besten erhaltenen Tempel in Griechenland.

Römische Agora in Athen Griechenland

Das war vor 2000 Jahren schon so: Weil die antike Agora zu klein wurde haben die Römer eine eigene größere römische Agora gebaut

Das Gelände ist recht groß und es kommen auch viel weniger Besucher als auf die Akropolis. Wenn man Lust hat kann man sich hier in Ruhe auf eine Zeitreise in die Antike begeben.

Übrigens bitte die antike Agora nicht mit der römischen Agora verwechseln. Die gibt es in Athen auch noch. Aber die ist „nur“ 2.000 Jahre alt, aus römischer Zeit.

Dionysostheater
Dionysos Theater Athen, Griechenland

Würdet ihr gerne auf einem gemauerten Ehrenplatz im Dionysos Theater in Athen sitzen?

Ein anderes Bauwerk der Antike ist das Dionysostheater. Unten vor der Akropolis, am Südhang des Berges.

Tragödien und Dramen der berühmten griechischen Dichter Aischylos, Sophokles und Euripides wurden hier aufgeführt. Jedes Jahr im März und April während des 8tägigen Festes der Dionysien gab es neue Stücke.

Dionysos Theater Athen, Griechenland

Und dort eine neue Tragödie von Sophokles sehen?

Setzt euch auf eine Sitzreihe und stellt euch vor, wie das wohl früher bei einer Uraufführung eines neuen Stückes gewesen sein muss.

In der ersten Zuschauerreihe stehen übrigens noch die gemauerten Ehrenplätze aus Stein.

 

 

Odeon des Herodes Atticus
Odeon des Herodes Atticus Athen

The show must go on – im Odeon des Herodes Atticus

Noch ein Theater. Oder besser gesagt ein Opernhaus. Herodes Atticus hat es als Andenken an seine Frau um die Zeitenwende bauen lassen. Ebenfalls am Fuße der Akropolis.

Hier fanden Aufführungen und Wettkämpfe der Künstler in Musik und Gesang statt. Oder Lesungen von Gedichten.

Und wie man auf dem Foto sieht, hat sich das bis heute erhalten. Denn gerade wird eine eine Musikaufführung technisch vorbereitet.

Übrigens sind alle antiken Sehenswürdigkeiten von Athen ziemlich nahe um die Akropolis verteilt. Und damit auch gut zu Fuß zu erreichen.

Die Akropolis
Akropolis Athen, Griechenland

Die Akropolis, das Wahrzeichen von Athen

156m über der Stadt. Burgberg und Festung, Herrscherpalast und Munitionsdepot, Kirche und Moschee.

Die Akropolis (Ακρόπολη) ist schon vieles gewesen. Und heute natürlich Weltkulturerbe der UNESCO. Aber am bekanntesten ist ihre Zeit vor 2.500 Jahren als Tempelanlage für die griechischen Götter.

Parthenon Akropolis Athen

So richtig leer ist das hier wahrscheinlich nie

Das größte Gebäude auf der Akropolis ist das Parthenon. Ein 70m langer Tempel aus Marmor. Gewidmet Pallas Athene, der Göttin der Weisheit. Und Schutzpatronin von Athen.

Deren Statue ist leider verschwunden. Und eine Explosion in der Zeit als Munitionslager hat große Teile vom Parthenon zerstört. Vom Rest hat der englische Botschafter Figuren nach London entführt. Die sind heute im British Museum ausgestellt.

Doch trotzdem kann man immer noch erahnen, wie prunkvoll das Gebäude gewesen sein muss.

Erechtheion auf der Akropolis

Die Mädels halten das Dach der Vorhalle des Erechteions mit ihren Köpfen

Daneben gibt es noch kleinere Gebäude auf der Akropolis. Zum Beispiel das Erechtheion. Dort stand ursprünglich der Palast des mythischen Königs Erechtheus. Und er soll darunter begraben sein.

Das Dach der Vorhalle wird nicht von Säulen getragen. Sondern von 6 Mädchenfiguren. Die hier aus Sicht der Erbauer mit ihren Köpfen eine tragende Rolle spielen.

Nike Tempel auf der Akropolis

Der kleine Nike Tempel auf der Akropolis

Auch das Eingangstor zur Akropolis, die Propyläen, kann man noch bewundern. Und den kleinen Nike Tempel.

Nein, der wird nicht ausgesprochen wie der Sportartikelhersteller. Sondern so, wie man ihn schreibt 😉

 

Eingang zur Akropolis AthenKlar, jeder Tourist will dieses Highlight von Griechenland sehen. Oder einfach nur den tollen Blick über die Stadt von der Akropolis genießen.

Und entsprechend voll ist es auch. Aber so voll hatte ich es mir tatsächlich nicht vorgestellt.

 

Und das Akropolismuseum
Akropolis Museum Athen, Griechenland

Eigentlich durfte man im Akropolis Museum keine Fotos machen

Der ganz moderne Neubau liegt ebenfalls am Fuß der Akropolis. Er bezieht auch ein Ausgrabungsfeld ein, das hier gefunden wurde.

Und hat eine eigene U-Bahn Station.

Im Museum werden nur Funde von der Akropolis gezeigt. Und auch hier kann man sich viele Stunden aufhalten.

Der Kanal von Korinth

Eingang zur Akropolis AthenNach so viel Kultur wurde es Zeit, wieder in die Natur zu kommen. Den Landcruiser hatte ich am Abend nach meinem Besuch auf der Akropolis abgeholt. Und konnte am nächsten Morgen Richtung Korinth starten.

Eigentlich war das ungeschickt. Denn ich hätte erst nach Kap Sunion fahren sollen (siehe nachfolgend). Und dann erst nach Korinth. So war das ein Umweg von 100km.

Aber ich hatte einen Roadtrip von Australien nach Deutschland geplant. Und keine Sightseeingtour in Griechenland. So hatte ich keine feste Route. Und die Tips für das Sightseeing in Griechenland bekam ich eben nicht alle rechtzeitig.

Kanal von Korinth, Griechenland

Hinter mir kann man auch Bungee Springen in den Kanal von Korinth

Der Kanal von Korinth ist ein Hingucker. Von oben, 85m tief auf die Wasseroberfläche.

Und wahrscheinlich auch von unten auf einem Boot nach oben.

1893 wurde er eröffnet. Und erspart Schiffen die 400km lange Fahrt um den Peloponnes. Aber nur kleinen Schiffen, denn auf Höhe der Wasseroberfläche ist er nur 24m breit.

Kap Sunion

Am nächsten Tag ging es also von Korinth 80km westlich von Athen wieder zurück. An die Landspitze des griechischen Festlands, 70km südlich von Athen. Hier steht auf den Klippen direkt am Meer der Marmortempel für den Meeresgott Poseidon. Oder das, was davon noch übrig ist.

Kap Sunion, Griechenland

Der Poseidon Tempel auf dem Kap Sunion bei Tageslicht…

Aber auch das ist noch wunderschön, besonders bei Sonnenuntergang.

An der Spitze des Kaps die Ruine des Tempels, auf der einen Seite die blaue Ägäis und auf der anderen die Felsenküste und bergige Landschaft.

Und Kap Sunion wird auch schon in der Odyssee von Homer erwähnt.

Kap Sunion, Griechenland

…und bei Sonnenuntergang

Der Poseidontempel ist übrigens aus einem besonderen Mamor.

Der nicht so eisenhaltig ist und daher auch nicht bräunlich wird.

Auf jeden Fall solltet ihr mal nach Kap Sunion fahren, wenn ihr in Athen seid. Das lohnt sich wirklich!

Weiter nach Delphi

Delfi, Griechenland

Auch der kleine Ort Delfi liegt am Berghang

Nach diesen Erlebnissen am Meer ging es zurück in die Berge. Nach Delphi, ca. 200km nordwestlich von Athen. Im Altertum war dieser Ort für die Menschen der Mittelpunkt der Welt.

Die Sage erzählt, dass Göttervater Zeus von den beiden Enden der Welt jeweils einen Adler aufsteigen ließ. Und die trafen sich in Delphi. Also musste hier der Mittelpunkt der Erde sein.

Das Orakel von Delphi
Apollo Tempel Delphi

Im Apollo Tempel in Delphi gab’s die Orakel

Delphi war im antiken Griechenland aber auch für sein Orakel bekannt. Eine Priesterin sagte hier die Zukunft voraus.

Das wurde vor allem von Herrschern und Reichen vor wichtigen Entscheidungen in Anspruch genommen.

Vermutlich war es auch nicht ganz billig. Die begüterte Klientel bekam dafür aber ausführliche Antworten. Die manchmal jedoch etwas zweideutig ausfallen konnten.

Apollo Tempel DelphiSo fragte König Krösus an, ob er seinen Krieg gegen die Perser gewinnen würde. Und bekam als Antwort: „Wenn du den Fluss Halys überschreitest, wirst du ein großes Reich zerstören.“

Krösus sah das positiv und dachte, er würde gegen die Perser gewinnen. Gemeint war aber etwas anderes. Er verlor und sein eigenes Reich ging unter. Auch damals waren also Voraussagen schon schwierig – besonders, wenn sie die Zukunft betrafen 😅

Blick von Delfi ins Tal

Gibt’s heute Abend noch eine Wurst?

Ärmere Leute durften nur eine Frage stellen, die mit „ja“ oder „nein“ zu beantworten war. Für die Antwort zog die Priesterin aus einem Behälter mit schwarzen und weißen Bohnen eine heraus. Erwischte sie eine weiße, dann war die Antwort „ja.“ Zog sie aber eine schwarze, dann lautete die Antwort „nein.“

Ich hätte mich ja gerne mal erkundigt, ob ich mit dem Landcruiser heil nach Hause kommen würde. Aber leider wurden schon im Jahre 391 alle Orakel von einem römischen Kaiser verboten. Schade!

Und das historische Gelände
Schatzhaus der Athener in Delphi

Schatzhaus der Athener in Delphi. Das Heiligtum war auch ganz schön reich

Vom Tempel des Apollon, wo die Orakel stattfanden, stehen heute nur noch einige Säulen.

Dafür kann man aber an der sog. „Heiligen Straße“ noch die Schatzhäuser sehen, in denen die einzelnen griechischen Städte ihre Geschenke für den delphischen Apollon aufbewahrten.

Um das ganze Gelände zu erkunden sollte man gut zu Fuß sein. Denn es zieht sich über 300 Höhenmeter am Berg entlang.

Antikes Theater in Delphi, Griechenland

Perfekt in die Berge integriert: Das antike Theater

Neben den Tempelresten und Schatzhäusern gibt es noch ein Freilichttheater vor der Bergkulisse. Und ganz oben ein Stadion.

Beides wurde für die Phytischen Spiele benutzt. Dabei fanden nämlich nicht nur sportliche sondern auch musikalische und Schauspielwettbewerbe statt.

Antikes Stadion in Delphi, Griechenland

Da ist man ja schon fertig, bevor der Wettkampf beginnt: Das antike Stadion ganz oben am Berg

Um nicht mit den Olympischen Spielen zu kollidieren wurden die Phytischen Spiele ebenfalls alle 4 Jahre ausgetragen. Immer 2 Jahre vor bzw. nach den Olympischen Spielen.

Während es unten am Apollo Tempel noch ziemlich voll war, wurde es leerer, je höher man kam. Und von ganz oben hat man auch einen tollen Blick auf die Landschaft ringsherum.

Museum in Delphi, Griechenland

Museum in Delphi. Was schüttet der denn da aus, Spaghetti?

Wie an der Akropolis gibt es auch hier neben dem Gelände ein ganz interessantes Museum. In dem kann man Ausgrabungsstücke des antiken Delphi besichtigen.

Auf jeden Fall muss man für das Gelände und das Museum zusammen einen Tag einplanen. Darum hatte ich auch 2 Nächte in Delphi übernachtet.

Schwebende Klöster

Landcruiser im Gebirge nahe Delphi

Zeit für Fotos im Gebirge nahe Delphi

Dann ging es 250km weiter nach Norden. Zu den Meteora Klöstern in der Nähe der Stadt Kalambaka. Ursprünglich waren das mal 24, die auf winzigen bis zu 500m hohen Felsen aus Sandstein mitten in der Landschaft gebaut wurden. Das sieht ziemlich exotisch aus. Heute sind davon aber nur noch 6 erhalten.

Kalambaka, Griechenland

Wenn man nach Kalambaka kommt, dann kann man nur noch staunen

Manche sprechen von schwebenden Klöstern. Denn wenn es dunstig ist oder bei tief hängenden Wolken sieht man die Felsen nicht. Dann scheinen die Klöster in der Luft zu schweben.

Eines diente übrigens schon 1981 als Drehort für einen James Bond Film.

Meteora Klöster Griechenland

Einzigartig…

Als sie gebaut wurden musste das Material an Seilen auf die Felsen hochgezogen werden. Und die Mönche sind wohl an Strickleitern hochgeklettert.

Na, das wäre nichts für mich gewesen! Heute gibt es natürlich Straßen, Wege und Treppen hinauf.

Meteora Klöster Griechenland

…Beeindruckend…

Meteora Klöster Griechenland

…Seltsam

 

Und viele Touristen
Guesthouse Arsenis, Kawala, Griechenland

An der Einfahrt vom Guesthouse Arsenis ist die Unterschrift der Deutschen Flagge etwas verrutscht

Weil ich möglichst früh am Morgen zu den Klöstern fahren wollte habe ich mir ganz in der Nähe ein Guesthouse gesucht. Mit dem schönen Namen „Arsenis“.

Früh dort zu sein ist nämlich aus zwei Gründen wichtig.

Einmal kann man dann dem Touristenansturm etwas aus dem Wege gehen.

Meteora Klöster Griechenland

Im Kloster ist auch grad‘ Mittagspause

Und zum anderen gibt’s in den Klöstern unterschiedliche Zeiten für die Mittagspause. Falls man mehr als eins besichtigen möchte. Jedes Kloster hat übrigens an einem anderen Wochentag geschlossen.

Obwohl ich also bereits um halb neun an den Klöstern war traute ich meinen Augen nicht. An der Straße parkten ohne Ende Busse und PKW. Die Japaner waren schon vor mir da. Das könnt ihr auch im Video unten sehen. Vielleicht also schon um 7 Uhr morgens da sein?

Blick ins Tal

Ausblick vom Kloster ins Tal

Während die Außenansicht der Klöster schon ein Highlight ist, hat man von innen bzw. oben einen tollen Blick ins Tal. Und manchmal auch auf die anderen Klöster.

Meteora Klöster Griechenland

Im Klosterhof

Trotzdem habe ich nur zwei besichtigt, irgendwie wiederholt sich das im Inneren dann.

Meteora Klöster Griechenland

Frühere Bewohner

Aber denkt dran wenn ihr hineinwollt: Männer nur mit langen Hosen. Und Frauen am besten mit langen Röcken. In einigen Klöstern gibt’s sonst am Eingang eine Schürze über die Hose der Damen. Ach ja, Arme und Schultern müssen auch bedeckt sein.

Der Abend im Guesthouse Arsenis verging dann auch recht schnell. Beim Dinner mit zwei niederländischen Paaren, die mit ihren Wohnmobilen auf Tour in Griechenland waren.

Nochmal auf den Peloponnes

Eigentlich war damit meine Tour durch Griechenland beendet. Ich hatte alles gesehen, was ich wollte. Trotzdem hatte ich nicht richtig Lust, jetzt weiter nach Norden zu fahren. Griechenland ist wunderschön, die Menschen sind freundlich, das Essen ist ausgezeichnet und das Wetter war hier gut. Während es im Norden regnete.

Sonnenuntergang am Meer

Wieder am Meer

In einem Telefonat schlug mein Sohn mir vor, an der Küste doch noch eine Woche Urlaub in einem Resort zu machen. Gute Idee! Nicht, dass ich keine Lust mehr zum Fahren gehabt hätte. Aber jetzt seit einem halben Jahr fast jeden Tag in einer anderen Unterkunft, dazu die täglichen Planungen zur Route und dem nächsten Ort, dazu hatte ich nicht mehr so richtig Lust.

So buchte ich ab dem nächsten Abend eine Woche im Robinson Club in Kyllini Beach. Einziger Nachteil: Der war 400km südlich auf dem Peloponnes. Hätte ich das schon von Korinth aus gemacht, dann wären es nur 200km gewesen.

Kyllini Beach
Robinson Club Kyllini Beach, Griechenland

Platz zum Entspannen

Also ging es am nächsten Tag zurück in den Süden. Erst durch die Berge und bei Patras dann über eine tolle Brücke auf den Peloponnes. Und später über kleine Nebenstraßen ans Meer.

Am Nachmittag stand ich vor dem Tor der Ferienanlage.

Und erregte bei den meist deutschen Gästen natürlich großes Aufsehen mit dem Landcruiser, seinen Aufklebern und dem australischen Kennzeichen.

Robinson Club Kyllini Beach, Griechenland

Am Strand entlang

Das war übrigens schon häufiger der Fall gewesen.

Auf mehreren Parkplätzen an der Autobahn wurde ich in Griechenland von deutschen Touristen angesprochen, die hier ebenfalls mit Leihwagen oder Wohnmobilen unterwegs waren.

Neben dem Strand, Meer und gutem Essen war hier aber noch etwas anders für mich wichtig.

Waschtag

Endlich konnte ich mal alle meine Klamotten wieder in einer Waschmaschine richtig durchwaschen. Und nicht nur im Handwaschbecken, einem See oder in einem Fluss.

Einen Ausflug habe ich dann auch noch gemacht. In das nur 90km entfernte antike Olympia.

Olympia, Griechenland

Auch in Olympia stehen noch ein paar antike Säulen

Leider war das etwas enttäuschend. Denn im Gegensatz zu Delphi sind hier eigentlich nur noch alte Steinreste zu besichtigen.

Und an einem Nachmittag durfte mein Landcruiser sogar an den Hotelstrand.

Für ein paar Fotos im online Club Magazin.

Eine Woche später war dann der Abschied vom Kyllini Beach gekommen. Auch die Anlage schloss ein paar Tage später. Und ich machte mich wieder auf den Weg nach Norden. Richtung bulgarische Grenze.

Ein letzter Stop in Griechenland

Über die tollen griechischen Autobahnen, die Brücke von Patras und später durch Tunnel und Gebirge fuhr ich nach Norden.

Veria, Griechenland

Tschüss Griechenland

Da es bis zur bulgarischen Grenze nun doch fast 700km waren legte ich für eine Nacht noch einen letzten Stop in Griechenland ein. In dem kleinen Ort Veria, 70km vor Thessaloniki.

Noch einmal abends durch den Ort bummeln und in einer griechischen Taverne gut essen. Aber ich merkte auch schon hier: Das Wetter wird herbstlich. Schließlich war es ja auch beinahe schon Ende Oktober.

Und zur bulgarischen Grenze

Am folgenden Morgen ging es zur Grenze Griechenland – Bulgarien. Das waren nur 200km und schon am Mittag war ich dort.

Frühstück

Noch ein Frühstück und dann weiter nach Bulgarien

Allerdings gab es nun vor den nächsten Grenzen eine für mich neue Aufgabe. In Veria hatte man mir dringend geraten, vor der Grenze den Landcruiser zu checken. Ob sich irgendwo auf oder unter dem Wagen ein blinder Passagier versteckt hat. Denn auch eine unbeabsichtigte Mitnahme von Migranten könnte teuer werden.

Dies sollte ich an den Grenzen zu Bulgarien, Rumänien und Ungarn machen. Ungarn ist dann wieder ein Schengen-Land, wo es zu den nachfolgenden Ländern keine Grenzkontrolle mehr gibt.

Vielleicht war dieser Hinweis etwas übervorsichtig. Denn die Grenzformalitäten waren an der Grenze zu Bulgarien zumindest überhaupt kein Problem. Nur 10 Minuten hat die ganze Abfertigung gedauert. Und ich war wieder in Bulgarien.

Was ich dort erlebt habe, das erzähle ich euch im nächsten Post.

Cheers, Rüdiger 😎

Hier kommt noch mein Dashcam Video von Griechenland (4m 20s, 809 MB; Musik: Tracks of my Fears – John Deley and the 41 Players, YouTube Audiolibrary).

  • Burgas / Bulgarien
  • Nach Griechenland
  • Kawala
  • Athen
  • Mati
  • Kap Sunion
  • Delphi
  • Meteora Klöster
  • Kyllini Beach
  • Zurück nach Bulgarien

Wie schon in bei früheren Videos habe ich festgestellt, dass das besser auf dem Handy als auf dem PC ausschaut. Müsst ihr mal ausprobieren.

Den Link zu meinem YouTube Video von 2019 stelle ich erst in einem späteren Post ein. Denn dort habe ich verschiedene europäische Länder zusammengefasst.

 

 

Batumi, Georgia / Batumi, Georgien

Der Westen von Georgien lag vor mir. Mein Sohn war nach Deutschland zurückgeflogen. Und ich war wieder allein auf meinem Roadtrip von Australien nach Deutschland.

Meine Route im Westen von Georgien

Von Tbilissi nach Batumi. Nur 400 km. Mit Abstechern wurden es dann aber 660 km

Große offroad Experimente in die Berge wollte ich jetzt nicht mehr machen. Sondern mit dem Landcruiser sicher ans Schwarze Meer und an die Grenze zur Türkei kommen. Im Vergleich zu den vorherigen Ländern nur eine kurze Strecke. 660 Kilometer, inklusive ein paar Abstechern abseits der direkten Route.

Erst mal bis Gori

Straße in Tbilissi

Raus aus Tbilissi

Zwei Stunden brauchte ich, um das Verkehrsgewühl von Tbilissi zu verlassen. Allein das Ausparken dauerte fast 30 Minuten. Für ein paar Lari hielt schließlich ein Parkplatzwächter den fließenden Verkehr an.

Swetizchoweli Kathedrale Mzcheta, Georgien

Die Swetizchoweli Kathedrale in Mzcheta

In Mzcheta machte ich eine kurze Kaffeepause. Und ein paar Fotos von der Kathedrale und der Festung.

Dann ging es auf die neue Autobahn. Denn die Strecke von Tbilissi nach Batumi ist eine Hauptverkehrsroute.

Moderne Autobahnraststätte in Georgien

Das Gebäude der modernen Autobahnraststätte ist nicht jedemanns Sache

Ziemlich außergewöhnlich sind die Raststätten dort. Im Land und international wurde anfangs darüber heftig diskutiert. Aber die Regierung wollte hier architektonische Highlights setzen. Weil im Transitland Georgien die Gebäude nahe der Autobahn für viele Durchreisende das einzige sind, das sie vom Land sehen.

In Gori kam ich schon am frühen Nachmittag an. Ich hatte ein Zimmer im Guesthouse „Emma“ online gebucht. Aber das war verschlossen.

Ich fragte einen Mann im Nachbarhaus nach den Besitzern. Leider sprach der jedoch kein Englisch. Aber er führte mich bereitwillig zu anderen Nachbarn. Eine der Frauen dort war Englischlehrerin. Sie lud mich auf einen Kaffee ein und hörte sich mein Anliegen an.

Treppe im Guesthouse Emma in Gori

Ganz nett…

Dabei erfuhr ich, dass „Emma“ Russin ist und schon abgereist war. Die Saison war zu Ende. Das sei aber alles kein Problem. Denn im Ort würden Verwandte von „Emma“ wohnen. Und die wollte sie jetzt anrufen. Ich sollte mal vor dem Guesthouse warten.

Guesthouse Emma in Gori

…das Guesthouse „Emma“ in Gori

Tatsächlich kam etwas später ein Ehepaar und schloss mir auf. Ich konnte von vier Schlafzimmern eines auswählen. Und man fragte mich, wann ich morgens Frühstück haben wollte. Dann gab man mir noch den Haustürschlüssel. So war ich im Guesthouse „Emma“ in Gori der einzige Gast. Und gespannt, ob das am nächsten Morgen mit dem Frühstück klappt.

Ein Tag in Gori

Festung Gorisziche, Gori, Georgien

Am Fuße der Festung Gorisziche

Gori mit seinen 50.000 Einwohnern gilt unter den Georgiern nicht gerade als touristisches Highlight. Trotzdem gibt’s auf der Durchreise doch allerlei zu sehen.

Da ist einmal die Festung Gorisziche. „Ziche“ heißt auf Georgisch übrigens Festung. Im 7. Jahrhundert erbaut. Auf den Resten einer Festung aus dem 3. Jahrhundert v. Chr.

Blick von der Festung auf Gori

Ein Blick von der Festung auf Gori

Und von oben hat man einen guten Ausblick auf die Stadt und die Umgebung.

Kriegsmuseum

Danach war ich im Kriegsmuseum. Mit Bildern, Fundstücken, Flaggen und deutschen und russischen Abzeichen und Uniformen aus dem Zweiten Weltkrieg. Zum Gedenken an die georgischen Soldaten, die damals gestorben sind.

Kriegsmuseum Gori, Georgien

Im Kriegsmuseum

Seit 2008 ist ein Teil der Ausstellung auch dem georgisch-russischen 5-Tage-Krieg um Südossetien gewidmet. Denn die Stadt liegt nur 25 km von Südossetien entfernt. Und wurde während der Auseinandersetzung auch bombardiert. Und danach für einige Zeit von Russland besetzt.

 

EUMM Patrol – © Photo The EUMM

Später auf der Weiterfahrt kamen mir mehrere weiße Landcruiser entgegen. Mit EU-Flaggensymbolen und Kennzeichen EUMM plus eine Zahl. Ich habe erst mal gegoogelt, was die EUMM überhaupt ist (nur in Englisch). Eine zivile Beobachtermission der EU (European Union Monitoring Mission). Zur Überwachung der Einhaltung der Vereinbarung über den Waffenstillstand zwischen Georgien und Russland. Mein Landcruiser hätte auch gut in die Kolonne reingepasst. Allerdings hatten die neuere Autos. Bei einem Budget von 38 Millionen Euro für 3 Jahre auch nicht weiter verwunderlich…

Rathaus
Rathaus Gori, Georgien

Sieht ein bisschen wie der Reichstag in Berlin aus

Das habe ich natürlich nur von außen angesehen. Aber es ist mir gleich aufgefallen. Weil es eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Reichstag in Berlin hat. Am Ende und nach dem Krieg wurde es von deutschen Kriegsgefangenen in Gori gebaut.

Und wird wegen seiner charakteristischen Kuppel auch dort „Reichstag“ genannt.

Die Stalinallee lebt noch

In Berlin schon lange nicht mehr. Da wurde sie bereits 1961 in Karl-Marx-Allee umbenannt. Aber in Gori. Da heißt die größte Straße in der Innenstadt immer noch Stalinallee. Dazu gibt es auch einen Stalin Platz. Und einen Stalin Park. Und in einer Ecke des Stalin Parks das Stalin Museum. Warum? Weil der spätere sowjetische Diktator Georgier war. Er wurde in Gori geboren und hat vier Jahre dort gelebt.

Stalin Museum in Gori, Georgien

Das Stalin Museum von außen…

Das Museum ist passenderweise 1957 in sowjetischer Bauart errichtet worden. Und drinnen wird Stalins Leben gezeigt. In Bildern und persönlichen Gegenständen. Auch sein Arbeitszimmer ist hier aufgebaut. Das alles ist zeitlich von der Geburt bis zum Tod geordnet. Was aber komplett fehlt, ist eine kritische Darstellung der Unterdrückung des Volkes, der politischen Säuberungsaktionen, der Hungersnöte und der Zwangslager.

Stalin Museum in Gori, Georgien

…und innen

Vor dem Museum steht noch Stalins Geburtshaus. Eine Lehmhütte mit Strohdach. Und daneben ein Eisenbahnwaggon aus seinem Sonderzug.

Das Museum war erstaunlich voll. Mit Georgiern und Touristen aus aller Welt. Ich denke, in Tbilissi kann man Tagesausflüge hierher buchen.

Uplisziche – Fast in der Mitte von Georgien

Am nächsten Morgen wollte ich weiter. Und hatte darum gebeten, das Frühstück schon um 7 Uhr zu bringen. Pünktlich wie schon am Tag zuvor klingelte es an der Haustür. Es gab Kaffee und Spiegeleier, frisches Brot und selbstgemachten Honig und Marmelade. Ja, „Emma“ hatte ihre Verwandtschaft gut im Griff 😉

Höhlenstadt Uplisziche in Georgien

Warten vorm Museum

So war ich schon gegen 8 Uhr auf der Straße. Über Landstraßen und durch kleine Bauerndörfer erreichte ich schon 30 Minuten später die Festungsstadt. Doch leider war der Eingang noch verschlossen. Öffnungszeit war 10 – 18 Uhr. Auch die Imbissstände und Cafés am Eingang waren noch zu. So blieb mir nichts anderes übrig, als mir schon mal die Route zum nächsten Übernachtungsort anzusehen. Und dort eine Unterkunft für den Abend zu buchen.

Uplisziche war eine Höhlenstadt. Die Wohnhäuser wurden in den weichen Fels auf einem Plateau hoch über dem Fluss Kura geschlagen. Schon im 6. Jahrhundert v. Chr. lebten hier Menschen. Und später war Uplisziche ein Zentrum an der alten Seidenstraße. Das erst im 13. Jahrhundert durch die Mongolen eingenommen und zerstört werden konnte.

Höhlenstadt Uplisziche in Georgien

Uplisziche ist eine der ältesten Siedlungen der Welt

Höhlenstadt Uplisziche in Georgien

Aber ich glaub‘, mir wäre das da zu zugig gewesen

Höhlenstadt Uplisziche in Georgien

Von oben ein Blick auf die Kura

So richtig vorstellen kann ich mir das Leben dort aber eigentlich nicht. Vor allem hätte mich mal interessiert, ob es vor den Eingängen in die Höhlen früher so etwas wie Wände und Türen zum Schutz gegen Kälte und Wind gegeben hat. Ehrlich gesagt, leben hätte ich dort damals nicht wollen.

Weiter nach Kutaissi

Der Weg weiter nach Kutaissi ging teils über die neue Autobahn. Aber teilweise auch noch über Landstraßen. Vermutlich weil die Autobahn hier noch nicht fertig gebaut war. An der Landstraße waren in den Dörfern kleine Verkaufsstände aufgebaut. Dort gab es entweder Gemüse und Obst. Oder auch Schuhe und Bekleidung.

Kutaissi, Georgien

Das war manchmal etwas schwierig, hier zu rangieren

Der Weg in der Stadt zu meiner Unterkunft war schließlich kompliziert. Google Maps meinte mal wieder, die kürzeste Route anbieten zu müssen. Mit dem Ergebnis, dass ich durch enge Straßen mit Kopfsteinpflaster fuhr. Mit Kurven, an denen ich erst mal rangieren musste. Immerhin ging es aber sogar den Kleinwagen vor mir genauso. Sehr beruhigend.

In einem Restaurant kam ich am Abend mit zwei deutschen Mädels ins Gespräch. Die waren gerade angekommen und wollten später wandern gehen. Für den nächsten Tag verabredeten wir uns aber zunächst mal für eine Fahrt in die Umgebung.

Ein Ausflug zu den Klöstern Gelati und Motsameta
Gelati Klosteranlage, Georgien

Zwei Klosteranlagen nahe Kutaissi: Gelati und Motsameta

Die liegen ganz in der Nähe von Kutaissi. Wahrscheinlich hätte man sich einen ganzen Tag lang hier aufhalten können. Und sich mit den Bauten, Bildern, Gräbern und Legenden beschäftigen. Das eine Kloster fasziniert durch seine Gemälde, Bilder und Mosaike. Das andere durch seine Gebäude und seine Lage. Auf einem Berg an einer tiefen Schlucht.

Gelati…

…und Motsameta

Aber wir beließen es hier nur bei einem kurzen Stop. Zumal die Anlagen auch touristisch recht überlaufen waren. Inklusive Parkplatzeinweisung und Parkplatzgebühr.

Außerdem hatte ich ja auch schon etliche Kirchen und Klöster in Georgien gesehen. Und schließlich wollten wir ja auch noch weiter zum Okatse Canoyn.

Und zum Okatse Canyon
Okatse Canyon, Georgien

So spektakulär ist der Okatse Canoy gar nicht

Georgien hat ja viele Canyons. Der Okatse Canyon liegt etwa 50 km nordwestlich von Kutaissi und ist selbst gar nicht so richtig spektakulär. Dafür aber der Weg am Canyon entlang. Der Eingang ist direkt an der Straße nahe dem kleinen Dorf Zeda Gordi. Von dort muss man dann erst mal 2 km durch einen Wald bergauf und bergab zu Fuß laufen. Bis man den Eingang eines Eisensteges erreicht. Und dann einige hundert Stufen nach unten, bis zu dem schmalen Steg.

Okatse Canyon, Georgien

Aber auf dem 800m langen Steg in 80m Höhe am Canyonrand entlang zur Aussichtsplattform sollte man schwindelfrei sein

Der führt 80 Meter über dem Canyon an der Felswand entlang und ist mit Stahlträgern und Seilen daran befestigt. Man kann dort knapp 800 m bis zu einer Aussichtsplattform entlanglaufen. Bevor man jedoch zu der kommt sind als „Schikane“ noch mal etliche Treppenstufen eingebaut.

Alles in allem also ganz schön anstrengend. Und Höhenangst sollte man hier auch nicht haben. Sonst kehrt man nach 50 m wieder um.

(Fast) zurück in Kutaissi von unserem Trip

Trotzdem, der Steg über der Schlucht und seine Aussichtsplattform, die in die Schlucht hineinragt, sind das eigentliche Erlebnis.

Man kann wohl auch noch in den Canyon selbst hinunter. Doch dazu war es an diesem Nachmittag für uns schon zu spät.

Noch ein Tag in Kutaissi

Die beiden Mädels waren am folgenden Tag zu ihrer Wandertour aufgebrochen. Und ich schaute mich etwas in der Stadt um. Leider hatte sich über Nacht das Wetter geändert. Es war mit einem Mal Herbst geworden und deutlich kühler. Dazu wechselten sich Regenschauer und Wind ab. Warum die Georgier Kutaissi als Stadt der Rosen und des Mai bezeichnen erschloss sich mir an diesem Morgen jedenfalls nicht. Aber es war ja auch schon Mitte September.

Markt in Kutaissi

Gemüsesaison

Immerhin war es in der Markthalle trocken. Und die lokalen Angebote von Gemüse und Obst sahen ganz lecker und frisch aus. Dazu gab es alle möglichen Gewürze, Nüsse und Käse. Alles frisch und unverpackt.

Nach dem nächsten Schauer machte ich einen 30minütigen Fußmarsch zur Bagrati-Kathedrale. Hoch über der Stadt auf einem Berg.

Bagrati Kathedrale Kutaissi, Georgien

Die Bagrati Kathedrale ist das Wahrzeichen von Kutaissi

Die ist über 1000 Jahre alt und das Wahrzeichen von Kutaissi. Na ja, original ist sie nicht mehr.

Sie wurde seit dem 17. Jahrhundert restauriert, nachdem sie von den Osmanen verwüstet und gesprengt wurde.

Bei gutem Wetter hat man von hier aus sicher  einen wunderschönen Blick auf die Stadt.

Funicular Kutaissi, Georgien

Mit der alten kleinen Seilbahn über den Rioni Fluss zum Kinder Vergnügungspark

Wieder unten in der City brauchte ich erst mal einen heißen Kaffee. In einem Lokal direkt an einer kleinen uralten Seilbahn. Sicher noch aus Sowjetzeiten.

Na klar bin ich dann damit hochgefahren. Über den Rioni Fluss, auf einen Hügel.

Zu einem ebenso alten Vergnügungspark. Keine 10 Euro wie in Mitteleuropa, nur 3 Lari (80 Cent).

Oben warteten die Karussellbetreiber auf Kundschaft. Vor allem auf Kinder mit ihren Eltern.

Childrens amusement park, Kutaisi, GeorgiaKinder Vergnügungspark, Kutaissi, GeorgienDoch es war zu früh und zu schlechtes Wetter. So war ich fast der einzige Gast hier oben. Trotzdem, dieser Charme aus einer vergangenen Zeit ließ mich lange hier oben verweilen.

Von Kutaissi nach Batumi

Es wurde Zeit, am nächsten Tag die Berge zu verlassen. Und weiterzufahren nach Batumi am Schwarzen Meer. Ganz im Westen von Georgien. Zunächst wieder auf der Autobahn. Doch 50 Kilometer vor Batumi meinte Google Maps offenbar, dass die zu Ende sei. Und lotste mich über kleine und kleinste Nebenstraßen weiter. Ich hatte absolut keine Ahnung mehr, wo genau ich war. Aber noch genug Zeit bis zum Abend.

Zwischen den Blättern sieht man schon das Schwarze Meer

Also fuhr ich mal optimistisch weiter. Und irgendwann sah ich rechts aus dem Autofenster zwischen den Büschen Wasser. Das Schwarze Meer. Wieder ein Meilenstein auf meinem Roadtrip von Australien nach Deutschland geschafft.

Leider änderte sich auch hier das Wetter alle 10 Minuten. Und meine restliche Fahrt nach Batumi fand bei ziemlich grauem Himmel statt.

Batumi – Hafenstadt im Westen von Georgien

Schau mal an, wo die KFW überall tätig ist. Hier in Batumi

Wenn ich schon bei Ankunft gewusst hätte, wie sich meine Weiterfahrt entwickeln würde, dann hätte ich sicher anders gehandelt.

Aber so dachte ich, erst mal 3 Tage abschalten, Batumi genießen und Abschied von Georgien nehmen.

Batumi, Georgien

Let’s the party start…

Batumi ist nicht nur die wichtigste Hafenstadt von Georgien. Sondern auch die Touristenmetropole. Sozusagen das russische Mallorca.

Mit Unmengen an Touristen, vorzugsweise aus Russland. Auch noch jetzt, in der Nachsaison. Und am Abend werden die Straßen, Restaurants und Bars dann richtig voll.

Landcruiser Meeting

Vermutlich weil ich bei der Buchung auf den Preis geschaut hatte, hatte ich auch ein russisches Hotel erwischt. Russisch geführt, voll mit Touristen aus Russland und mit russischer Küche. Aber nicht schlecht!

Und es hatte einen großen Vorteil: Es lag direkt an der Strandpromenade am Schwarzen Meer.

Seafront Promenade Batumi, Georgien

800m lang ist die Seafront Promenade schon. Und 5 km lang soll sie werden

Die ist 800m lang und wurde damals gerade auf 5 km(!) verlängert.

Das einzige was mich am Strand störte: Es ist kein Sandstrand sondern ein Steinstrand.

Nun denn, ich war ja auch nicht zum Baden hergekommen.

Die City ist auf Tourismus ausgerichtet
Batumi, Georgien

Zwischen Innenstadt und Hafen ist die Argo Seilbahnstation. Zum 250m hohen Berg Anuria

Batumi ist umgeben von Bergausläufern des Kleinen Kaukasus.

Und auf einen dieser Berge fährt eine Seilbahn hoch. Von oben hat man einen tollen Blick auf die Stadt.

City Center Batumi, Georgien

Blick von oben auf die City

Hier sieht man erst mal so richtig, wie schon die ersten 3 Häuserreihen an der Strandpromenade die alten niedrigen Gebäude verdrängt haben.

Nur noch Hochhäuser, Hotels für tausende von Gästen. Und das dürfte sich in den kommenden Jahren Richtung Innenstadt fortsetzen.

Dabei ist fast jedes moderne Gebäude einzigartig. 1000 Gebäude und 1000 unterschiedliche Stile. Im Video unten könnt ihr das noch ein bisschen besser sehen.

Chacha Uhrenturm Batumi, Georgien

Am Chacha Turm soll aus den Springbrunnen einmal pro Woche statt Wasser georgischer Chacha (ähnlich Grappa) fließen. Aber niemand weiß genau wann

Batumi, Georgien

Man muss in Batumi nicht am Wasser wohnen. Auf den Bergen geht’s auch

 

Und auch bei den Verkehrsvorschriften wurde in Batumi auf die Touristen Rücksicht genommen. In fast allen Straßen innerorts gilt Tempo 30km/h.

Ein römisches Kastell in Gonio
Gonio, Georgien

In Gonio war’s richtig entspannend

Für einen Tag machte ich einen Ausflug nach Gonio. Das liegt ca. 15 km südlich von Batumi Richtung türkischer Grenze. Denn hier gibt es das alte römische Kastell Apsaros. Das war Teil des römischen Limes und ist ziemlich gut erhalten. Das wollte ich mir natürlich ansehen.

Die Mauer mit ihren 18 Türmen aus Stein, die Überreste des Badehauses, Wasserleitungen und Abwasseranlagen. Das alles war schon ziemlich spannend. Aber auch eine ruhige Oase im Gegensatz zu der Hektik und dem Trubel in Batumi.

Grenze Georgien – Türkei

Den Grenzübertritt hatte ich am folgenden Vormittag geplant. Um dann noch bis Trabzon in der Türkei weiterzufahren. Die Abfertigung auf der georgischen Seite verlief auch vollkommen problemlos. Wie schon die drei vorherigen Überquerungen Aserbaidschan – Georgien, Georgien – Armenien und Armenien – Georgien.

Sarpi, Georgien

Der georgische Grenzübergang in die Türkei bei Sarpi

Erst als der Zollbeamte, der den Landcruiser kontrollierte, plötzlich zu mir sagte: „In 30 Minuten werden Sie wieder hier sein“ – da wurde ich stutzig. Ich fragte warum und er meinte: Weil Ihr Pass und die Autopapiere nicht aus einem Land stammen.

Und genauso war es. Ich hatte bereits den türkischen Einreisestempel in meinem Pass als man nach den Autopapieren fragte. Als ich die zeigte hieß es: Entweder Sie zeigen noch einen Australischen Pass vor. Oder deutsche Autopapiere. Beides war natürlich völlig unmöglich für mich. Und trotz einer längeren recht unerfreulichen Diskussion mit dem Chef der türkischen Kontrollstation konnte ich an der Entscheidung nichts ändern.

Entry canceled

Schließlich wurde der Einreisestempel in meinem Pass ungültig gestempelt. Und ich auf die georgische Seite zurückgeschickt. Eigentlich sollte ich noch ein Formular unterzeichnen. Aber da das nur auf türkisch ausgestellt war und ich nichts lesen konnte habe ich mich geweigert.

So hatte der freundliche georgische Beamte am Ende recht behalten. Ich fuhr nach Batumi zurück und suchte mir erst mal eine preiswerte Unterkunft etwas außerhalb, in der Nähe des Flughafens. Dies war das erste – und einzige – Mal auf meiner Reise, dass ich nicht weiterkam wie geplant.

Wie geht’s weiter?

Im Hotel schaute ich mir erst mal meine Möglichkeiten auf meinem Laptop an. Die naheliegendste wollte ich erst gar nicht probieren. Am nächsten Tag noch mal mein Glück an der Grenze zu versuchen. Ich vermute, dass mein Fall dort schon aktenkundig und in der IT gespeichert war.

Skulptur in Batumi

Gehen die jetzt in den Kaukasus? Oder kommen die von da?

Die nächste Möglichkeit wäre, über Armenien und den Iran im Süden zu fahren. Aber auch dann würde ich später wieder an die türkische Grenze kommen. Und vermutlich sind die Grenzstationen miteinander vernetzt.

Eine andere Möglichkeit wäre über den Norden. Durch Russland und die Ukraine. Doch dabei stellte sich das Visumsproblem für Russland. Wie bereits damals in Kasachstan. Und auf diesen Umstand mit Passversand nach Deutschland hatte ich auch nicht so richtig Lust.

Meine Route übers Schwarze Meer

630 Seemeilen (1100 km) von Batumi nach Burgas in Bulgarien

Blieb also nur eine Alternative. Eine Fähre direkt über das Schwarze Meer nach Europa. In die Ukraine, nach Moldawien, Rumänien oder Bulgarien. So machte ich mich am folgenden Tag zum Hafen auf, um diese Optionen zu checken. Mal zu Fuß, weil ich schon wusste, dass man in der Nähe des Hafens schlecht parken konnte. Das waren zwar 7 km für eine Strecke, aber ich hatte ja Zeit.

Am Hafen erfuhr ich, dass es in der Nähe ein Fährbüro gibt. Und man zeigte mir auch wo. Ich ging dorthin und man sagte mir, dass es tatsächlich Fähren von Batumi nach Burgas in Bulgarien gibt. Aber nicht heute, es sei schließlich Samstag. Ich solle am Montag mit meinem Auto um 14 Uhr wieder vorbeikommen.

Ein Ticket übers Schwarze Meer

Am Strand von Batumi

Am Strand von Batumi

Zwei Tage später war ich pünktlich um 14 Uhr wieder dort. Mein Pass und die Autopapiere wurden kopiert. Und ich sollte eine Telefonnummer hinterlassen. Man würde mich um 19 Uhr anrufen. In der Zwischenzeit könnte ich mir schon mal Bargeld für das Fährticket besorgen. Die Überfahrt für mich sollte 140 Euro und für den Landcruiser 450 Euro kosten.

Sonnenuntergang über dem Schwarzen Meer

Go west – Sonnenuntergang über dem Schwarzen Meer

Ich suchte also eine Bank auf, denn für einen ATM war der Betrag zu hoch. Außerdem sollte ich das Ticket in Euro oder US-Dollar zahlen. Und ich hätte die Lari aus einem Automaten dann ohnehin in einer Bank umtauschen müssen. Zwei Stunden hat dieser Bankbesuch gedauert. Erst das Geld von der Kreditkarte bar in Lari abheben. Und dann die Lari in Euro umzutauschen.

Danach kehrte ich dann wieder zu meinem Auto am Hafen zurück. Und wartete.

Warten aufs Fährticket

Als um 19 Uhr niemand anrief meldete ich mich mal bei der Reederei. Ich solle mich gedulden hieß es. Um 21 Uhr rief man mich dann an, ich sollte jetzt ins Fährbüro kommen. Dort bezahlte ich und erhielt einen Zettel für den Hafen. Mit dem fuhr ich in den Zollbereich und von dort aufs Schiff.

Im Hafen von Batumi
Landcruiser auf der Fähre in Batumi

Mein Landcruiser ist fest verzurrt

Der Landcruiser wurde unter Deck geparkt und anders als in Kasachstan sogar noch mit Seilen verzurrt. Man wies mir eine Kabine zu. Und das war’s dann erst mal. In der Kabine war es eiskalt. Denn die Klimaanlage lief auf Hochtouren. Und war auch nicht wärmer oder ganz abzustellen. So kroch ich in eine Koje unter die Decken und schlief ein.

Kabine auf der Fähre übers Schwarze Meer

Die Klimaanlage musste ich etwas abdichten

Um 4 Uhr morgens trommelte jemand gegen die Kabinentür. Aufstehen und in den Salon kommen. Dort fand die Ausreisekontrolle statt. Und hier gab es dann auch mal wieder eine Diskussion um meine australischen Autopapiere. Die ich jedoch schnell beenden konnte. Irgendwie waren die Ein- und Ausreisen über einen Hafen immer komplizierter als an einem Grenzübergang an Land. Auch hier mussten dann alle Reisenden am Ende wieder ihren Pass beim Zahlmeister abgeben.

Zeit zum Duschen

Um 7 Uhr gab es Frühstück und ich kam mit Fred ins Gespräch. Einem deutschen LKW-Fahrer, der für eine Spedition MRT-Geräte von Siemens auslieferte. Bis nach Israel, Kasachstan oder eben jetzt nach Georgien. Und wieder tat sich sonst nichts weiter. Fred hatte gehört, dass es auch auf dem Schwarzen Meer für das Schiff zu stürmisch sei. Wie schon ein paar Wochen zuvor auf dem Kaspischen Meer. Und er hatte dafür auch gleich die passende Lebensweisheit: „Wenn das Schwarze Meer weiß wird, dann sollten die Schiffe im Hafen bleiben.“ 

Mit der Fähre von Georgien nach Bulgarien

Fähre auf dem Schwarzen Meer

Ein neuer Morgen im Kaukasus

Am Mittag ging es dann endlich los. Immer noch bei ziemlich rauer See. Daher kamen schon am Abend die meisten Trucker gar nicht mehr zum Essen sondern blieben in ihren Kojen. Oder hingen an Deck über der Reeling.

Aber für mich hieß es: Tschüss Georgien

Mir machte das Rollen und Stampfen des Schiffes nicht viel aus. Denn ich bin früher oft gesegelt. Große Stabilisatoren hatte die Fähre nicht. Die war 1994 in Italien gebaut worden. Und früher in Italien, Griechenland und Spanien unterwegs gewesen.

Mit 14 Knoten überquerte sie nun das Schwarze Meer. Und die Strecke war mit 630 sm (fast 1.200 km) ungefähr dreimal so lang wie die über das Kaspische Meer. Auch hier gab es an Bord drei Mahlzeiten täglich. Aber leider keinen leckeren Tee nachmittags.

Fähre auf dem Schwarzen Meer

Leider durften wir nur auf das kleine Deck mit den Rettungsbooten – © Foto PB Management

Und machen konnte man auch nicht viel. Nur das kleine Deck mit den Rettungsbooten im vorderen Drittel des Schiffes war geöffnet. Das obere Deck war leider abgesperrt. So konnte ich auch nicht nach vorne schauen. Zudem war das Wetter sehr wechselhaft und kühl. Blieb also nur schlafen, essen und ab und zu die Beine vertreten. So erreichten wir fast genau 2 Tage später Burgas in Bulgarien.

Und zum Schluss zwei Videos

Küste von Bulgarien bei Burgas

Bulgarien, wir kommen

Wie immer an dieser Stelle das Dashcam-Video. Vom letzten Teil meiner Reise in Georgien und der Fahrt mit der Fähre nach Bulgarien (4m 1s, 746 MB; Musik: Hills Behind – Silent Partner,  YouTube Audiolibrary).

Ich habe dieses Mal versucht, etwas mehr Originaltöne im Video zu lassen. Also die Informationen von Google Maps und die Musik. Dazu hatte ich übrigens mein Handy mit dem Autoradio verbunden.

  • Tbilissi
  • Richtung Gori
  • Weiter nach Kutaissi
  • Und nach Batumi
  • Gonio
  • Grenze Georgien
  • Batumi
  • Fähre Schwarzes Meer
  • Ankunft in Bulgarien

Und schließlich mein YouTube Video von diesem Teil meiner Reise aus 2019 (11m 57s).

Wie es in Bulgarien und Europa weiterging, das erfahrt ihr in meinem nächsten Post.

Cheers, Rüdiger 😎

 

 

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