Gamardschoba Sakartwelo – Hallo Georgien

Flagge Georgien

Flagge Georgien

Georgien war das zweite Land im Kaukasus auf meiner Reise. Und ihr seht schon am Titel dieses Blogs: Die georgische Sprache ist kompliziert. ‚Sakartwelo‘ bedeutet ‚Georgien‘ auf georgisch – Land der Kartwelen.

So gehört auch die Sprache auch zur Kartwelischen Sprachgruppe. Und die hat es in sich. 33 Buchstaben, davon 28 Konsonanten und nur 5 Vokale. Dann kommt so etwas dabei heraus wie ‚Mzcheta‘, der Name einer Stadt.

Dazu drei Arten der Verneinung, 7 Fälle und 11 verschiedene Zeiten. Und das alles in georgischer Schrift, ‚Mchedruli‘ genannt. Vermutlich 2000 Jahre alt oder mehr. ‚Hallo Georgien‘ sieht auf georgisch dann ungefähr so aus: გამარჯობა საქართველო.

Fernstraße in Georgien

Von der Grenze nach Tbilissi

Doch keine Angst, auch als Tourist findet man sich gut zurecht. Alle Hinweis- und Ortsschilder sind zweisprachig (georgisch und englisch).

Viele jüngere Georgier sprechen auch englisch. Und man weiß in Georgien, sich unkompliziert zu helfen. Notfalls wird schnell jemand geholt, der Englisch versteht.

Total lustig ist, dass jedes georgische Hauptwort im Nominativ auf einen Vokal endet. Zum Beispiel alle Orte (Gori, Batumi, Omalo, Sadakhlo, …). Und die Währung heißt hier Lari und Tetri.

Rundfahrt durch das östliche Georgien

Route durch das östliche Georgien

780 km durch das östliche Georgien.

Seit Baku/Aserbaidschan hat mich ja mein Sohn im Kaukasus begleitet. Und der musste später aus Tbilissi zurückfliegen. Darum waren diese 7 Tage und 780 km in Georgien weniger eine Fortsetzung meines Roadtrips von Australien nach Deutschland. Als vielmehr eine Rundreise durch das östliche Georgien. Von der aserbaidschanischen Grenze nach Tbilissi. Und von dort nach Nordosten in die Kazbegi Region. Dann weiter in den Südosten von Georgien nach Tuschetien. Beides liegt im Großen Kaukasus. Und schließlich über Tbilissi zurück in den Süden. Zur Grenze nach Armenien. In den Kleinen Kaukasus.

Georgien ist etwas kleiner als Bayern. Aber knapp 90% des Landes sind gebirgig. Im Norden der Große Kaukasus, den ich auch für das Titelbild ausgewählt habe. Im Süden der Kleine Kaukasus. Nur dazwischen ist es flach. Und hier führt auch die Hauptstraße quer durchs Land. Von Tbilissi über Gori und Kutaissi nach Batumi am Schwarzen Meer.

Tbilissi ist die Hauptstadt von Georgien

Der offizielle Name ist Tbilissi. Manchmal sieht man aber auch Tbilisi. Vor allem auf Georgisch und Englisch. Im Deutschen wird das stimmlose ‚-S‘ als Doppel ‚-SS‘ geschrieben. In der georgischen Schrift gibt es kein Doppel ‚-SS‘. Daher der Unterschied. Und beides ist richtig. Falsch ist jedenfalls die frühere russische Bezeichnung ‚Tiflis‘. Schon 1936 wurde die Stadt umbenannt. Erst in Tbili, dann in Tbilissi. Ort der warmen Quellen. Denn warm heißt auf georgisch ‚tbili‘.

Friedensbrücke Tbilissi, Georgien

Bridge over troubled water… Die Friedensbrücke über die Kura

Und der Fluss durch Tbilissi heißt auf Georgisch Mtkwari. Weil die Russen den Namen aber nicht aussprechen konnten wurde er kurzerhand in Kura umbenannt. Übrigens Georgien selbst auch. Das Land hieß auf Russisch früher Gruzija, auf Deutsch Grusinien. Aber diese Bezeichnung aus der Zeit der russischen Besetzung hören die Georgier heute nicht mehr gerne.

Übrigens: Von den Armeniern wird Georgien ‚Wrastan‘ genannt. Und von den Aserbaidschanern (und Türken) Gürcüstan. Und auf Englisch ‚Georgia‘. Alle diese Namen findet man in Reiseführern. Ebenso in Navis und im Internet. Ein munteres Durcheinander 😉

Am besten zu Fuß durch die Stadt
Straße in Tbilissi, Georgien

Ganz schön voll auf Tbilissis Straßen

Am Nachmittag kamen wir in Tbilissi an. Und hatten den Fehler gemacht, für 2 Nächte ein Hotel mitten in der Stadt zu buchen. Weil wir die zu Fuß erkunden wollten.

Dabei hatten wir aber nicht mit dem Verkehr in der Stadt gerechnet.

Nicht nur mit der Menge an Autos und unzähligen Großbaustellen. Sondern vor allem nicht mit der – ich sag‘ mal rasanten – Fahrweise der Georgier. Das Auswärtige Amt drückt es drastischer aus: ‚verkehrswidriges und rücksichtsloses Fahrverhalten‘.

Wir hatten jedenfalls immer dann Probleme, wenn wir eine Parklücke verlassen wollten. Es stoppte einfach niemand. Autofahren in Tbilissi und anderen Städten ist schon speziell… Auf dem Lande war das später doch deutlich entspannter.

Am Abend besorgten wir uns nur noch eine SIM-Karte. Die Autoversicherung hatten wir ja schon kurz hinter der Grenze erworben. Und gönnten uns danach noch ein tolles georgisches Abendessen.

Vormittags durch die Innenstadt

Erst mal mussten wir morgens den Fahrstuhl im Hotel überstehen. Der war irgendwie an einer Ecke des Hochhauses draußen angebracht. Und schwankte, wie die Fähre auf dem Kaspischen Meer. Aber eine Treppe hatte ich nirgends gefunden. Und irgendwann gewöhnten wir uns an sein Schwanken.

Hund in Tbilissi, Georgien

Hunde suchen ein zuhause…

Auf dem Weg zur Altstadt begleiteten uns (herrenlose?) Hunde. Wie später auch in vielen anderen Teilen Georgiens.

Ich hätte ja gerne einen mitgenommen. Besonders den aufgeweckten Husky am Mount Kazbek. Aber wegen der Grenzen, die noch kamen, haben wir dann doch darauf verzichtet.

Haus in Tbilissi, Georgien

Manches ist schon renoviert…

 

Tbilissi hat – besonders um die Altstadt – zwei Gesichter. Eins mit modernsten Neubauten und wunderbar renovierten alten Gebäuden.

Das andere mit fast verfallenen Häusern oder eingestürzten Dächern. Manchmal beides in einer Straße auf gegenüberliegenden Seiten.

Haus in Tbilissi, Georgien

…und anderes wartet noch darauf

Man merkt, dass Georgien nicht wie Aserbaidschan ‚in Öl schwimmt‘.

Und von den alten Karawansereien der alten Seidenstraße ist auch nicht mehr viel zu sehen. Denn die führte früher ebenfalls durch die Altstadt von Tbilissi.

Nariqala Festung – die wichtigste Burg in Georgien

Das älteste Gebäude der Stadt aus dem 3. Jahrhundert ist die Nariqala Festung. Die wichtigste mittelalterliche Burg Georgiens.

Nariqala Festung Tbilissi, Georgien

Mit der Seilbahn ging’s auf die Nariqala Festung

Wir hätten dorthin zu Fuß gehen können. Aber der Weg ist ziemlich steil, mit einer langen Treppe am Ende. Und so entschieden wir uns für eine Seilbahnfahrt vom Rike Park am gegenüber liegenden Ufer. Über die Kura und die Altstadt hoch zur Burg.

Strategisch war die Festung ziemlich gut angelegt. Auf einem Hügel an der engsten Stelle der Kura. Und nach drei Seiten mit senkrecht abfallenden Berghängen.

So bewachte sie zwei Handelswege. Von Indien nach Europa (Ost-West) und von Russland in den Mittleren Osten (Nord-Süd). Anfang des 19. Jahrhunderts schlug dann ein Blitz in ein Pulvermagazin ein und die Explosion zerstörte die Burg. Da sie keine strategische Bedeutung mehr hatte wurde sie auch nicht wieder aufgebaut.

Aber die wirtschaftliche Bedeutung von Tbilissi blieb. 1825 schrieb der französische Konsul: „In Tbilisi kann man an einem einzigen Tag Händler aus Paris, Kuriere aus Petersburg, Kaufleute aus Konstantinopel, Engländer aus Kalkutta und Madras, Armenier aus Smirna und Usbeken aus Buchara treffen.“

Ein toller Blick über die Stadt
Blick von der Nariqala Festung auf Tbilissi

Von hier hat man einen tollen Blick auf die Stadt

Heute bietet die Festungsruine einen tollen Blick über die Stadt. Und wer will – und schwindelfrei ist – kann bis auf die höchsten Punkte der Mauern klettern. Aber: Es gibt keine Absperrungen. Hier ist jeder selbst für sich verantwortlich. Das haben wir auch später noch gemerkt. Eine Vollkasko-Mentalität wie in Deutschland ist in Georgien unbekannt.

Kartlis Deda, Tblissi, Georgien

Hoch über der Stadt die Mutter Georgiens, Kartlis Deda

Von der Festung kann man auf einem Panoramaweg weiter zur Statue Kartlis Deda laufen. Die 20m hohe ‚Mutter Georgiens‘ von 1958 in georgischer Tracht ist ein Wahrzeichen Tbilissis. Und sie symbolisiert Stärke und Stolz des Landes. In der linken Hand hält sie dazu eine Schale Wein für die Freunde. Und in der rechten ein Schwert gegen die Feinde. Übrigens bedeutet das georgische  Wort ‚Deda‘ Mutter. Während Vater auf georgisch ‚Mama‘ heißt.

Nachmittags auf den Mtazminda
Fernsehturm Tbilissi, Georgien

Fernsehturm auf dem Mtazminda

Der Mtazminda ist der höchste Berg von Tbilissi. Gleich neben dem Nariqala Hügel. Hier steht nicht nur der Fernsehturm der Stadt. Sondern es gibt auch einen Vergnügungspark, eher für Kinder. Aber mit einem Riesenrad.

Und von dem aus kann man die Stadt noch mal aus einer ganz anderen Perspektive erleben.

Tbilissi, Georgien

Ob’s hier noch Bier gibt?

Kleine Häuser mit Ziegel- und Wellblechdächern. Dazwischen Hochhäuser aus Stahl und Glas. Und eine ganze Menge Kirchen. Die sehen in Georgien übrigens fast alle gleich aus.

Und man hat einen Blick auf die (eher tristen) Wohnblocks in der Peripherie aus der Sowjetzeit. Auf den 730m hohen Mtazminda kommt man mit einer Drahtseilbahn am Vilnius Square.

Gegen Abend noch mal in den Rike Park
Tbilissi, Georgien

Tolle Idee, die Figuren auf der Brücke. Nur die Straßenbeleuchtung stört

In Tbilissi wollten wir unbedingt noch schicke Drohnenaufnahmen machen. Dazu gingen wir gegen Abend noch mal in den Rike Park. Und ließen dort unsere Drohne an einer nicht so belebten Stelle starten.  Für wunderschöne Aufnahmen vom Stadtpanorama.

Von der Friedensbrücke über die Kura. Die wird übrigens bei Dunkelheit von tausenden LED erleuchtet. Und ganz langsam geht das Bild der georgischen Flagge in die Flagge der EU über.

Tbilissi, Georgien

Friedensbrücke, Musikhalle und Public Service Hall

Und von der futuristischen Musik- und Ausstellungshalle. Zwei lange metallisch glänzende Röhren an einem Ende des Parks. Weil es wohl Vorbehalte wegen ihrer Konstruktion gab, war sie angeblich nur äußerlich fertiggebaut. Aber leider noch nicht in Betrieb genommen. Schade eigentlich!

Auch die Dachpilze der ‚Public Service Hall‘ kann man sehen. So etwas wie das Bürgerbüro bei uns. Hier können die Einwohner alle Dienstleistungen der Verwaltung in Anspruch nehmen.

Vom Ausweis bis zur Zulassung ihres Autos. Effizienz, Kundenfreundlichkeit und Service stehen dabei im Vordergrund. Und niemand muss länger als 5 Minuten warten bis er drankommt. So was würde ich mir in Deutschland auch mal wünschen…

Sambea Kathedrale, Tbilissi, Georgien

Präsidentenpalast, dahinter die Sambea Kathedrale

Zum Schluss haben wir dann mit der Drohne noch mal in die andere Richtung geschaut.

Auf den Präsidentenpalast und dahinter die Sambea Kathedrale.

Die Hauptkirche von Tbilissi. Und auf die Neubauviertel an der Peripherie der Stadt.

 

Ein Tag ist viel zu kurz für die Hauptstadt von Georgien
Tbilissi, Georgien

Neue und…

Ein Tag ist viel zu kurz, um alles von Tbilissi zu sehen. Was haben wir also verpasst? Auf jeden Fall Abanotubani. Das Bäderviertel in Tbilissi. Mit heißen Schwefelquellen.

Dann den Blumenmarkt und einen Flohmarkt. Und den Botanischen Garten hinter der Kartlis Deda Statue. Und bestimmt noch viel viel mehr.

Tbilissi, Georgien

…alte Gebäude in der Stadt

Aber Tbilissi gefällt uns. Es ist eine Stadt, die für jeden Geschmack etwas bietet.

Wir haben uns hier gleich wohl gefühlt – jedenfalls ohne Auto 😉 Und werden bestimmt noch mal für ein verlängertes Wochenende zurückkommen.

In die Kazbegi Region

Von Tbilissi nach Norden

Am nächsten Vormittag starteten wir auf der gut ausgebauten Fernstraße Richtung Nordosten. Wir wollten in die Kazbegi Region, nahe der Grenze zu Russland.

Eigentlich heißt jetzt nur noch der dortige Nationalpark Kazbegi. Und natürlich der 5000m hohe Berg. Aber den findet man besser unter dem Namen Mount Kazbek. Statt unter seiner georgischen Bezeichnung Qasbegi. Der Hauptort der Region bekam dagegen 2006 wieder seinen alten Namen zurück, Stepanzminda.

Großer Kaukasus, Georgien

Die Berge des Großen Kaukasus kommen näher

Alles in allem eine hübsche Tagesetappe. Nicht zu vergleichen mit den Strecken, die ich davor in den Flächenländern gefahren war. Denn die Entfernung von Tbilissi nach Stepanzminda beträgt nur ca. 160 km. Und so hatten wir genug Zeit, uns auf der Strecke umzuschauen.

Mzcheta

Schon nach den ersten  30 Kilometern haben wir die erste Kaffeepause eingelegt. In Mzcheta, einer Kleinstadt. Am Zusammenfluss von Kura und Aragwi.

Swetizchoweli-Kathedrale in Mzcheta

Denn Mzcheta war bis zum Jahr 600 für mehr als 1000 Jahre Georgiens Hauptstadt. Also eigentlich nicht Georgiens Hauptstadt. Denn das Land gab es damals noch nicht. Sondern die Hauptstadt des früheren Iberischen Reiches im Südosten des heutigen Georgien. Und bitte nicht verwechseln: Es gab damals zwei Iberien. Die heutige Iberische Halbinsel (Spanien und Portugal) und eben dieses Land im Kaukasus.

Und Mzcheta war auch eine wichtige Handelsstadt an der alten Seidenstraße zwischen Kaspischem Meer und Schwarzem Meer. So haben wir hier zumindest mal einen Blick in die mittelalterliche Swetizchoweli-Kathedrale aus dem 11. Jahrhundert geworfen.

Schinwali Stausee

Ziemlich heiß heute

Nur knapp 40 km weiter nördlich erreichten wir unseren nächsten Stopp. Den 102m hohen Schinwali Staudamm. Ich wäre daran glatt vorbei gefahren.

Aber mein Sohn bewies ein gutes Auge und meinte, da könnten wir mal die Drohne steigen lassen. Und er hatte Recht.

Schinwali Stausee, Georgien

Ganz schön viel Wasser im Schinwali Stausee

Die Größe des Stausees kann man erst aus der Luft erkennen. Ein Wasserkraftwerk erzeugt dort Strom. Und außerdem wird Tbilissi von dort über eine Rohrleitung mit Trinkwasser versorgt.

Eine Drohne, Dummkopf

Während er also die Drohne steuerte hatte ich die Aufgabe, zwei Hunde auf Distanz bei Start und Landung zu halten. Das hat auch so einigermaßen geklappt, obwohl ich das Gefühl hatte, sie wären gerne mit uns mitgekommen.

Denkmal der Freundschaft zwischen Georgien und Russland

Wir befanden uns auf der Georgischen Heerstraße. Auch Grusinische Heerstraße genannt. Aber das hören die Georgier nicht so gerne. Jedenfalls der Verbindungsstraße zwischen Russland und Georgien über den Großen Kaukasus. Sie wird schon seit Jahrtausenden von Händlern und Heeren genutzt. Uns kamen allerdings nur Heere von PKW, LKW und Touristenbussen entgegen.

Georgische Heerstraße, Georgien

Alter Tunnel auf der Georgischen Heerstraße

In der Sowjetzeit wurde die Straße ausgebaut und an den Bergen teilweise mit Tunneln überdacht. Vermutlich gegen Geröll und/oder Schnee. In einen wohl nicht mehr genutzten Tunnel haben wir uns zu Fuß mal ein Stück hineingewagt. Aber nicht sehr weit. Weil es dort wenig einladend aussah. Von einem halboffenen Tunnel, durch den wir gefahren sind, gibt’s einen kurzen Clip unten im Video.

Denkmal der russisch-georgischen Freundschaft, Georgien

Das Denkmal der russisch-georgischen Freundschaft von 1983

Etwas nördlich des Ortes Gudauri sahen wir einen recht vollen Parkplatz an der Straße. Wir hielten an und entdeckten ein Denkmal. Für die Freundschaft zwischen Russland und Georgien.

Im Inneren des halbrunden offenen Bauwerks ist ein Mosaik aus Fliesen angebracht. Das soll die gesamten 200 Jahre des Freundschaftsvertrages der beiden Länder von 1783 bis 1983 symbolisieren. Die Anlage wirkt leider etwas heruntergekommen, soll aber wohl renoviert werden.

Außerdem hat man von hier auch einen tollen Blick auf die Berge des großen Kaukasus. Vielleicht deshalb – oder weil das mit der Freundschaft nicht mehr so ganz eng ist 😉 – findet man das Denkmal in Google Maps nur unter ‚Gudauri View Point‘ oder ‚Peace Monument‘.

Auf einem Campingplatz bei Stepanzminda

Die letzten 30 km bis Stepanzminda lagen schnell hinter uns. Als wir an der Straße an einem Campingplatz vorbeikamen schlug mein Sohn vor, zu campen. Mir war das hier Anfang September auf knapp 2.000m Höhe eigentlich schon etwas zu kalt, aber na ja.

Camping Kazbegi, Georgien

Die meisten Touristen waren schon abgereist

Weil der Platz abgeschlossen war riefen wir die auf dem Schild angegebene Telefonnummer an. Und nach kurzer Zeit erschien der Inhaber und öffnete uns. Später kamen noch einige wenige andere Gäste, aber es war doch ziemlich leer.

Wir zahlten noch am Abend, weil wir am nächsten Morgen schon ganz früh zum Mount Kazbek aufbrechen wollten. Inmitten einer atemberaubenden Berglandschaft des Großen Kaukasus in Georgien.

Mount Kazbek
Mount Kazbek, Georgien

Wir hatten Glück. Keine Wolken am frühen Morgen am Gipfel des Mount Kazbek

Der Mount Kazbek ist mit 5.000m der dritthöchste Berg Georgiens. Über seinen Gipfel verläuft die Grenze zwischen Georgien und Russland. 362 Tage im Jahr verhüllt er seinen Gipfel in Wolken. Und wenn man eine Chance auf klare Sicht haben möchte, dann muss man ganz früh am Morgen Fotos machen. So wurde es uns erzählt. Also waren wir schon morgens um 7 in einem Ortsteil von Stepanzminda, von wo aus man den Berg gut sehen konnte.

Gergetier Dreifaltigkeitskirche, Georgien

Gergetier Dreifaltigkeitskirche am Mount Kazbek

Dort gibt es einen schmalen Fußweg noch etwas weiter hinauf. Zur meistfotografierten Kirche in Georgien, die in keinem Reiseführer fehlt.

Der Gergetier Dreifaltigkeitskirche. Für mich war dort allerdings schon nach 100m Schluss. Denn dieser Fußweg führte über Erdhügel und Geröll. Einen Fußbreit am Abgrund entlang. Absolut nichts für mich.

Husky

Dich hätten wir ja zu gerne mitgenommen

Also machte sich mein Sohn allein auf den Weg.

Unterwegs begleitete ihn ein Husky ein Stück. Während ich in der Nähe des Autos blieb.

Mit wunderschönen Bildern vom Mount Kazbek und der Dreifaltigkeitskirche kam er 2 Stunden später zurück. Tatsächlich war der Berggipfel an diesem frühen Morgen wolkenlos. Erst als wir später weiterfuhren bewölkte es sich langsam.

Später haben wir erfahren, dass man wohl auch zur Kirche hochfahren kann. Den Weg hatten wir nicht gefunden, denn er zweigt erst etwas weiter außerhalb von Stepanzminda ab.

Von Kazbegi nach Tuschetien

Vom Kazbegi Distrikt nach Tuschetien

Bis zum Schinwali Stausee ging es über die Georgische Heerstraße auf gleichem Weg zurück. Dann jedoch nicht weiter Richtung Tbilissi. Sondern im Gebirge auf einer kleineren Straße Richtung Osten. Bis zu einem Picknickplatz an einem kleinen Fluss hinter dem Dorf Pshaveli. Etwa 180 km und gut in einem halben Tag zu schaffen.

Zu kalt zum baden

Hier beginnt Tuschetien, das Land der Tuschen. So groß wie Berlin. Im Norden grenzt es an Tschetschenien und im Osten an Dagestan. Beides Russische Republiken. Und hier ist die Welt zu Ende. Im 2.000 – 4.000m hohen Gebirge gibt es nur eine unbefestigte Stich-’straße‘ zu den hoch gelegenen Dörfern Omalo, Upper Omalo, Diklo, Dartlo und Dano. Und ein paar weiteren. Danach ist Schluss. Eine Durchgangsstraße nach Russland existiert hier nicht.

Auch die Rinder müssen hier klettern

Die wenigen noch existierenden Familien der Tuschen leben wie ihre Vorfahren von Schafzucht, Käse und Wolle. Von Ende Juni bis Ende September in den hochgelegenen Orten. Die restliche Zeit des Jahres im Tal. Denn der unbefestigte Track von Pshaveli nach Omalo ist nur in dieser Zeit passierbar. Übrigens sollte man nicht nur auf dem Weg aufpassen. Sondern sich auch vor den Schäferhunden in Acht nehmen, die die Herden bewachen.

Unser Schlafplatz am Fluss

Am Abend packten wir gerade unseren Campingkocher aus um uns eine Suppe zu machen. Da kam eine Familie zu uns, die auf der anderen Seite des Platzes picknickte. Und wir wurden sofort zu einem üppigen Abendessen eingeladen. Danach schnell noch Zähne im Fluss putzen und wir gingen neben unserem Landcruiser im Zelt schlafen. Denn am nächsten Tag wollten wir die Abano Road nach Omalo fahren. Nachts hörten wir ein paar Mal Wolfsgeheul. Doch weil das etwas entfernt war störte es uns nicht weiter.

Auf der Abano Road nach Omalo
Abano Road, Tuschetien, Georgien

Die Abano Road. Hier in Höhe der Baumgrenze

Ich hasse kalt duschen. Aber hier blieb uns am Morgen nichts anderes übrig, als einmal kurz im Fluss unterzutauchen. Und der war richtig kalt. Gut, danach gab es heißen Kaffee. Das versöhnte mich etwas. Aber so richtig wohl war mir an dem Morgen ohnehin nicht. Denn vor uns lag die Abano Road nach Omalo.

Vollständig heißt sie Pshaveli-Abano-Omalo Road. Nach den beiden Orten am Anfang und am Ende. Und dem Abano Pass in der Mitte. Auf rund 3.000m Höhe. Manchmal wird sie aber auch Tusheti Road genannt. Nach der Region.

Mit 37 Kehren
Abano Road, Tuschetien, Georgien

Immer schön am Berghang fahren

Teilweise steil, teilweise mit überhängenden Felsen und teilweise mit abgebrochenen Kanten am Fahrbahnrand. Und insgesamt 37 Kehren. Auf einer Strecke. Nicht etwa hin und zurück. Die Abano Road zählt zu den 10 gefährlichsten Straßen der Welt. Und häufig sieht man an der Strecke auch schwarze Gedenktafeln für Reisende, die hier zu Tode kamen.

Abano Road, Tuschetien, Georgien

Gegenverkehr in einer Kehre ist blöd!

Leitplanken oder Sicherungen zum Tal Fehlanzeige. Begegnungen mit entgegenkommenden Fahrzeugen schwierig. Manche Stellen sind etwas breiter, sodass man ausweichen kann. Notfalls muss einer rückwärts fahren. Hier muss man improvisieren.

Und von Kehre zu Kehre konnte sich das Wetter ändern. Mal schönster Sonnenschein. Dann wieder so dichter Nebel, dass wir 10 Minuten warten mussten. Weil man die Hand vor Augen nicht sehen konnte.

Abano Road, Tuschetien, Georgien

Zu gefährlich, weiterzufahren

Das wäre besonders in den Kehren gefährlich geworden. Wenn man da nicht rechtzeitig ‚die Kurve kriegt‘. Denn auch in den Kehren gab es höchstens mal einen 30cm hohen Erd- oder Geröllwall als Sicherung. Jedenfalls nichts, das den Landcruiser aufgehalten hätte.

Weil mein Sohn die Strecke vorgeschlagen hatte, wollte und sollte er natürlich auch fahren. Während ich mich auf dem Beifahrersitz öfter mal am Haltegriff festgehalten habe 😉

Video Abano Road (8m 41s, 1.5 GB; Musik: Center Ring – Freedom Trail Studio, YouTube Audiolibrary)
Abano Road, Tuschetien, Georgien

Wir wollten auf keiner Gedenktafel landen

Diese Strecke kann ich nur sehr schwer beschreiben.

Daher gibt’s hier ein Dashcam-Video von unserer Fahrt auf der der Abano Road (Hin- und Rückfahrt).

Auch mit Drohnenaufnahmen, die mein Sohn unterwegs gemacht hat.

Hinweis: Auf dem Handy wird das Video perfekt abgespielt. Falls das auf einem PC/Laptop nicht der Fall sein sollte, bitte mit der Maus auf das kleine Viereck klicken. Entweder Linksklick zum Abspielen im selben Fenster oder Rechtsklick, um es in einem neuen Fenster abzuspielen.

Omalo
Omalo, Tuschetien, Georgien

Mission completed: Omalo

Nach 7 1/2 Stunden hatten wir die 60 km auf der Abano Road geschafft. Inklusive ein paar Pausen für Fotos und Drohnenflüge. Und kamen in Omalo an. Natürlich konnten wir hier keine Unterkunft buchen. Sondern mussten mal vor Ort nachfragen. Aber wir hatten Glück. Schon im ersten größeren Holzhaus bekamen wir ein kleines Zimmer für die Nacht.

Abends gab es für alle Gäste ein gemeinsames Abendessen. Denn außer uns war hier noch eine Gruppe älterer Russen zu Gast. Leider konnten die kein Englisch, sodass die Verständigung schwierig war. Nur eine junge Frau konnte etwas dolmetschen. Die war hier, weil sie im kommenden Sommer Fahrradtouren in diesem Gebiet anbieten wollte. Also – wenn man will – kann man die Abano Road auch mit dem Fahrrad fahren…

Abano Road, Tuschetien, Georgien

Tolle Farben

Nach einem guten Frühstück machten wir uns am nächsten Morgen auf den Rückweg.

Der war bis ins Tal eine Stunde kürzer als der Hinweg. Obwohl wir auch hier wieder ein paar Fotostopps einlegten.

 

Zurück nach Tbilissi

Abends in Tbilissi

Die 110 km von Pshaveli nach Tbilissi zurück waren dann kein Problem mehr. Und wir hatten uns in Tbilissi dieses Mal ein Hotel am Rande der Stadt gesucht. Weil wir ja nicht mehr in der City rumlaufen wollten. Damit vermieden wir zwar den Verkehr. Aber das Ausparken am folgenden Morgen war genauso schwierig wie in der Innenstadt.

Zur Grenze nach Armenien

Erst mal alle Papiere zusammensuchen

Nur 70 km sind es von Tbilissi bis zum Customs Check Point Bagrataschen in Armenien. Ähnlich wie auch schon an der Grenze von Aserbaidschan nach Georgien klappte auch an der Grenze zwischen Georgien und Armenien fast alles perfekt. Nur beim Ausdruck der Grenzformulare für den Landcruiser gab es etwas Verwirrung wegen der australischen Zulassung. Doch die konnten wir schnell klären.

Dieses Mal brauchten wir uns auch nicht um den Rücktausch von Lari und Tetri zu kümmern. Denn wir kamen ja später wieder nach Georgien zurück.

Grenze Georgien – Armenien

Auf jeden Fall war Georgien nach der Mongolei und Kirgistan mit Abstand das dritte Highlight auf meinem Weg von Australien nach Deutschland. Und ich würde gerne nochmal in dieses tolle Land mit seinen spektakulären Berglandschaften, der coolen Hauptstadt Tbilissi und seinen herzlichen Menschen reisen. Gerne auch mit dem Auto. Für heute erst mal Tschüss Georgien – Nachvamdis Sakartwelo –   ნახვამდის საქართველო!

Wie unsere Reise durch den Kaukasus dann in Armenien weiterging, das erzähle ich euch im nächsten Post.

Cheers, Rüdiger 😎

Zum Schluss das Dashcam-Video zu Georgien (3m 44s, 630 MB; Musik: Boardwalk – Track Tribe, YouTube Audiolibrary)

  • Nach und in Tbilissi
  • Schinwali Stausee
  • Georgische Heerstraße
  • Mount Kazbek
  • Nach Tuschetien
  • Abano Road und Omalo
  • Über Tbilissi zur armenischen Grenze

 

 

Ein Kommentar zu “Gamardschoba Sakartwelo – Hallo Georgien

  1. Ein toller, aufregender Bericht.
    Gut das Ihr heil über alle Unwegbarkeiten in den Städten und vor allem im Gebirge gekommen seid.

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