Flagge Slowakei

Flagge Slowakei

In diesem Post geht es nicht um ein Land. Sondern nur um eine Stadt. Daher auch die etwas andere Überschrift als sonst.

Denn auf dem Weg von Ungarn nach Österreich habe ich nur 50km ganz im Westen der Slowakei einen Abstecher in die Hauptstadt Bratislava gemacht.

Eigentlich ist das Land ein gebirgiger Binnenstaat. Ohne Zugang zum Meer. Aber für den Osten mit der Hohen Tatra war jetzt Mitte November das Wetter einfach zu schlecht. Und der lag auch nicht direkt an meiner Route.

Mein Abstecher nach Bratislava

Mein Abstecher nach Bratislava

Entsprechend der gefahrenen Strecke wird dies wohl der kürzeste Post von meinem Roadtrip. Damit man aber den Weg durch Europa insgesamt ein bisschen einordnen kann, gibt’s hier auch noch eine Übersichtskarte.

Übrigens liegen Wien und Bratislava so dicht zusammen, wie kaum zwei andere Hauptstädte auf der Welt.

Mit dem Auto sind es 80km, die Luftlinie beträgt nur 55km.

Meine Strecke in Europa

Insgesamt bin ich 6.150km durch Europa gefahren. Davon alleine 2.500km in Griechenland

In der Überschrift kann man noch etwas entdecken. „Hallo“ heißt auf Slowakisch (und Tschechisch) „Ahoj“. Mit „j“ am Ende und nicht mit „i“ wie im Deutschen.

Komisch in einem Staat, der nicht am Meer liegt. Ich wollte das selbst erst nicht glauben. Aber mehreren Quellen im Internet zufolge ist das wirklich so.

Warum das so ist, dazu gibt es verschiedene Vermutungen. Die Nordseezeitung aus Bremerhaven hat sich dazu mal Gedanken gemacht. Aber natürlich funktionieren wie überall auf der Welt auch in Bratislava das englische „Hello“ oder „Hi“ 😅

Bratislava war schön öfter mal Haupstadt

Fast 1000 Jahre gehörte die heutige Slowakei zum Königreich Ungarn. Als die Türken große Teile davon besetzten wurde Bratislava 1536 – 1783 die Hauptstadt Ungarns. Genauso wie 1939 – 1945 während der ersten Slowakischen Republik. Danach war dann Prag Hauptstadt der neu gegründeten Tschechoslowakei.  Aber seit deren Auflösung 1993 ist Bratislava nun wieder Hauptstadt der Slowakei.

Bratislava, Slowakei

Richtung Innenstadt von Bratislava

Seit 2004 gehört das Land zur Europäischen Union, seit 2007 zum Schengen-Raum und seit 2009 zur Eurozone.

Hier konnte ich also wieder in Euro bezahlen und es gab keine Umtauschgebühren mehr. Nur eine SIM-Karte brauchte ich noch, die ich mir gleich nach Ankunft besorgt habe.

Das war ganz schlau von mir, dass ich nachmittags noch mal die vier Kilometer in die Stadt gelaufen bin. Und auch ein paar Fotos gemacht habe. Denn am nächsten Tag hat es in Strömen geregnet und ich konnte nicht aus dem Hotel raus. Bei Regen durch eine fremde Stadt  zu laufen macht einfach keinen Sinn.

Erst mal frühstücken

Den Tag habe ich dann im Hotel benutzt, um ein bisschen für mein nächstes Ziel, Wien, zu planen.

Und um mal zu gucken, was alles an Post angekommen war. Sowohl elektronisch wie auch zu Hause bei meinem Sohn als Brief. Na ja, meistens Rechnungen 😢

Der hat das übrigens ganz clever gemacht und die abfotografiert. Und mir dann per WhatsApp geschickt. So hatte ich gleich alle Infos für die Überweisungen zusammen.

Das Hotel hab‘ ich dann auch gleich noch um eine Nacht verlängert. Denn ich wollte mich ja wenigstens noch einen vollen Tag in Bratislava umsehen.

Die Innenstadt von Bratislava

St. Elisabethkirche Bratislava, Slowakei

Der Turm sieht aus wie eine Hochzeitstorte…

Das hat dann auch geklappt, denn dam folgenden Tag war das Wetter wieder schön.

Als erstes kam ich am Rande der Innenstadt an der blauen Kirche vorbei. Offiziell heißt sie eigentlich Kirche der Heiligen Elisabeth.

Die wurde als Tochter des ungarischen Königs in Bratislava geboren, damals hieß das Pressburg. Später wurde sie dann nach Thüringen verheiratet. Sie engagierte sich für Arme und Kranke und gilt bis heute als Schutzpatronin von Hessen und Thüringen.

Auch im Inneren soll die Kirche ganz in hellblauen Farbtönen gehalten sein. Aber leider war sie abgeschlossen und so kam ich nicht hinein. Auf jeden Fall gilt sie als die schönste Kirche in Bratislava.

Altstadt Bratislava, Slowakei

In der Altstadt von Bratislava

Wenig später war ich dann in der Altstadt von Bratislava. Mit schmalen Gassen, kleinen Geschäften und gemütlichen Cafés.

Am nördlichen Ende der Altstadt steht das Michaelertor, eines der ältesten Gebäude der Stadt. Es ist als einziges Tor von der mittelalterlichen Stadtbefestigung übrig geblieben.

Michaelertor Bratislava, Slowakei

Wer Lust hat kann sich die Altstadt auch vom Turm des Michaelertors ansehen

Seine heutige Form mit dem schicken Zwiebelturm bekam es Mitte des 18. Jahrhunderts. Wer mag kann auch auf den Turm rauf und sich über den Dächern der Altstadt umschauen.

Rechts neben dem Tor ist dann auch gleich noch etwas Besonderes: Das wohl schmalste Haus von Bratislava, nur 1.30m breit.

Altes Rathaus und Primatialpalais
Altes Rathaus in Bratislava, Slowakei

Auf dem Platz vor dem Alten Rathaus wurde gerade der Weihnachtsmarkt aufgebaut

Das Alte Rathaus ist schon seit 1868 kein Rathaus mehr, sondern ein Museum der Stadtgeschichte. Es war nämlich zu klein geworden und so hatte die Stadt im Laufe der Zeit weitere Häuser für die Verwaltung angekauft.

Sie stammen zwar aus verschiedenen Epochen aber sie fügen sich perfekt zu einem Gesamtbild.

Leider konnte ich hier nicht so gut fotografieren, weil auf dem Platz gerade der Weihnachtsmarkt aufgebaut wurde. So war auch der älteste Brunnen der Stadt abdeckt worden.

Aber es gab ja noch mehr zu sehen.

Direkt hinter dem Alten Rathaus befindet sich das Primatialpalais. Den Traum in Rosa ließ sich der ungarische Erzbischof 1781 erbauen. Der Kirchfürst wollte mit seiner Residenz den weltlichen Herrschern wohl nicht nachstehen.

Primatialpalais Bratislava, Slowakei

Der Kirchenfürst hat sich hier ja einen ziemlich großen Palast hinstellen lassen. Passt gar nicht ganz aufs Foto

Die Statuen auf dem Dach stellen die Tugenden dar. Und in der Mitte über dem Eingang thront ein riesiger Kardinalshut. Aber ich finde, den kann man nur mit etwas Phantasie erkennen.

Übrigens fand hier 1805 auch die Unterzeichnung des „Friedens von Pressburg“ statt. Nachdem Österreich und Russland die Schlacht bei Austerlitz gegen Napoleon verloren hatten.

Sich treiben lassen!
Kleine Gasse in Bratislava, Slowakei

Ruhig auch mal durch die kleinen Gassen schlendern…

Die Altstadt von Bratislava ist klein. Sehr klein. So kann man sich auch mal einfach treiben lassen ohne ein bestimmtes Ziel. Und auch mal durch kleine Gassen schlendern, die auf den ersten Blick weniger einladend aussehen.

Doch wenn man dabei die Augen offen hält, dann wird man überall interessante Kleinigkeiten entdecken.

…und dabei die Augen offen halten…

…nach rechts und links und oben und unten

Oder in einem Lokal landen, das nur von Einheimischen besucht wird. Und in dem man sich vorstellt, dass hier jeden Moment der Brave Soldat Schwejk zur Tür hereinkommt.

Denn verloren gehen kann man in der Innenstadt von Bratislava nicht! Spätestens nach ein paar Minuten ist man wieder auf einer größeren Straße oder auf einem belebten Platz.

Martinsdom Bratislava, Slowakei

Jetzt aber schnell. Die Uhr des Martinsdoms zeigt schon eine Minute vor 12

Und steht dann plötzlich vor der Kathedrale des Heiligen Martin. Sie war zwischen 1563 und 1830 Krönungskirche für 11 ungarische Könige und 8 Königinnen. Die bekannteste ist wahrscheinlich Maria Theresia von Österreich.

1835 führte Ludwig van Beethoven hier seine „Missa solemnis“ auf. Und 1884 Franz Liszt seine ungarische Krönungsmesse.

Natürlich sieht der Dom nicht mehr so aus wie im Mittelalter. Seine heutige Form stammt aus dem letzten Umbau Mitte des 19. Jahrhunderts. Aber auf der Spitze des Turms befindet sich immer noch eine vergoldete ungarische Stephanskrone.

Burg Bratislava
Haus zum Guten Hirten Bratislava, Slowakei

Warum heißt das wohl „Haus zum guten Hirten“?

Aber nun wird es endlich Zeit, sich auf den Weg zur Burg zu machen. Dem Wahrzeichen der slowakischen Hauptstadt Bratislava.

Zuerst kam ich erst mal an einem hübschen schmalen Haus vorbei.

Es ist vielleicht das schönste Rokoko Gebäude in Bratislava, gebaut 1765.

Seit fast 50 Jahren ist es nun ein Uhrenmuseum. Mit vielen mobilen Sonnenuhren des 17. und 18. Jahrhunderts.

Burg Bratislava, Slowakei

Ziemlich robust, die Burg Bratislava

Die Burg Bratislava liegt 85m über der Donau auf einem Hügel. Bei Tage wirkt sie ziemlich gewaltig. So, wie es sich für eine richtige Burg gehört. Sie war Residenz der Habsburger in Ungarn. Und hier wurden die Kronjuwelen aufbewahrt.

Nach einem Brand 1811 wurde sie dann erst zwischen 1953 und 1968 wieder originalgetreu aufgebaut.

Burg Bratislava, Slowakei

Aber in der Abensonne…

Burg Bratislava, Slowakei

…wirkt sie gleich viel freundlicher

Das erste Mal war ich aber schon am Abend meines Ankunftstages hier. Und in der Abendsonne sah sie dann plötzlich ganz anders aus. Wie ein Märchenschloss.

Und ein schöner Rundblick von oben
Blick auf die Altstadt von Bratislava

Die neuen Hochhäuser wachsen langsam an die Altstadt heran

Von der Burg hat man einen einmaligen Blick auf die Stadt. Sowohl auf die Altstadt wie auch auf das andere Ufer der Donau.

Richtung Altstadt ist zu sehen, wie sich die Hochhäuser immer näher in die City fressen. Hoffentlich bleibt die erhalten.

 

Neue Brücke Bratislava, Slowakei

Restaurant und Aussichtsplattform UFO von 1972

Auf das andere Ufer führt eine Brücke. Bis 2012 hieß die Novi Most (neue Brücke), seitdem Brücke des Slowakischen Nationalaufstandes von 1944.

Sie verbindet die Altstadt mit dem Neubaugebiet Petržalka, in dem viele Einwohner von Bratislava wohnen.

Das Besondere ist ein UFO-förmiges Restaurant auf dem Brückenpfeiler. Und darüber noch eine Aussichtsplattform.

The Witch Bratislava, Slowakei

Rapunzel, lass‘ dein Haar herunter! Ach nein, du bist ja eine Hexe…

Da bin ich zwar nicht gewesen, aber man hat von dort sicher auch einen tollen Blick auf die Altstadt.

Auf dem Rückweg zur City bin ich noch an dieser hübschen Skulptur vorbeigekommen, The Witch. Na ja, nicht jede witch ist so hübsch wie diese.

 

Noch ein paar Skulpturen
Cumil, Man at work Bratislava, Slowakei

Mach mal Pause – Trink Coca Cola!

Wenn man durch die City bummelt fallen einem immer wieder kleine Kunstwerke auf. Allen voran der „Čumil“, der Gaffer aus dem Gully. Er hat sogar ein eigenes Hinweisschild.

Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich den fotografieren konnte, ohne eine Gruppe Japaner mit auf dem Bild zu haben.

Eine Legende besagt, dass ein Wunsch erfüllt wird, wenn man den Kopf des Mannes streichelt. Das ist auch ein Grund dafür, dass der Kopf so blank poliert ist.

Und dann gibt es noch den „Schöne Náci“. Nein, Náci nicht mit „z“ sondern mit „c“!!! Und in Bratislava ist er tatsächlich unter der Namensform „Schöne Náci“ bekannt, ohne -r!!

Ignac Lamar Bratislava, Slowakei

Küss die Hand gnädige Frau

Der hat wirklich gelebt. Denn das ist eine Statue von einem stadtbekannten Original in Bratislava. Er hieß Ignác Lamár (1897 – 1967) und lief stets mit Frack, Zylinder und Lackschuhen in der Altstadt von Bratislava herum. Die Frauen begrüßte er mit „Küss die Hand, gnädige Frau“ und überreichte dazu manchmal noch eine Blume.

Ob einfach nur elegant und freundlich oder etwas durchgeknallt und schizophren – wer will sich heute darüber schon ein Urteil anmaßen…

Es gibt noch mehr solche hübschen Skulpturen in Bratislava. Die eines Paparazzo mit Kamera und die eines napoleonischen Soldaten an einer Bank. Und noch andere. Aber die habe ich leider nicht gefunden.

Auf jeden Fall sind diese kleinen Hingucker etwas ganz Besonderes. Das mir nur in den osteuropäischen Städten aufgefallen ist, aber nie in Westeuropa.

Am Rande der Innenstadt von Bratislava

Wer sich jetzt noch ein paar Kilometer mehr Fußmarsch zutraut, der kann am Rande der Innenstadt noch mehr entdecken.

Palais Grassalkovich Bratislava, Slowakei

Immerhin darf man in den Garten des Präsidentenpalastes

Zum Beispiel das Palais Grassalkovich. Das wurde 1760 für den gleichnamigen Berater von Kaiserin Maria Theresia gebaut. Heute ist es der Amtssitz des Präsidenten der Slowakischen Republik. Und daher darf man leider nicht rein.

Aber der Garten ist zugänglich, wobei ich mir den jetzt Mitte November erspart habe. Obwohl, auch da soll es einige ganz interessante Skulpturen geben.

Slavín Ehrenmal und Friedhof Bratislava, Slovakia

Erinnerung an die Befreiung von Bratislava 1945

Aber auf dem Slavín Ehrenmal war ich noch. Das liegt auf einem Hügel westlich der Altstadt.

Es wurde 1960 zu Ehren der sowjetischen Soldaten erbaut, die bei der Eroberung von Bratislava 1945 gestorben sind.

Neben der Statue eines siegreichen Sowjetsoldaten ist hier auch ein Friedhof mit den Gräbern von fast 7.000 sowjetischen Soldaten.

Außer in der Mongolei habe ich in jedem Land, durch das ich auf meinem Roadtrip gekommen bin, solche Anlagen gesehen. Und das zeigt mir, dass auch heute, 75 Jahre nach Kriegsende, die damaligen Ereignisse in diesen Ländern nicht vergessen sind.

Gebäude des Slowakischen Rundfunks Bratislava, Slowakei

Das Gebäude des Jahrhunderts in der Slowakei: Die umgekehrte Pyramide

Auf dem Rückweg zum Hotel bin ich dann noch an einem ganz modernen Gebäude vorbeigekommen.

Es sieht aus, wie eine auf dem Kopf stehende Pyramide. Und es ist das Haus des Slowakischen Rundfunks.

In Bratislava wird es auch das „Gebäude des Jahrhunderts“ genannt. Von den einen, weil der Bau von 1967 bis 1983 gedauert hat. Von den anderen, weil seine Architektur so einzigartig ist. Und weit über die damalige sozialistische Architektur hinausgeht.

Es ist 80m hoch und eigentlich besteht es wohl aus zwei Pyramiden. Aber die innere mit ihren Sendeanlagen und Tonstudios konnte ich ja nicht sehen. Mittlerweile steht es unter Denkmalschutz.

Meine Videos

Weil ich in der Slowakei ja kaum gefahren bin, ist auch das Dashcam Video nicht so wirklich aufregend. Trotzdem will ich es euch hier nicht vorenthalten (2m 22s, 424 MB; Musik: The Engagement – Silent Partner, YouTube Audiolibrary).

  • Grenze Slowakei
  • Nach Bratislava
  • Zur österreichischen Grenze

Und wie vor ein paar Wochen versprochen dazu noch der Link zu meinem YouTube Video von 2019 für den ersten Teil von Europa. Von der Ankunft in Bulgarien bis zur Slowakei.

Auf jeden Fall kann ich nur empfehlen, mal einen Abstecher nach Bratislava für zwei Tage zu machen, wenn man in Wien ist und noch etwas Zeit hat. Auch diese Stadt lohnt sich!

Wie es dann in Österreich, dem vorletzten Land auf meinem Roadtrip von Australien nach Deutschland, für mich weiterging, das erzähle ich euch in meinem nächsten Post.

Cheers, Rüdiger 😎

 

Szia Magyarország – Hallo Ungarn

Flagge Ungarn

Flagge Ungarn

Von der rumänischen Grenze ging es zunächst über kleine Landstraßen nach Debrecen.

Von dort aus bin ich dann weiter durch einen Teil der herbstlichen Puszta in die Hauptstadt Budapest gefahren.

Und schließlich bis zur slowakischen Grenze im Nordwesten. Insgesamt rund 450 Kilometer durch Ungarn.

Allerdings war ich auch schon zwei Mal in Ungarn. Das erste Mal 1982. Damals hatte ich mich mit Freunden aus Ostberlin am Plattensee getroffen. Und das zweite Mal war ich Ende der 90er Jahre dienstlich für 3 Tage in Budapest.

Nach Debrecen in Ungarn

Meine Route durch Ungarn

450km durch Ungarn. Von der rumänischen zur slowakischen Grenze

Über kleine Landstraßen ging es 40 Kilometer durch den Wald in Ungarns zweitgrößte Stadt.

Ich habe aufgepasst, dass ich hier auf keine größere Straße komme, weil ich noch keine Plakette für die Straßenmaut hatte. Die gab es an dem kleinen Grenzübergang nämlich nicht.

Bis nach Debrecen blieb es auch so nebelig, wie es bereits vor der Grenze geworden war. Als erstes begegnete ich in dieser abgeschiedenen Gegend einem „Google Car“. Mit beeindruckender Technik auf dem Dach, um für Google Maps die Straßen zu filmen. Übrigens kam dieses Auto aus Wiesbaden/Deutschland.

Leider hatte ich keine Möglichkeit, mit dem Fahrer Kontakt aufzunehmen. Sonst hätte ich ihm gesagt, doch vielleicht erst mal in der Mongolei und Kasachstan zu filmen 😅

Auto mit Halloween Bemalung

Auch die Ungarn lieben Halloween

In Debrecen hatte ich ein kleines Hotel gebucht. Vier Kilometer außerhalb des Zentrums, um Parkplatzprobleme zu vermeiden. Es war wohl mehr so eine Unterkunft für Pauschalreisende. Jedenfalls kamen gegen Abend noch zwei Busse aus Österreich an.

Mit einem Fahrer kam ich ins Gespräch und fragte mal nach geeigneten Hotels in Wien später. Wegen der Parkmöglichkeiten für den Landcruiser. Er nannte mir auch zwei, doch leider waren die dann doch ausgebucht.

Gegen Abend machte ich mich noch mal zu Fuß auf den Weg Richtung Stadtmitte. An der Hauptstraße sollte es an den Tankstellen Plaketten für die Straßenmaut geben. Das war auch gar kein Problem und etwas später konnte ich meine Frontscheibe wieder mit einem neuen Sticker bekleben.

Damit standen mir nun alle Straßen in Ungarn offen!

Ungarns zweitgrößte Stadt

Große Reformierte Kirche in Debrecen, Ungarn

Die Große Reformierte Kirche in Debrecen steht mitten in der City

Debrecen ist selbst keine so richtige Touristenstadt. Sondern eher Ausgangspunkt für Touren in die Umgebung. Oder für einen Besuch in einem Heil- und Erlebnisbad. Außerhalb des Innenstadtbereiches gibt es daher auch nicht so viel Sehenswertes.

Am bekanntesten ist die Große Reformierte Kirche von 1823. Denn schon im Mittelalter ließen sich in Debrecen Protestanten und Calvinisten nieder. Ganz im Gegensatz zum restlichen Ungarn. Denn das ist eher katholisch geprägt.

Glocke der Großen Reformierten Kirche in Debrecen

Die Glocke im Turm kann man aus der Nähe anschauen

In der Kirche verkündete der Freiheitskämpfer Lajos Kossuth 1849 die Unabhängigkeit Ungarns von der Habsburger Monarchie. Österreichische und russische Truppen haben die damals aber sehr schnell wieder einkassiert. Doch Ungarn blieb von da an immerhin bis zur vollen Selbständigkeit 1918 zweiter Hauptbestandteil der k.u.k. Doppelmonarchie Österreich-Ungarn.

Die Kirche habe ich mir natürlich angeschaut. Und man konnte sogar auf einen der Türme nach oben. Und dort die Glocken ganz nah betrachten. Von einer Galerie aus hatte man zudem einen guten Blick über die Stadt.

Haus in Debrecen, Ungarn

In der Innenstadt von Debrecen gibt’s noch viele alte Häuser

Neben der Kirche stehen in der Innenstadt noch ein paar andere ganz hübsche Gebäude. Und im Sommer kann man vor den Cafés und Restaurants sicher auch gut draußen sitzen . Doch dafür war es jetzt Anfang November schon zu kalt. Aber wenigstens war das Wetter wieder sonnig geworden.

Neue Währung und neue Uhrzeit

So beschränkte ich mich darauf, etwas Bargeld zu tauschen und wieder mal eine neue SIM-Karte zu kaufen. Ungarische Forint und  Filler lösten nun rumänische Lei und Bani ab. Wobei die Filler keine Rolle spielen. Denn für einen Euro bekam ich damals ca. 320 Forint. Heute sind es wohl schon 360 Forint.

Leider habe ich die Uhrzeit in der Dashcam auf meiner Fahrt nie an die Zeitzone angepasst. Hier war es etwa mittags

Und noch etwas hatte sich in Ungarn geändert. Die Uhrzeit. War ich in Rumänien der deutschen Zeit noch eine Stunde voraus, befand ich mich jetzt in Ungarn wieder in der gleichen Zeitzone.

Neun Zeitzonen hatte ich auf meiner Reise mit dem Landcruiser seit Wladiwostok nun durchquert. Meistens habe ich aber erst abends in der jeweiligen Unterkunft mitbekommen, dass ich die Uhr mal wieder eine Stunde zurückstellen musste.

Und wenn ihr in den Videos genau hinschaut seht ihr, dass die eingeblendete Uhrzeit in den meisten Ländern nicht stimmen kann. Die Zeit in der Dashcam hatte ich nämlich nur einmal beim Start meines Roadtrips eingestellt. Später habe ich die nicht mehr aktualisiert.

Einerseits hatte ich angenommen, dass dies automatisch geht. Immerhin hat die Dashcam ein GPS Modul und errechnet darüber auch die eingeblendete Geschwindigkeit.

Und zum anderen fand ich die Einstellung bereits das erste Mal so fummelig mit den vier kleinen mehrfach belegten Knöpfen an der Dashcam, dass ich es wahrscheinlich auch dann nicht gemacht hätte, wenn ich es gewusst hätte.

Durch die Puszta

Gehöft in der Puszta, Ungarn

Früh am Morgen war es noch nebelig in der ungarischen Puszta

Die 220km nach Budapest wollte ich über kleine Landstraßen durch die Puszta fahren. Durch das bekannteste Naturschutzgebiet von Ungarn bei Hortobagy.

Ich bin in Debrecen dazu schon ziemlich früh gestartet, um später die Touristenströme zu vermeiden. Jetzt, Anfang November hätte ich das jedoch gar nicht zu tun brauchen. Denn es waren auch später am Tag nur wenige Touristen unterwegs.

Die Puszta ist eine weite Tiefebene. Zum ersten Mal auf meiner Reise sah ich in dieser Grassteppe nirgends Berge. Wenn das Wetter klar ist, dann kann man hier bis zum Horizont schauen. Aber anfangs war es so nebelig, dass ich von der Landschaft kaum etwas sehen konnte.

Im Sommer sind viele Tierherden in der Puszta unterwegs. Es gibt hier Pferde, Schafe, Ochsen und Wasserbüffel. Aber jetzt standen die wohl alle schon im warmen Stall.

Auch im touristischen Zentrum von Hortobagy hatte ich kein Glück. Am frühen Morgen war noch kein Café oder Laden geöffnet. Und es wurden auch (noch) keine Busfahrten durch den Nationalpark angeboten.

Neun-Bogen-Brücke und Ziehbrunnen
Neun-Bogen-Brücke in Hortobágy, Ungarn

Toll, die Neun-Bogen-Bücke bei Hortobágy

So stellte ich erst mal den Landcruiser ab und schaute mir die berühmte Neun-Bogen-Brücke in Hortobagy an.

Sie wurde schon 1833 gebaut und war damals Mitteleuropas längste öffentliche Steinbrücke.

Davor gab es hier bereits eine Holzbrücke, über die Tiere aus der Puszta zum Verkauf bis nach Wien oder weiter getrieben wurden.

Alter Ziehbrunnen in der Puszta

Alter Ziehbrunnen in der Puszta

Als ich zum Wagen zurückkam schlief der Ort immer noch. Auch bei der alten Zoll- und Raststätte (Csárda) hatte ich kein Glück. Also fuhr ich weiter bis zu einem der alten Ziehbrunnen.

Früher hat man diese Brunnen zur Viehtränke benutzt, heute haben sie nur noch touristische Bedeutung.

Aber ganz interessant ist, dass sie damals auch als Orientierungsmarken für die Hirten in der weiten Landschaft dienten. Und zur Übermittlung von Nachrichten wurde jeweils ihre Stellung verändert.

In die ungarische Hauptstadt

Schwäne, Kraniche oder Störche?

Am späten Vormittag verschwand der Nebel dann und ich stoppte noch mal an einem der vielen Aussichtspunkte an der Strecke. Das sind Plattformen aus Holz in ein paar Meter Höhe.

Von denen aus kann man im Sommer wohl die Tierherden beobachten. Na ja, an diesem Vormittag kam dann nur eine Gruppe Kraniche(?) vorbei. Denn die Puszta ist auch ein beliebtes Gebiet zur Vogelbeobachtung.

Aber an diesem Tag wurde mir klar, dass mein Roadtrip von nun an für den Rest der Strecke wohl eher ein Städtetrip werden würde. Oder eine Autofahrt durch die Landschaft. Denn für größere Ausflüge in die Natur war jetzt einfach nicht mehr die Jahreszeit. Nur noch sieben Wochen bis Weihnachten.

Auch meine Fahrtage wurden kürzer. Denn ich hatte ja immer noch die „falschen“ Frontscheinwerfer für den Linksverkehr in Australien am Auto. Zum Fahren habe ich am Tage daher immer nur das Standlicht eingeschaltet, um den Gegenverkehr nicht zu blenden. Am Abend hätte das allerdings nicht gereicht.

Eine preiswerte Unterkunft am Rande der Stadt

So sah die Motorhaube des Landcruisers nach 2 Tagen in Budapest aus

Am Nachmittag erreichte ich Budapest, die Hauptstadt von Ungarn. Aber es dauerte noch eine Weile, bis ich die Stadt einmal durchquert hatte und meine Unterkunft erreichte.

Vor dem Hotel gab es zwar vielleicht 15 Parkplätze, aber die waren bei meiner Ankunft alle besetzt. Gegen Abend fuhr dann ein Auto weg und ich konnte den Landcruiser abstellen.

Wegen der Parkplätze hatte ich bewusst ein Hotel 12km außerhalb der Innenstadt gebucht. Das lag zwar an einer Hauptstraße, war dafür aber auch preiswerter. Und es gab dort eine U-Bahn Station in der Nähe für die Fahrt in die Innenstadt.

Bei der Hotelbuchung wusste ich allerdings nicht, dass die Strecke gerade repariert wurde. Und deshalb anstelle der U-Bahn nur ein Bus fuhr. Aber das war mir egal, denn ich hatte ja Zeit.

In Buda wohnen und in Pest leben

Burganlage Budapest, Ungarn

Ganz schön mächtig, die Burganlage in Budapest

Drei Städte wurden 1873 zusammengelegt. Das hügelige Buda auf der Westseite der Donau, das kleine Óbuda etwas nördlich davon und die Stadt Pest am Ostufer der Donau.

Das Ergebnis ist die wunderschöne Stadt Budapest. Buda bedeutet übrigens „Berg“ und Pest bedeutet „flach“.

Die lange Geschichte der Stadt kann ich hier nicht erzählen. Vielleicht nur soviel: Buda war schon immer das Zentrum der Herrscher und Wohnviertel der Reichen und Mächtigen. Pest dagegen war die Stadt der Handwerker, Händler und ärmeren Bevölkerungsteile.

Burgviertel Budapest, Ungarn

Blick auf Burg und Matthiaskirche vom Gellertberg

Das ist auch bis heute so geblieben. In Buda beginnen hinter Altstadt und Burg die Villenviertel.

Und am Rande der quirligen Innenstadt von Pest mit ihren Kaufhäusern, Boulevards und Theatern haben sich Handel und Industrie, Arbeiter und Studenten angesiedelt.

Doch eines ist die ganze Zeit gleich geblieben: Die gesamte Stadt ist der Donau zugewandt, die mit einer sanften Biegung zwischen den beiden Stadtteilen hindurchfließt.

Zuerst mal nach Buda

Schon früh am Morgen war ich dort. Aber so richtig clever war das von mir nicht. Denn besonders am Abend hat man von dort einen tollen Blick über die Donau. Es wäre also besser gewesen, erst am Nachmittag hierher zu kommen. So musste ich den Weg zweimal machen.

Gellert Statue Budapest, Ungarn

Gellert bei der Missionierung der Ungarn

Begonnen habe ich meinen Spaziergang ganz im Süden auf dem Gellertberg. Hier steht ein Denkmal des Bischofs Gellert (Gerhard). Der kam aus Italien und missionierte um das Jahr 1000 in Ungarn. Allerdings soll er dafür in einem Holzfass in die Donau geworfen worden sein…

Aber man hat von hier einen tollen Blick auf den Burgberg etwas weiter nördlich.

Das Burgviertel wurde bereits zweimal zerstört. Einmal von den Türken und einmal am Ende des zweiten Weltkrieges. Und es wurde zweimal wieder aufgebaut. Allein hier kann man sich einen ganzen Tag aufhalten, denn fast jedes Haus hat eine eigene Geschichte zu erzählen.

Matthias Kirche Budapest, Ungarn

In der Matthiaskirche wurden Franz Joseph I. und Elisabeth zum ungarischen Königspaar gekrönt

Doch soviel Zeit hatte ich nicht. Und ich bin auf dem Burgberg nur einmal durch die Gassen und den Hof des Burgpalastes durchgelaufen. Wer mag, kann sich dort übrigens auch noch verschiedene Museen und die ungarische Nationalbibliothek anschauen.

Noch ein Stück weiter nördlich hinter der Burg kam ich schließlich zur Matthiaskirche. Die gibt’s an der Stelle auch schon 1000 Jahre.

Sie wurde immer wieder erweitert, umgebaut und der jeweiligen Zeit angepasst. Und schließlich fand hier 1867 die Krönung von Franz Joseph I. und Elisabeth (Sissi) zum ungarischen Königspaar statt.

Panoramablick über die Donau
Fischerbastei Budapest

Interessante Türme hat die Fischerbastei. Und davor steht ein Denkmal von König Stephan I.

Mein Weg endete dann an der Fischerbastei. Die wurde zwar erst vor gut 100 Jahren auf dem mittelalterlichen Fischmarkt von Buda gebaut.

Zum Gedenken an die Fischergilde, die den Abschnitt der Stadtmauer zu verteidigen hatte.

Die merkwürdigen Türme sollen dabei an die Zelte der Magyaren erinnern.

Aber von hier hat man einen tollen Blick über die Donau und auf das gegenüberliegende Ufer. Das kann man auch auf dem Titelbild gut sehen. Und darum bin ich auch am Abend noch mal hierher gekommen.

Matthiaskirche und Fischerbastei am Abend

Matthiaskirche und Fischerbastei sehen auch am Abend toll aus

Parlamentsgebäude Budapest am Abend

Leider hab‘ ich kein Stativ dabei gehabt

 

Parlament und Kettenbrücke
Parlamentsgebäude Budapest

Aus der Nähe passt das Parlamentsgebäude nicht aufs Foto

Am nächsten Tag habe ich mir dann Pest angesehen.

Zuerst das Parlamentsgebäude. Das steht am Donauufer seit 1904 und ist eines der Wahrzeichen in der Hauptstadt von Ungarn.

Es ist riesig, 268m lang, 123m breit und 96m hoch.

Vorbild beim Bau war der Westminster Palast in London.

Kettenbrücke Budapest, Ungarn

Zwei Löwen bewachen die Kettenbrücke

Ganz in der Nähe des Parlaments quert die Kettenbrücke die Donau.

Kettenbrücke deshalb, weil durch ihre Stützpfeiler eiserne Ketten verlaufen.

Kettenbrücke Budapest, Ungarn

Und auch von oben ist sie ziemlich beeindruckend

Sie ist die älteste und bekannteste Brücke in Budapest.

Beides wird abends beleuchtet und sieht dann von der Fischerbastei wunderschön aus.

 

Monumente und Denkmäler
Denkmal für Imre Nagy Budapest, Ungarn

Imre Nagy wollte als Ministerpräsident von der Sowjetunion mehr Freiheit. Kurz nach meinem Besuch…

Ganz in der Nähe stand bei meinem Besuch noch ein sehr schönes und passendes Denkmal. Von Imre Nagy, dem ungarischen Präsidenten 1956.

Der wollte mehr Freiheit von der Sowjetunion für das Land. Doch er scheiterte mit dieser Forderung und wurde 1958 hingerichtet.

Denkmal für Imre Nagy Budapest, Ungarn

…in Budapest wurde sein Denkmal demontiert. Es passt nicht in Viktor Orbans schöne heile Welt

Das kleine Denkmal zeigt ihn auf einer Brücke stehend mit Blick auf das Parlament.

Im Dezember 2018 wurde das Denkmal dann dort abgebaut und irgendwo am Stadtrand aufgestellt.

Warum? Imre Nagy passt nicht mehr in Viktor Orbáns Ungarn.

Sein Vergehen? Er war Kommunist…

Auch sonst gibt es noch ziemlich viele Denkmäler auf der Pester Seite. Zur Erinnerung an irgendwelche alten Könige und Helden. Mit Pferd und ohne Pferd.

Sowjetisches Ehrenmal am Freiheitsplatz Budapest

Sowjetisches Ehrenmal am Freiheitsplatz

Interessanter sind aber zwei neuere Monumente. Zum einen das Sowjetische Ehrenmal.

Das steht hier zur Erinnerung an die gefallenen russischen Soldaten.

Und eine Statue des amerikanischen Präsidenten Ronald Regan.

Ronald Regan Statue Budapest

Und Ronald Regan läuft gleich drauf zu

Der ist zwar während seiner Amtszeit nie in Budapest gewesen.

Doch man dankt ihm für seine Unterstützung am Ende des Kalten Krieges.

Auffallend ist die Anordnung dieser beiden Denkmäler. Regan blickt und geht in Richtung des Sowjetischen Ehrenmals.

Plätze und Boulevards
Andrássy út Budapest, Ungarn

Hübsche Deko an dem Haus an der Andrássy út

Die wohl bekannteste Prachtstraße von Budapest ist die Andrássy út.

Sie führt fast 2½km schnurgerade von der Innenstadt bis zum Heldenplatz nach Nordosten.

An dem Boulevard stehen viele schöne alte Häuser, aber auch öffentliche Gebäude wie das Opernhaus, das Operettentheater, die Musikakademie und das Liszt-Museum.

Millenniumsdenkmal auf dem Heldenplatz Budapest, Ungarn

Das Millenniumsdenkmal auf dem Heldenplatz

Den Abschluss der Andrássy út bildet der Heldenplatz.

Mit dem Milleniumsdenkmal zur 1000jährigen Landnahme der Magyaren wurde der 1896 eingeweiht. Und er soll an die Helden der ungarischen Geschichte erinnern.

Allerdings wurden 1945 die Skulpturen der Habsburger durch ungarische Freiheitskämpfer ersetzt. Wer jeweils Held sein darf entscheiden dann doch schon noch die jeweiligen Machthaber 😅

Unrecht und Terror
Haus des Terrors Budapest, Ungarn

Das „Haus des Terrors“. Heute ist es ein Museum

Auf dem Rückweg kam ich an einem alten Haus mit einem auffälligen Dach vorbei. Dem „Haus des Terrors.“

Die faschistische Partei Ungarns nutzte es bis 1945 als Gefängnis. Danach der Staatssicherheitsdienst in der Zeit des Stalinismus.

Seit 2002 ist es ein historisches Museum, in dem beide Regime gegenüber gestellt werden. Im Keller kann man auch noch die Zellen der Gefangenen besichtigen.

Ich bin dann noch mal bis zum Donauufer zurückgegangen. Etwa 300m vom Parlament entfernt ist hier ein eher stilles Mahnmal für den Holocaust in Ungarn. An der Stelle wurden Anfang 1945 etwa 3.000 Juden erschossen und in Donau geworfen.

Schuhe am Donauufer

Mahnmal zu Ehren der Juden, die von faschistischen ungarischen Milizionären 1944/45 am Donauufer erschossen wurden

Heute erinnern 60 Paar Schuhe aus Metall auf einer Länge von 40 Metern an das Unrecht. Auf den ersten Blick ist aber nicht zu erkennen, warum diese Schuhe hier stehen.

Sie wirken eher wie einfach übrig geblieben. Zur Entschlüsselung des Mahnmals muss man sich mit der Geschichte beschäftigen.

Mauerreste des Budapester Ghettos 1944/45

Mauerreste des Budapester Ghettos 1944/45

Durch das alte Judenviertel bin ich dann zur Innenstadt zurückgegangen.

Hier konnte aus finanziellen Gründen leider noch nicht so viel renoviert werden.

Und die Mauern des Ghettos von 1944 kann man fast nicht mehr erkennen. Bis heute gibt es keine genaue Kartierung und die Mauerreste verfallen.

Vasarely Museum und Margareteninsel

Vasarely Museum Budapest, UngarnAn meinem letzten Tag in Budapest habe ich mir noch das Vasarely Museum angesehen.

Der Grafiker und Maler Victor Vasarely (1906-1997) wurde in Ungarn geboren und lebte später in Frankreich.

Vasarely Museum Budapest, UngarnVon ihm stammt zum Beispiel das Logo der französischen Automarke Renault. Und auch in seinen Werken hat er viel mit geometrischen Figuren und optischen Effekten gearbeitet.

Zurück zur Innenstadt bin ich am Abend über die Margareteninsel gelaufen. Sie liegt mitten in der Donau und ist Naherholungsgebiet für die Bewohner der Stadt. Mit Parks, Schwimmbädern und Ausflugslokalen. Aber natürlich war jetzt Anfang November alles geschlossen.

Der Sommer ist sicher die beste Zeit für einen Besuch in Budapest. Doch vier Tage sollte man dann schon einplanen. Vielleicht noch mehr, wenn man sich die vielen Museen ansehen möchte.

Von Ungarn in die Slowakei

Take a break

Bis zur ungarischen Grenze sind es von Budapest nur 180 Kilometer. Die bin ich am nächsten Tag auch direkt durchgefahren. Denn etwas Sehenswertes hatte ich für diese Strecke im Internet nicht gefunden.

Kurz vor der Grenze muss man sich dann entscheiden. Entweder man fährt die letzten 14km in Ungarn Richtung slowakischer Grenze. Oder man fährt 7km zur Grenze zwischen Ungarn und Österreich. Etwas Zeit hatte ich ja noch und so bin ich für einen Tag in die Slowakei gefahren.

Grenze Ungarn – Slowakei. Rechts konnte man gleich die Maut für die Slowakei bezahlen

Zwischen Ungarn und der Slowakei waren die Kontrollstellen verwaist. Beide Länder gehören zum Schengen-Raum. Aber direkt an der Grenze konnte ich schon die slowakische Straßenmaut bezahlen.

10 Euro für 10 Tage. Das war die kürzeste Geltungsdauer, die ich bekommen konnte.

Hier gab es keine Plakette für die Windschutzscheibe sondern nur eine Quittung. Die muss man dann bei einer eventuellen Polizeikontrolle vorzeigen.

Dashcam Video Ungarn

Zum Schluss gibt’s hier noch mein Dashcam-Video von Ungarn (2m 37s, 433 MB; Musik: A New Beginning – Bensound, www.bensound.com).

  • Grenze Rumänien – Ungarn
  • Debrecen
  • Puszta
  • Budapest
  • Grenze zur Slowakei

Über die Slowakei berichte ich euch dann in meinem nächsten Post.

Cheers, Rüdiger 😎

 

 

Flagge Rumänien

Rumänische Flagge

Rund 1.000km bin ich durch Rumänien gefahren. Von der Grenze durch die Walachei nach Bukarest. Dann weiter in die Karpaten zum Schloss Bran in Transsilvanien. Danach nordöstlich ins Gebirge zum Lacul Rosu und zur Bicaz-Schlucht. Von dort aus schließlich nach Nordwesten in das Hochland von Siebenbürgen zur ungarischen Grenze.

Meine Route durch Rumänien

1.000 Kilometer durch Rumänien

Manchmal hatte ich das Gefühl, dass die rumänische Sprache so ein Mittelding zwischen Französisch und Italienisch ist. Zumindest beim Lesen. Ein paar Beispiele?  Tschüss – Ciao. Auf Wiedersehen – La revedere. Danke – Mersi. Straße – Strada. Und natürlich Hallo – Salut.

In die Hauptstadt von Rumänien

Bukarest liegt im Süden des Landes, nur 70km von der Grenze zu Bulgarien entfernt. Trotzdem brauchte ich einige Zeit, bis ich in der Hauptstadt von Rumänien ankam. Denn wie schon an der Grenze war es auch auf der Strecke ziemlich voll. Und hatte ich ja auch schon an der Grenze viel Zeit verloren. Bukarest erreichte ich deshalb erst gegen Abend.

Altes Gebäude in Bukarest

Hier hab‘ ich leider nicht gewohnt

Bis ich dann endlich das Hotel in der Stadtmitte mit ihren Einbahnstraßen gefunden hatte war es schon 21 Uhr. Denn dieses Mal hatte ich eine Unterkunft in der Nähe des Zentrums genommen. Damit ich später zur Erkundung der Stadt keine öffentliche Verkehrsmittel brauchte.

Natürlich waren die paar vorhanden Hotelparkplätze besetzt. Aber der Concierge empfahl mir, im Halteverbot des benachbarten Theaters zu parken. Und er versprach mir auch, auf den Landcruiser aufzupassen, falls ein Strafzettel drohte.

Geld, Telefon und Straßenmaut

Am nächsten Morgen kümmerte ich mich erst mal um Bargeld. Meine bulgarischen Lewa und Stotinki tauschte ich nun in Lei und Bani. Lew in Bulgarien und Leu in Rumänien bedeutet übrigens das Gleiche: „Löwe“. In Bulgarien abgeleitet vom Landeswappen und in Rumänien abgeleitet vom alten Zahlungsmittel „Löwentaler“. Für einen Euro bekam ich etwa 4,60 Lei. Auch der Kauf und die Aktivierung einer rumänischen SIM-Karte waren überhaupt kein Problem.

Hauswand in Bukarest

Manche Häuserwände sind hübsch bemalt

Die Straßenmaut für Rumänien hatte ich dagegen schon an der Grenze bezahlt. Autokennzeichen und Betrag wurden dabei in einer Datenbank festgehalten. Eine Vignette für die Frontscheibe bekommt man nicht. Auf den Straßen scannen Kameras die Kennzeichen und gleichen sie dann mit der Datenbank ab.

Ein Problem gab es beim Kauf der Vignette aber dann doch. Australien war als Zulassungsland des Autos im System nicht vorhanden. Die Verkäuferin schlug mir daher vor, einfach die USA einzutragen. So machten wir das und darauf angesprochen wurde ich nie. Auch nicht an der Grenze bei der Ausreise 😉

Tour durch die Altstadt

Am nächsten Morgen ging ich zum Brunnen auf dem Vereinigungsplatz am Rande der Innenstadt. Hier war der Treffpunkt für eine „Free Walking Tour“ durch die Altstadt. Der Concierge hatte mir den Tip gegeben, denn ich kannte solche Touren bis dahin gar nicht.

Fontäne am Vereinigungsplatz, Bukarest

Lust auf Abkühlung? Die große Fontaine am Vereinigungsplatz

Bukarest hat viele Brunnen, das hatte ich schon bei meiner Ankunft auf der Fahrt durch die Stadt gesehen. Aber am Vereinigungsplatz steht der größte, umgeben von breiten Verkehrsstraßen. Die Anlage wurde Mitte 2018 renoviert und an den Wochenenden gibt es hier abends auch Laser-Shows.

Ca. 20 meist junge Leute aus ganz Europa hatten sich schon für die Führung durch die Innenstadt versammelt. Und unser Guide war ein sympathischer junger Mann, vielleicht ein Student.

Das Kloster Stavropoleos
Kloster Stavropoleos, Bukarest

Vom Kloster steht nur noch die Kirche – mitten in der Fußgängerzone in der Innenstadt

Zuerst ging es zum Kloster Stavropoleos in der Altstadt. Es wurde 1724 von einem griechischen Mönch gegründet. Und finanzierte sich damals aus den Einnahmen einer angegliederten Herberge für Reisende und Händler. Heute ist von dem Kloster jedoch nur noch die Kirche erhalten.

Dieser Teil der Altstadt ist Fußgängerzone. Hier gibt es viele Restaurants und Cafes, wo man bei gutem Wetter auch draußen sitzen kann. Das ist sehr angenehm. Denn in anderen Teilen der Stadt laden breite Straßen weniger zum Verweilen ein. Ein Überbleibsel aus der Zeit des Kommunismus.

Paris des Ostens

Auch am Giebel eine hübsche Wandmalerei

In dieser Gegend stehen auch noch wunderschöne Häuser vom Ende des 19. Jahrhunderts. Aus diesem Grund nennt man Bukarest manchmal auch das „Paris des Ostens.“ Manche Häuser sind bereits renoviert und andere werden gerade wieder hergerichtet.

CEC Palast Bukarest

Nein, das ist nicht der Hauptbahnhof. Sondern das Gebäude einer Bank, schon 1900 nach dem Bau. Heute der CEC-Palast

Natürlich gibt es aber auch noch ein paar verfallene Gebäude. Dazwischen finden sich Plattenbauten aus der Sowjetzeit und neue Hochhäuser. Ein bunter Mix im quirligen Zentrum der Hauptstadt von Rumänien.

 

Der Platz der Revolution und das Denkmal der Wiedergeburt
Denkmal der Wiedergeburt, Bukarest

Auf dem Balkon des Gebäudes hinter dem Denkmal hat Ceausescu seine letzte Rede gehalten

Dieser Platz stand 1989 im Zentrum des Aufstandes gegen die kommunistische Herrschaft in Rumänien. Staatspräsident Ceausescu hielt hier seine letzte Rede. Dabei gab es Demonstrationen mit 500 Toten und vielen Verletzten. Seitdem heißt er „Platz der Revolution.“

Im Jahr 2005 wurde hier das „Denkmal der Wiedergeburt“ errichtet. Es soll an die Opfer erinnern und an die Wiedergeburt eines freien Rumänien nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft.

Mit dem Denkmal können sich die Bewohner von Bukarest nicht recht identifizieren. Die Darstellung eines Lichtstrahls, der durch das Dunkel geht, gefällt nicht. Und sie war vor allem zu teuer. So ist das Denkmal immer wieder Ziel von Graffitis und Farbattacken. Und die Bevölkerung nennt es „Kartoffel am Spieß.

Universitätsbibliothek
Universitätsbibliothek Bukarest

Während der Unruhen 1989 verbrannten hier 500.000 Bücher und 30.000 Handschriften

Ganz in der Nähe steht die Universitätsbibliothek aus dem Jahre 1895. Hier verbrannten 500.00 Bücher als sie während der Revolution 1989 angezündet wurde. Aber das Ergebnis des Wiederaufbaus kann sich sehen lassen finde ich. Die große Uhr über dem Eingang ist übrigens ein Geschenk des rumänischen Königs Carol I. Der war Deutscher aus dem Haus Hohenzollern und wünschte sich von seinen Untertanen mehr Pünktlichkeit.

Vor dem Gebäude steht eine Reiterstatue des Königs. Allerdings ist es nur eine Nachbildung. Denn die Originalstatue wurde während der Zeit des Kommunismus zerstört.

Athenäum
Athenäum Bukarest

Das vielleicht schönste Gebäude in Bukarest

Das Athenäum ist eines der beliebtesten Gebäude in Bukarest. Und Einheimische wie Besucher halten es auch für das schönste. Der Vorbau erinnert an einen griechischen Tempel und der Name an Pallas Athene, die griechische Göttin der Weisheit. Es ist ein Konzerthaus und seine runde Bauform hat wohl eine hervorragende Akustik.

Es wurde bereits 1888 errichtet, großenteils durch Spenden. Und die runden Mosaike über dem Eingang zeigen rumänische Fürsten.

Hübsche Passagen und ein hässlicher Palast

Unser Stadtführer hatte empfohlen, uns noch den Palast des Parlaments und das Wohnhaus der Familie Ceausescu ansehen. Doch das musste ich auf zwei Tage aufteilen. Weil die Besichtigungszeiten und Führungen sich überschnitten. Allein darf man in beide Gebäuden leider nicht hinein. Also bin ich am nächsten Tag zuerst mal zum Palast gelaufen.

Die Passagen
Pasajul Macca-Vilacrosse in Bukarest

In der Pasajul Macca-Vilacrosse muss man beim vielen nach oben gucken aufpassen,…

Pasajul Macca-Vilacrosse in Bukarest

…dass man niemanden umrennt

 

Auf dem Weg bin ich an ganz tollen überdachten Passagen mit Geschäften, Restaurants und Cafes vorbeigekommen. Die Pasajul Macca-Vilacrosse ist mit ihrem gelben Glasdach auf jeden Fall ein Hingucker. Und man kann da auch prima essen. Habt ihr Lust auf ein ägyptisches oder chinesisches Dinner?

Pasajul Victoria Bukarest

Ob die Regenschirme in der Pasajul Victoria wohl einen Gewitterschauer aushalten?

Eine andere Passage ist die Pasajul Victoria. Hier bilden bunte Regenschirme das Dach. Die sahen zwar bereits etwas abgenutzt aus. Aber vielleicht werden sie ja ab und zu auch erneuert.

Dann gibt es ganz in der Nähe noch die Pasajul Englez.

Aber in der Englischen Passage wohnen noch Menschen in bescheidenen Verhältnissen.

Pasajul Englez Bukarest

Die Pasajul Englez ist Heimat für Menschen

Teilweise ohne eigene Küche und Toilette. Deshalb sollte man hier etwas zurückhaltend sein. Denn laute fotografierende Touristen bekommen schon mal einen Eimer heißes Wasser auf den Kopf. Doch die Passagen in Bukarest sind schon etwas Besonderes.

Der Parlamentspalast

Neben Dracula ist er wohl das berühmteste Wahrzeichen von Rumänien. Ein gewaltiges Gebäude mit mehr als 1.000 Zimmern und über 30 Sälen. Der größte davon ist 2.200m² groß. Dazu gibt es breite Flure, Treppen und Gänge.

Parlamentspalast in Bukarest

Einschüchternd, der gewaltige Parlamentspalast

Ein Blick vom Parlamentspalast auf Bukarest

Blick von oben bis zum Vereinigungsplatz

Über der Erde ist er 86m hoch und unterirdisch noch mal 92m tief. Nach dem Pentagon ist es das zweitgrößte Verwaltungsgebäude der Welt. Breite Straßen darum herum wurden für Aufmärsche und Militärparaden gebaut.

Parlamentspalast in Bukarest

Und monumental…

Diktator Ceausescu ließ Teile der Altstadt für den Bau abreißen und die Menschen zwangsumsiedeln.

Den Palast nannte er Haus des Volkes. Seit 1989 heißt er nun Palast des Parlaments. Das tagt hier und einzelne Räume werden auch für Veranstaltungen vermietet.

Bei der Führung sieht man natürlich nur einen ganz kleinen Teil. Doch auch der gibt schon einen guten Eindruck vom Größenwahn der früheren Machthaber.

Parlamentspalast in Bukarest

…im Inneren

Wie lange der Palast noch steht ist allerdings schwer zu sagen.

Einerseits sinkt er jedes Jahr 4cm tiefer in den Boden. Und andererseits beginnt seine Außenfassade zu bröckeln. Geld für eine Sanierung ist jedoch nicht vorhanden. Überdies liegt Bukarest in einer Zone, in der es Erdbeben gibt.

Eine prunkvolle Villa im Grünen

Am folgenden Tag bin ich dann zum Haus der Familie Ceausescu gelaufen.

Das liegt im Norden am Rande der Innenstadt, in einem ruhigen Vorort in der Nähe eines Parks. Früher war dieses Viertel wohl gesperrt, weil hier viele Politiker wohnten.

Auf dem Weg dorthin habe ich in einer Seitenstraße dieses große Graffiti entdeckt.

Ceausescu Villa in Bukarest

80 Zimmer, Wintergarten, Kinosaal und Indoorpool

Auch in den umliegenden Straßen habe ich mich etwas umgeschaut. Überall standen prachtvolle Häuser mit großen Gärten. Denn bis ein Platz in einer Tour frei war musste ich rund 2 Stunden warten. Man kann wohl online vorher einen bestimmten Termin buchen. Das wusste ich jedoch nicht.

Es gibt übrigens zwei verschiedene Tickets für die Besichtigung.

Eines für die normale Tour in einer Gruppe von 10 – 15 Personen für rund 20 Euro. Und eines für eine „Privattour“. Das kostet dann rund 60 Euro. Dafür darf man aber auch den Bunker unter dem Haus besichtigen. Ich habe mich allerdings für das Standardticket entschieden.

Vier Zimmer, Küche, Bad?
Ceausescu Villa in Bukarest

Wintergarten

Nein, etwas mehr muss es schon sein.

80 Räume mit einer Grundfläche von 2.000 Quadratmetern. Dabei sind auch ein eigener Kinosaal, ein Wintergarten, ein Indoor-Swimmingpool plus Sauna und Jacuzzi und ein Weinkeller.

In den Fluren und Hallen stehen Springbrunnen und Fontainen. Das ganze Anwesen umgibt schließlich ein Garten mit mehr als 5.000 Quadratmetern.

Ceausescu Villa in Bukarest

Ceausescu hatte ein Faible für Western und die Fernsehserie „Kojak“

Das ist schon recht üppig für zwei Erwachsene und drei Kinder. Doch manche sind eben etwas gleicher als andere – vor allem Politiker.

Dazu dann die Einrichtung. Vor Seidentapeten stehen vergoldete Sitzgarnituren.

In anderen Räumen gibt es dunkle Möbel vor Holzvertäfelungen auf großen Teppichen.

Ceausescu Villa in BukarestCeausescu Villa in BukarestViele Böden sind auch aus Marmor. Lampen aus Kristall erhellen die Räume und das Licht wird von Spiegeln reflektiert.

Ceausescu Villa in BukarestIch fragte mich, wer das wohl alles geputzt hat. Doch vielleicht wurde es hier auch kaum schmutzig.

Denn Ceausescu hat nur einmal jemanden eingeladen. Den amerikanischen Präsidenten Richard Nixon. Und den auch nur kurz zum Tee in der Empfangshalle.

Ich würde hier nicht wohnen wollen. Denn gefallen hat mir das alles nicht.

Ein Triumphbogen und ein Wunderland der Bücher

Triumphbogen Bukarest

Nein, das ist nicht in Paris. Wie die Fahne zeigt immer noch in Rumänien

Auf dem Rückweg zum Hotel bin ich am Bukarester Triumphbogen vorbeigekommen. Errichtet wurde er zu Ehren der gefallenen Soldaten im Ersten Weltkrieg. Zuerst noch aus Holz und 1936 dann aus Stein.  Die Ähnlichkeit zum Triumphbogen in Paris ist wohl beabsichtigt. Aber er steht etwas verloren auf einem riesigen Platz mit ziemlich viel Verkehr drumherum.

Leider konnte ich dort nicht hinauf. Denn die Treppe zum Dach des Denkmals ist nur an zwei Feiertagen im Jahr geöffnet.

Carturesti Carusel Bukaret, Rumänien

Die Carturesti Carusel lädt zum Lesen ein

In der Innenstadt bin ich aber dafür in die schönste Buchhandlung von Rumänien gegangen. In der Carturesti Carusel tragen hohe elegante Säulen die Galerie. Eine beeindruckende Treppe und kleinen Wendeltreppen in den Ecken führen zu den oberen Stockwerken.

Lesen konnte ich hier zwar nichts – aber ganz oben gibt es ein schickes Bistro mit Tee, Kaffee, Kuchen und Snacks.

In die Karpaten nach Transsilvanien

Das klingt ziemlich schauerlich. Wie im Roman über den Vampir Dracula. Aber ich könnte die Überschrift auch anders formulieren: Zwei Schlösser in Siebenbürgen. Das klingt doch schon viel entspannter.

In den Karpaten

Durch die Karpaten

Transsilvanien und Siebenbürgen bezeichnen nämlich fast die gleiche Landschaft im Zentrum von Rumänien. Bis 1918 wurde die von den Habsburgern aus Wien regiert.

Weil ich mir an dem Tag gleich zwei Schlösser ansehen wollte bin ich schon ziemlich früh in Bukarest gestartet.

 

Ein Märchenschloss
Schloss Peles, Rumänien

Schloss Peles. Märchenschloss und Filmkulisse

Zuerst ging es zum Schloss Peles, in der Nähe der kleinen Stadt Sinaia. Und das ist wirklich ein Märchenschloss. Es wurde 1883 für König Carol I. als Sommerresidenz erbaut.

Und es war auch schon Kulisse für Filme. 2011 für den Film „Eine Prinzessin zu Weihnachten“ mit Roger Moore und 2017 für die Netflix-Produktion „A Christmas Prince.

Weil ich allerdings noch weiter wollte habe ich mir eine Besichtigung des Schlosses gespart.

Und eine unheimliche Burg
Schloss Bran, Rumänien

So dunkel kann ich das Foto gar nicht machen, dass das Schloss Bran auf dem Bild unheimlich wirkt

Nur 50km weiter liegt das Schloss Bran an einer Passstraße. Und das wird von der Tourismusindustrie als das wahre Draculaschloss vermarktet.

Vorlage für Dracula ist Vlad III. Draculea. Wobei Draculea nichts anderes bedeutet, als „Sohn des Drachen.“ Weil sein Vater mal Mitglied im Drachenorden des Kaisers gewesen ist.

Aber Vlad III. hat noch einen weiteren Beinamen, „Tepes“ der Pfähler. Weil er in seinen Kriegen 80.000 Feinde aufgespießt haben soll. Und er sieht in der Tat – nun ja, etwas grausam – aus. Unten im Video gibt’s dazu ein Bild.

Der Burg fehlt auch die Schönheit von Schloss Peles und so passt alles zusammen. Nur dass Vlad III. dort vermutlich nie gelebt hat.

Schloss Bran, Rumänien

Zufällig war ich grad‘ an Halloween hier…

Trotzdem waren an dem Tag Touristen aus aller Welt da.

Vielleicht aber auch, weil gerade Halloween war. Und dazu waren die Räume entsprechend dekoriert.

Allerdings kam eine richtig gruselige Stimmung nicht auf. Bei schönstem Sonnenschein und 25 Grad war das auch etwas schwierig.

Schloss Bran, RumänienAngeblich kann man auch in der Burg in einem Turmzimmer übernachten.

Aber ich habe dann in der 30km entfernten Stadt Brasov doch lieber ein Guesthouse genommen. Übrigens: Brasov hieß früher Kronstadt. Und wurde im 13. Jahrhundert unter dem Namen Corona(!) gegründet.

In Brasov hatte ich Schwierigkeiten, das Guesthouse zu finden. Aber der nette Besitzer kam dann mit seinem Wagen und hat mich von der Hauptstraße abgeholt.

Weiter durch Rumänien nach Sighisoara

Sighisoara, Rumänien

Blick auf die Altstadt

Nur 120km weiter nördlich von Brasov liegt die kleine Stadt Sighisoara. Hübsch umgeben von Mittelgebirgen.

Sie wurde Ende des 12. Jahrhunderts von Siebenbürgener Sachsen gegründet. Und hieß damals Schäßburg. Das sieht man auch noch an vielen deutschen Beschriftungen in der Stadt. Seit 1999 ist ihr Zentrum UNESCO Weltkulturerbe.

Sighisoara, Rumänien

Der bekannteste Einwohner der Stadt war der Raketenpionier Hermann Oberth, der hier aufgewachsen ist.

Ach ja, und Vlad III. Tepes soll hier auch geboren sein. Und fünf Jahre hier gewohnt haben. Aber das weiß man nicht so genau.

Rumänen sind heute natürlich unter den Einwohnern in der Mehrheit.

Dreifaltigkeitskirche Sighisoara, Rumänien

Die rumänisch-orthodoxe Dreifaltigkeitskirche in Sighisoara

Sighisoara, Rumänien

Seit Beginn meines Roadtrips das erste Mal deutsche Inschriften

Doch im Rahmen der europäischen Integration ist die Stadt wieder dreisprachig.

So sind auch die Ortsschilder und touristischen Informationen Rumänisch, Deutsch und Ungarisch beschriftet.

Bicaz Schlucht und Lacul Rosu

Von Sighisoara bis zu diesen beiden landschaftlichen Highlights waren es nur etwa 150km. Aber eine geeignete Unterkunft hatte ich dort nicht gefunden. So übernachtete ich etwa 50 Kilometer entfernt.

Ein letztes Mal Offroad
Bicaz Schlucht, Rumänien

Ganz schön steil die Felsen hier an der Bicaz Schlucht

Allerdings hatte ich nicht bedacht, dass ich mich immer noch in den Karpaten befand. Das heißt, mein Guesthouse lag in einem Nachbartal meines Zieles.

Also musste ich am nächsten Tag entweder 100km über Straßen dorthin fahren. Oder 50km offroad über unbefestigte Waldwege und einen Berg.

Entschieden habe ich mich dann für letzteres. Dabei bin ich durch ganz kleine rumänische Dörfer gekommen, in denen die Bewohner überwiegend von Land- und Holzwirtschaft leben.

Bicaz Schlucht, Rumänien

Raufgeklettert bin ich da aber nicht

Davon hatte mir schon der Concierge im Hotel in Bukarest erzählt.

Es gibt in Rumänien alles zu kaufen. Aber die meisten Menschen können es sich nicht leisten. Der Unterschied zwischen arm und reich ist groß – und besonders auf dem Lande. Hier sind die Menschen wirklich arm.

 

Schlucht und See liegen nahe beieinander
Lacul Rosu, Rumänien

Heute war das Wasser des Roten Sees aber nicht rot

Zuerst kam ich dann durch die Bicaz Schlucht. Sie ist wirklich beeindruckend wenn man dort langfährt. Direkt an der Straße ragen steile Felswände 300 Meter senkrecht nach oben.

Und weil ich so früh dort war hatte ich die Straße fast ganz alleine für mich. Auch die Souvenirstände rechts und links waren noch nicht geöffnet.

Lacul Rosu, Rumänien

Könnt ihr erkennen wo das Ufer aufhört und der See beginnt?

Der See ist zwar auch ganz schick. Aber rot war er jedenfalls an dem Tag nicht. Eher grün oder blau. Die rötliche Färbung soll durch Eisenoxid entstehen, aber vielleicht gibt es die nur bei bestimmten Wetterverhältnissen.

Entstanden ist der See durch einen Erdrutsch vor mehr als 180 Jahren. Der hat einen ganzen Wald mit sich gerissen. Und an einigen Stellen sieht man heute noch Baumstümpfe aus dem Wasser ragen.

In den Nordwesten von Rumänien

Bei Cluj-Napoca, Rumänien

Auf dem Weg nach Cluj-Napoca durch Siebenbürgen

Nach zwei Nächten in der Abgeschiedenheit der Karpaten bin ich zu meinem letzten Ziel in Rumänien aufgebrochen. Das war wieder mal eine etwas längere Strecke, 290km von Lunca de Jos nach Cluj Napoca.

Auf die Idee hier einen Stop einzulegen wäre ich selbst gar nicht gekommen. Aber vier Monate vorher hatte ich den Leiter des Botanischen Gartens von Cluj Napoca kennengelernt. Damals in Astana, der Hauptstadt Kasachstans. Der hatte mich eingeladen doch mal vorbeizuschauen, wenn ich auf meinem Roadtrip Richtung Ungarn unterwegs bin.

Botanischer Garten Cluj-Napoca, Rumänien

Das Tropenhaus im Botanischen Garten in Cluj-Napoca

So bekam ich eine sehr interessante Führung durch den Botanischen Garten von Klausenburg, der zweitgrößten Stadt in Rumänien.

Ja, auch Cluj wurde ursprünglich von deutschen Siedlern erbaut. Später gehörte es dann mal zu Ungarn und mal zu Rumänien.

Heute ist die Stadt eines der wichtigsten kulturellen und wissenschaftlichen Zentren in Rumänien.

Mit vielen Universitäten und Hochschulen. Auch die historischen Gebäude der Innenstadt sind noch weitgehend erhalten oder sie werden gerade renoviert.

St. Michaeliskirche Cluj-Napoca, Rumänien

Die St. Michaelis Kirche

Downtown Cluj-Napoca, Romania

Und downtown

Und wenn man vom Stadtbummel müde und hungrig geworden ist, kann man in eines der vielen Lokale gehen. Dort kann man dann die rumänische, ungarische, österreichische oder siebenbürgisch-sächsische Küche genießen.

Tschüss Rumänien

Innenstadt Cluj-Napoca, Rumänien

Hier wird noch was renoviert in Cluj-Napoca

Nach Bukarest möchte ich noch mal für ein ganz langes Wochenende. Und in die Karpaten im Sommer. Aber erst mal wurde es Zeit für mich, weiterzuziehen. La revedere Romania – Auf Wiedersehen Rumänien.

Über schmale Landstraßen und durch kleine Dörfer ging es 180 Kilometer zur Grenze zwischen Rumänien und Ungarn. Erst noch bei strahlendem Sonnenschein. Je näher ich aber der Grenze kam desto nebliger wurde es.

Bei Cluj-Napoca, Rumänien

Tschüss Rumänien – Jetzt geht es weiter nach Ungarn!

Der Grenzübergang auf dieser Landstraße war sehr klein und wenig genutzt. So hatte ich auch fast keine Wartezeit. Die Formalitäten waren schnell erledigt obwohl ich an dieser Grenze in den Schengen-Raum einreiste. Das Gebiet in Zentraleuropa, in dem es (in der Regel) keine Grenzkontrollen mehr zwischen den einzelnen Ländern gibt.

Doch eines wollte der ungarische Grenzbeamte dann doch noch von mir: Einen Alkoholtest. Das war das erste Mal auf meiner Reise. Und überhaupt bisher das einzige Mal in meinem Leben, dass ich so etwas machen musste.

Video Rumänien

Wie immer zum Schluss mein Dashcam Video, von Rumänien (3m 20s, 622 MB; Musik: Fun Activity Montage – Biz Baz Studio, YouTube Audiolibrary).

  • Bukarest
  • Zum Schloss Bran
  • Bicaz Schlucht
  • Cluj Napoca
  • Zur ungarischen Grenze

Was ich auf meinem Roadtrip dann in Ungarn erlebt habe, das berichte ich euch in meinem nächsten Post.

Cheers, Rüdiger 😎

 

 

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