Georgien – Von Tbilissi nach Batumi

Batumi, Georgia / Batumi, Georgien

Der Westen von Georgien lag vor mir. Mein Sohn war nach Deutschland zurückgeflogen. Und ich war wieder allein auf meinem Roadtrip von Australien nach Deutschland.

Meine Route im Westen von Georgien

Von Tbilissi nach Batumi. Nur 400 km. Mit Abstechern wurden es dann aber 660 km

Große offroad Experimente in die Berge wollte ich jetzt nicht mehr machen. Sondern mit dem Landcruiser sicher ans Schwarze Meer und an die Grenze zur Türkei kommen. Im Vergleich zu den vorherigen Ländern nur eine kurze Strecke. 660 Kilometer, inklusive ein paar Abstechern abseits der direkten Route.

Erst mal bis Gori

Straße in Tbilissi

Raus aus Tbilissi

Zwei Stunden brauchte ich, um das Verkehrsgewühl von Tbilissi zu verlassen. Allein das Ausparken dauerte fast 30 Minuten. Für ein paar Lari hielt schließlich ein Parkplatzwächter den fließenden Verkehr an.

Swetizchoweli Kathedrale Mzcheta, Georgien

Die Swetizchoweli Kathedrale in Mzcheta

In Mzcheta machte ich eine kurze Kaffeepause. Und ein paar Fotos von der Kathedrale und der Festung.

Dann ging es auf die neue Autobahn. Denn die Strecke von Tbilissi nach Batumi ist eine Hauptverkehrsroute.

Moderne Autobahnraststätte in Georgien

Das Gebäude der modernen Autobahnraststätte ist nicht jedemanns Sache

Ziemlich außergewöhnlich sind die Raststätten dort. Im Land und international wurde anfangs darüber heftig diskutiert. Aber die Regierung wollte hier architektonische Highlights setzen. Weil im Transitland Georgien die Gebäude nahe der Autobahn für viele Durchreisende das einzige sind, das sie vom Land sehen.

In Gori kam ich schon am frühen Nachmittag an. Ich hatte ein Zimmer im Guesthouse „Emma“ online gebucht. Aber das war verschlossen.

Ich fragte einen Mann im Nachbarhaus nach den Besitzern. Leider sprach der jedoch kein Englisch. Aber er führte mich bereitwillig zu anderen Nachbarn. Eine der Frauen dort war Englischlehrerin. Sie lud mich auf einen Kaffee ein und hörte sich mein Anliegen an.

Treppe im Guesthouse Emma in Gori

Ganz nett…

Dabei erfuhr ich, dass „Emma“ Russin ist und schon abgereist war. Die Saison war zu Ende. Das sei aber alles kein Problem. Denn im Ort würden Verwandte von „Emma“ wohnen. Und die wollte sie jetzt anrufen. Ich sollte mal vor dem Guesthouse warten.

Guesthouse Emma in Gori

…das Guesthouse „Emma“ in Gori

Tatsächlich kam etwas später ein Ehepaar und schloss mir auf. Ich konnte von vier Schlafzimmern eines auswählen. Und man fragte mich, wann ich morgens Frühstück haben wollte. Dann gab man mir noch den Haustürschlüssel. So war ich im Guesthouse „Emma“ in Gori der einzige Gast. Und gespannt, ob das am nächsten Morgen mit dem Frühstück klappt.

Ein Tag in Gori

Festung Gorisziche, Gori, Georgien

Am Fuße der Festung Gorisziche

Gori mit seinen 50.000 Einwohnern gilt unter den Georgiern nicht gerade als touristisches Highlight. Trotzdem gibt’s auf der Durchreise doch allerlei zu sehen.

Da ist einmal die Festung Gorisziche. „Ziche“ heißt auf Georgisch übrigens Festung. Im 7. Jahrhundert erbaut. Auf den Resten einer Festung aus dem 3. Jahrhundert v. Chr.

Blick von der Festung auf Gori

Ein Blick von der Festung auf Gori

Und von oben hat man einen guten Ausblick auf die Stadt und die Umgebung.

Kriegsmuseum

Danach war ich im Kriegsmuseum. Mit Bildern, Fundstücken, Flaggen und deutschen und russischen Abzeichen und Uniformen aus dem Zweiten Weltkrieg. Zum Gedenken an die georgischen Soldaten, die damals gestorben sind.

Kriegsmuseum Gori, Georgien

Im Kriegsmuseum

Seit 2008 ist ein Teil der Ausstellung auch dem georgisch-russischen 5-Tage-Krieg um Südossetien gewidmet. Denn die Stadt liegt nur 25 km von Südossetien entfernt. Und wurde während der Auseinandersetzung auch bombardiert. Und danach für einige Zeit von Russland besetzt.

 

EUMM Patrol – © Photo The EUMM

Später auf der Weiterfahrt kamen mir mehrere weiße Landcruiser entgegen. Mit EU-Flaggensymbolen und Kennzeichen EUMM plus eine Zahl. Ich habe erst mal gegoogelt, was die EUMM überhaupt ist (nur in Englisch). Eine zivile Beobachtermission der EU (European Union Monitoring Mission). Zur Überwachung der Einhaltung der Vereinbarung über den Waffenstillstand zwischen Georgien und Russland. Mein Landcruiser hätte auch gut in die Kolonne reingepasst. Allerdings hatten die neuere Autos. Bei einem Budget von 38 Millionen Euro für 3 Jahre auch nicht weiter verwunderlich…

Rathaus
Rathaus Gori, Georgien

Sieht ein bisschen wie der Reichstag in Berlin aus

Das habe ich natürlich nur von außen angesehen. Aber es ist mir gleich aufgefallen. Weil es eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Reichstag in Berlin hat. Am Ende und nach dem Krieg wurde es von deutschen Kriegsgefangenen in Gori gebaut.

Und wird wegen seiner charakteristischen Kuppel auch dort „Reichstag“ genannt.

Die Stalinallee lebt noch

In Berlin schon lange nicht mehr. Da wurde sie bereits 1961 in Karl-Marx-Allee umbenannt. Aber in Gori. Da heißt die größte Straße in der Innenstadt immer noch Stalinallee. Dazu gibt es auch einen Stalin Platz. Und einen Stalin Park. Und in einer Ecke des Stalin Parks das Stalin Museum. Warum? Weil der spätere sowjetische Diktator Georgier war. Er wurde in Gori geboren und hat vier Jahre dort gelebt.

Stalin Museum in Gori, Georgien

Das Stalin Museum von außen…

Das Museum ist passenderweise 1957 in sowjetischer Bauart errichtet worden. Und drinnen wird Stalins Leben gezeigt. In Bildern und persönlichen Gegenständen. Auch sein Arbeitszimmer ist hier aufgebaut. Das alles ist zeitlich von der Geburt bis zum Tod geordnet. Was aber komplett fehlt, ist eine kritische Darstellung der Unterdrückung des Volkes, der politischen Säuberungsaktionen, der Hungersnöte und der Zwangslager.

Stalin Museum in Gori, Georgien

…und innen

Vor dem Museum steht noch Stalins Geburtshaus. Eine Lehmhütte mit Strohdach. Und daneben ein Eisenbahnwaggon aus seinem Sonderzug.

Das Museum war erstaunlich voll. Mit Georgiern und Touristen aus aller Welt. Ich denke, in Tbilissi kann man Tagesausflüge hierher buchen.

Uplisziche – Fast in der Mitte von Georgien

Am nächsten Morgen wollte ich weiter. Und hatte darum gebeten, das Frühstück schon um 7 Uhr zu bringen. Pünktlich wie schon am Tag zuvor klingelte es an der Haustür. Es gab Kaffee und Spiegeleier, frisches Brot und selbstgemachten Honig und Marmelade. Ja, „Emma“ hatte ihre Verwandtschaft gut im Griff 😉

Höhlenstadt Uplisziche in Georgien

Warten vorm Museum

So war ich schon gegen 8 Uhr auf der Straße. Über Landstraßen und durch kleine Bauerndörfer erreichte ich schon 30 Minuten später die Festungsstadt. Doch leider war der Eingang noch verschlossen. Öffnungszeit war 10 – 18 Uhr. Auch die Imbissstände und Cafés am Eingang waren noch zu. So blieb mir nichts anderes übrig, als mir schon mal die Route zum nächsten Übernachtungsort anzusehen. Und dort eine Unterkunft für den Abend zu buchen.

Uplisziche war eine Höhlenstadt. Die Wohnhäuser wurden in den weichen Fels auf einem Plateau hoch über dem Fluss Kura geschlagen. Schon im 6. Jahrhundert v. Chr. lebten hier Menschen. Und später war Uplisziche ein Zentrum an der alten Seidenstraße. Das erst im 13. Jahrhundert durch die Mongolen eingenommen und zerstört werden konnte.

Höhlenstadt Uplisziche in Georgien

Uplisziche ist eine der ältesten Siedlungen der Welt

Höhlenstadt Uplisziche in Georgien

Aber ich glaub‘, mir wäre das da zu zugig gewesen

Höhlenstadt Uplisziche in Georgien

Von oben ein Blick auf die Kura

So richtig vorstellen kann ich mir das Leben dort aber eigentlich nicht. Vor allem hätte mich mal interessiert, ob es vor den Eingängen in die Höhlen früher so etwas wie Wände und Türen zum Schutz gegen Kälte und Wind gegeben hat. Ehrlich gesagt, leben hätte ich dort damals nicht wollen.

Weiter nach Kutaissi

Der Weg weiter nach Kutaissi ging teils über die neue Autobahn. Aber teilweise auch noch über Landstraßen. Vermutlich weil die Autobahn hier noch nicht fertig gebaut war. An der Landstraße waren in den Dörfern kleine Verkaufsstände aufgebaut. Dort gab es entweder Gemüse und Obst. Oder auch Schuhe und Bekleidung.

Kutaissi, Georgien

Das war manchmal etwas schwierig, hier zu rangieren

Der Weg in der Stadt zu meiner Unterkunft war schließlich kompliziert. Google Maps meinte mal wieder, die kürzeste Route anbieten zu müssen. Mit dem Ergebnis, dass ich durch enge Straßen mit Kopfsteinpflaster fuhr. Mit Kurven, an denen ich erst mal rangieren musste. Immerhin ging es aber sogar den Kleinwagen vor mir genauso. Sehr beruhigend.

In einem Restaurant kam ich am Abend mit zwei deutschen Mädels ins Gespräch. Die waren gerade angekommen und wollten später wandern gehen. Für den nächsten Tag verabredeten wir uns aber zunächst mal für eine Fahrt in die Umgebung.

Ein Ausflug zu den Klöstern Gelati und Motsameta
Gelati Klosteranlage, Georgien

Zwei Klosteranlagen nahe Kutaissi: Gelati und Motsameta

Die liegen ganz in der Nähe von Kutaissi. Wahrscheinlich hätte man sich einen ganzen Tag lang hier aufhalten können. Und sich mit den Bauten, Bildern, Gräbern und Legenden beschäftigen. Das eine Kloster fasziniert durch seine Gemälde, Bilder und Mosaike. Das andere durch seine Gebäude und seine Lage. Auf einem Berg an einer tiefen Schlucht.

Gelati…

…und Motsameta

Aber wir beließen es hier nur bei einem kurzen Stop. Zumal die Anlagen auch touristisch recht überlaufen waren. Inklusive Parkplatzeinweisung und Parkplatzgebühr.

Außerdem hatte ich ja auch schon etliche Kirchen und Klöster in Georgien gesehen. Und schließlich wollten wir ja auch noch weiter zum Okatse Canoyn.

Und zum Okatse Canyon
Okatse Canyon, Georgien

So spektakulär ist der Okatse Canoy gar nicht

Georgien hat ja viele Canyons. Der Okatse Canyon liegt etwa 50 km nordwestlich von Kutaissi und ist selbst gar nicht so richtig spektakulär. Dafür aber der Weg am Canyon entlang. Der Eingang ist direkt an der Straße nahe dem kleinen Dorf Zeda Gordi. Von dort muss man dann erst mal 2 km durch einen Wald bergauf und bergab zu Fuß laufen. Bis man den Eingang eines Eisensteges erreicht. Und dann einige hundert Stufen nach unten, bis zu dem schmalen Steg.

Okatse Canyon, Georgien

Aber auf dem 800m langen Steg in 80m Höhe am Canyonrand entlang zur Aussichtsplattform sollte man schwindelfrei sein

Der führt 80 Meter über dem Canyon an der Felswand entlang und ist mit Stahlträgern und Seilen daran befestigt. Man kann dort knapp 800 m bis zu einer Aussichtsplattform entlanglaufen. Bevor man jedoch zu der kommt sind als „Schikane“ noch mal etliche Treppenstufen eingebaut.

Alles in allem also ganz schön anstrengend. Und Höhenangst sollte man hier auch nicht haben. Sonst kehrt man nach 50 m wieder um.

(Fast) zurück in Kutaissi von unserem Trip

Trotzdem, der Steg über der Schlucht und seine Aussichtsplattform, die in die Schlucht hineinragt, sind das eigentliche Erlebnis.

Man kann wohl auch noch in den Canyon selbst hinunter. Doch dazu war es an diesem Nachmittag für uns schon zu spät.

Noch ein Tag in Kutaissi

Die beiden Mädels waren am folgenden Tag zu ihrer Wandertour aufgebrochen. Und ich schaute mich etwas in der Stadt um. Leider hatte sich über Nacht das Wetter geändert. Es war mit einem Mal Herbst geworden und deutlich kühler. Dazu wechselten sich Regenschauer und Wind ab. Warum die Georgier Kutaissi als Stadt der Rosen und des Mai bezeichnen erschloss sich mir an diesem Morgen jedenfalls nicht. Aber es war ja auch schon Mitte September.

Markt in Kutaissi

Gemüsesaison

Immerhin war es in der Markthalle trocken. Und die lokalen Angebote von Gemüse und Obst sahen ganz lecker und frisch aus. Dazu gab es alle möglichen Gewürze, Nüsse und Käse. Alles frisch und unverpackt.

Nach dem nächsten Schauer machte ich einen 30minütigen Fußmarsch zur Bagrati-Kathedrale. Hoch über der Stadt auf einem Berg.

Bagrati Kathedrale Kutaissi, Georgien

Die Bagrati Kathedrale ist das Wahrzeichen von Kutaissi

Die ist über 1000 Jahre alt und das Wahrzeichen von Kutaissi. Na ja, original ist sie nicht mehr.

Sie wurde seit dem 17. Jahrhundert restauriert, nachdem sie von den Osmanen verwüstet und gesprengt wurde.

Bei gutem Wetter hat man von hier aus sicher  einen wunderschönen Blick auf die Stadt.

Funicular Kutaissi, Georgien

Mit der alten kleinen Seilbahn über den Rioni Fluss zum Kinder Vergnügungspark

Wieder unten in der City brauchte ich erst mal einen heißen Kaffee. In einem Lokal direkt an einer kleinen uralten Seilbahn. Sicher noch aus Sowjetzeiten.

Na klar bin ich dann damit hochgefahren. Über den Rioni Fluss, auf einen Hügel.

Zu einem ebenso alten Vergnügungspark. Keine 10 Euro wie in Mitteleuropa, nur 3 Lari (80 Cent).

Oben warteten die Karussellbetreiber auf Kundschaft. Vor allem auf Kinder mit ihren Eltern.

Childrens amusement park, Kutaisi, GeorgiaKinder Vergnügungspark, Kutaissi, GeorgienDoch es war zu früh und zu schlechtes Wetter. So war ich fast der einzige Gast hier oben. Trotzdem, dieser Charme aus einer vergangenen Zeit ließ mich lange hier oben verweilen.

Von Kutaissi nach Batumi

Es wurde Zeit, am nächsten Tag die Berge zu verlassen. Und weiterzufahren nach Batumi am Schwarzen Meer. Ganz im Westen von Georgien. Zunächst wieder auf der Autobahn. Doch 50 Kilometer vor Batumi meinte Google Maps offenbar, dass die zu Ende sei. Und lotste mich über kleine und kleinste Nebenstraßen weiter. Ich hatte absolut keine Ahnung mehr, wo genau ich war. Aber noch genug Zeit bis zum Abend.

Zwischen den Blättern sieht man schon das Schwarze Meer

Also fuhr ich mal optimistisch weiter. Und irgendwann sah ich rechts aus dem Autofenster zwischen den Büschen Wasser. Das Schwarze Meer. Wieder ein Meilenstein auf meinem Roadtrip von Australien nach Deutschland geschafft.

Leider änderte sich auch hier das Wetter alle 10 Minuten. Und meine restliche Fahrt nach Batumi fand bei ziemlich grauem Himmel statt.

Batumi – Hafenstadt im Westen von Georgien

Schau mal an, wo die KFW überall tätig ist. Hier in Batumi

Wenn ich schon bei Ankunft gewusst hätte, wie sich meine Weiterfahrt entwickeln würde, dann hätte ich sicher anders gehandelt.

Aber so dachte ich, erst mal 3 Tage abschalten, Batumi genießen und Abschied von Georgien nehmen.

Batumi, Georgien

Let’s the party start…

Batumi ist nicht nur die wichtigste Hafenstadt von Georgien. Sondern auch die Touristenmetropole. Sozusagen das russische Mallorca.

Mit Unmengen an Touristen, vorzugsweise aus Russland. Auch noch jetzt, in der Nachsaison. Und am Abend werden die Straßen, Restaurants und Bars dann richtig voll.

Landcruiser Meeting

Vermutlich weil ich bei der Buchung auf den Preis geschaut hatte, hatte ich auch ein russisches Hotel erwischt. Russisch geführt, voll mit Touristen aus Russland und mit russischer Küche. Aber nicht schlecht!

Und es hatte einen großen Vorteil: Es lag direkt an der Strandpromenade am Schwarzen Meer.

Seafront Promenade Batumi, Georgien

800m lang ist die Seafront Promenade schon. Und 5 km lang soll sie werden

Die ist 800m lang und wurde damals gerade auf 5 km(!) verlängert.

Das einzige was mich am Strand störte: Es ist kein Sandstrand sondern ein Steinstrand.

Nun denn, ich war ja auch nicht zum Baden hergekommen.

Die City ist auf Tourismus ausgerichtet
Batumi, Georgien

Zwischen Innenstadt und Hafen ist die Argo Seilbahnstation. Zum 250m hohen Berg Anuria

Batumi ist umgeben von Bergausläufern des Kleinen Kaukasus.

Und auf einen dieser Berge fährt eine Seilbahn hoch. Von oben hat man einen tollen Blick auf die Stadt.

City Center Batumi, Georgien

Blick von oben auf die City

Hier sieht man erst mal so richtig, wie schon die ersten 3 Häuserreihen an der Strandpromenade die alten niedrigen Gebäude verdrängt haben.

Nur noch Hochhäuser, Hotels für tausende von Gästen. Und das dürfte sich in den kommenden Jahren Richtung Innenstadt fortsetzen.

Dabei ist fast jedes moderne Gebäude einzigartig. 1000 Gebäude und 1000 unterschiedliche Stile. Im Video unten könnt ihr das noch ein bisschen besser sehen.

Chacha Uhrenturm Batumi, Georgien

Am Chacha Turm soll aus den Springbrunnen einmal pro Woche statt Wasser georgischer Chacha (ähnlich Grappa) fließen. Aber niemand weiß genau wann

Batumi, Georgien

Man muss in Batumi nicht am Wasser wohnen. Auf den Bergen geht’s auch

 

Und auch bei den Verkehrsvorschriften wurde in Batumi auf die Touristen Rücksicht genommen. In fast allen Straßen innerorts gilt Tempo 30km/h.

Ein römisches Kastell in Gonio
Gonio, Georgien

In Gonio war’s richtig entspannend

Für einen Tag machte ich einen Ausflug nach Gonio. Das liegt ca. 15 km südlich von Batumi Richtung türkischer Grenze. Denn hier gibt es das alte römische Kastell Apsaros. Das war Teil des römischen Limes und ist ziemlich gut erhalten. Das wollte ich mir natürlich ansehen.

Die Mauer mit ihren 18 Türmen aus Stein, die Überreste des Badehauses, Wasserleitungen und Abwasseranlagen. Das alles war schon ziemlich spannend. Aber auch eine ruhige Oase im Gegensatz zu der Hektik und dem Trubel in Batumi.

Grenze Georgien – Türkei

Den Grenzübertritt hatte ich am folgenden Vormittag geplant. Um dann noch bis Trabzon in der Türkei weiterzufahren. Die Abfertigung auf der georgischen Seite verlief auch vollkommen problemlos. Wie schon die drei vorherigen Überquerungen Aserbaidschan – Georgien, Georgien – Armenien und Armenien – Georgien.

Sarpi, Georgien

Der georgische Grenzübergang in die Türkei bei Sarpi

Erst als der Zollbeamte, der den Landcruiser kontrollierte, plötzlich zu mir sagte: „In 30 Minuten werden Sie wieder hier sein“ – da wurde ich stutzig. Ich fragte warum und er meinte: Weil Ihr Pass und die Autopapiere nicht aus einem Land stammen.

Und genauso war es. Ich hatte bereits den türkischen Einreisestempel in meinem Pass als man nach den Autopapieren fragte. Als ich die zeigte hieß es: Entweder Sie zeigen noch einen Australischen Pass vor. Oder deutsche Autopapiere. Beides war natürlich völlig unmöglich für mich. Und trotz einer längeren recht unerfreulichen Diskussion mit dem Chef der türkischen Kontrollstation konnte ich an der Entscheidung nichts ändern.

Entry canceled

Schließlich wurde der Einreisestempel in meinem Pass ungültig gestempelt. Und ich auf die georgische Seite zurückgeschickt. Eigentlich sollte ich noch ein Formular unterzeichnen. Aber da das nur auf türkisch ausgestellt war und ich nichts lesen konnte habe ich mich geweigert.

So hatte der freundliche georgische Beamte am Ende recht behalten. Ich fuhr nach Batumi zurück und suchte mir erst mal eine preiswerte Unterkunft etwas außerhalb, in der Nähe des Flughafens. Dies war das erste – und einzige – Mal auf meiner Reise, dass ich nicht weiterkam wie geplant.

Wie geht’s weiter?

Im Hotel schaute ich mir erst mal meine Möglichkeiten auf meinem Laptop an. Die naheliegendste wollte ich erst gar nicht probieren. Am nächsten Tag noch mal mein Glück an der Grenze zu versuchen. Ich vermute, dass mein Fall dort schon aktenkundig und in der IT gespeichert war.

Skulptur in Batumi

Gehen die jetzt in den Kaukasus? Oder kommen die von da?

Die nächste Möglichkeit wäre, über Armenien und den Iran im Süden zu fahren. Aber auch dann würde ich später wieder an die türkische Grenze kommen. Und vermutlich sind die Grenzstationen miteinander vernetzt.

Eine andere Möglichkeit wäre über den Norden. Durch Russland und die Ukraine. Doch dabei stellte sich das Visumsproblem für Russland. Wie bereits damals in Kasachstan. Und auf diesen Umstand mit Passversand nach Deutschland hatte ich auch nicht so richtig Lust.

Meine Route übers Schwarze Meer

630 Seemeilen (1100 km) von Batumi nach Burgas in Bulgarien

Blieb also nur eine Alternative. Eine Fähre direkt über das Schwarze Meer nach Europa. In die Ukraine, nach Moldawien, Rumänien oder Bulgarien. So machte ich mich am folgenden Tag zum Hafen auf, um diese Optionen zu checken. Mal zu Fuß, weil ich schon wusste, dass man in der Nähe des Hafens schlecht parken konnte. Das waren zwar 7 km für eine Strecke, aber ich hatte ja Zeit.

Am Hafen erfuhr ich, dass es in der Nähe ein Fährbüro gibt. Und man zeigte mir auch wo. Ich ging dorthin und man sagte mir, dass es tatsächlich Fähren von Batumi nach Burgas in Bulgarien gibt. Aber nicht heute, es sei schließlich Samstag. Ich solle am Montag mit meinem Auto um 14 Uhr wieder vorbeikommen.

Ein Ticket übers Schwarze Meer

Am Strand von Batumi

Am Strand von Batumi

Zwei Tage später war ich pünktlich um 14 Uhr wieder dort. Mein Pass und die Autopapiere wurden kopiert. Und ich sollte eine Telefonnummer hinterlassen. Man würde mich um 19 Uhr anrufen. In der Zwischenzeit könnte ich mir schon mal Bargeld für das Fährticket besorgen. Die Überfahrt für mich sollte 140 Euro und für den Landcruiser 450 Euro kosten.

Sonnenuntergang über dem Schwarzen Meer

Go west – Sonnenuntergang über dem Schwarzen Meer

Ich suchte also eine Bank auf, denn für einen ATM war der Betrag zu hoch. Außerdem sollte ich das Ticket in Euro oder US-Dollar zahlen. Und ich hätte die Lari aus einem Automaten dann ohnehin in einer Bank umtauschen müssen. Zwei Stunden hat dieser Bankbesuch gedauert. Erst das Geld von der Kreditkarte bar in Lari abheben. Und dann die Lari in Euro umzutauschen.

Danach kehrte ich dann wieder zu meinem Auto am Hafen zurück. Und wartete.

Warten aufs Fährticket

Als um 19 Uhr niemand anrief meldete ich mich mal bei der Reederei. Ich solle mich gedulden hieß es. Um 21 Uhr rief man mich dann an, ich sollte jetzt ins Fährbüro kommen. Dort bezahlte ich und erhielt einen Zettel für den Hafen. Mit dem fuhr ich in den Zollbereich und von dort aufs Schiff.

Im Hafen von Batumi
Landcruiser auf der Fähre in Batumi

Mein Landcruiser ist fest verzurrt

Der Landcruiser wurde unter Deck geparkt und anders als in Kasachstan sogar noch mit Seilen verzurrt. Man wies mir eine Kabine zu. Und das war’s dann erst mal. In der Kabine war es eiskalt. Denn die Klimaanlage lief auf Hochtouren. Und war auch nicht wärmer oder ganz abzustellen. So kroch ich in eine Koje unter die Decken und schlief ein.

Kabine auf der Fähre übers Schwarze Meer

Die Klimaanlage musste ich etwas abdichten

Um 4 Uhr morgens trommelte jemand gegen die Kabinentür. Aufstehen und in den Salon kommen. Dort fand die Ausreisekontrolle statt. Und hier gab es dann auch mal wieder eine Diskussion um meine australischen Autopapiere. Die ich jedoch schnell beenden konnte. Irgendwie waren die Ein- und Ausreisen über einen Hafen immer komplizierter als an einem Grenzübergang an Land. Auch hier mussten dann alle Reisenden am Ende wieder ihren Pass beim Zahlmeister abgeben.

Zeit zum Duschen

Um 7 Uhr gab es Frühstück und ich kam mit Fred ins Gespräch. Einem deutschen LKW-Fahrer, der für eine Spedition MRT-Geräte von Siemens auslieferte. Bis nach Israel, Kasachstan oder eben jetzt nach Georgien. Und wieder tat sich sonst nichts weiter. Fred hatte gehört, dass es auch auf dem Schwarzen Meer für das Schiff zu stürmisch sei. Wie schon ein paar Wochen zuvor auf dem Kaspischen Meer. Und er hatte dafür auch gleich die passende Lebensweisheit: „Wenn das Schwarze Meer weiß wird, dann sollten die Schiffe im Hafen bleiben.“ 

Mit der Fähre von Georgien nach Bulgarien

Fähre auf dem Schwarzen Meer

Ein neuer Morgen im Kaukasus

Am Mittag ging es dann endlich los. Immer noch bei ziemlich rauer See. Daher kamen schon am Abend die meisten Trucker gar nicht mehr zum Essen sondern blieben in ihren Kojen. Oder hingen an Deck über der Reeling.

Aber für mich hieß es: Tschüss Georgien

Mir machte das Rollen und Stampfen des Schiffes nicht viel aus. Denn ich bin früher oft gesegelt. Große Stabilisatoren hatte die Fähre nicht. Die war 1994 in Italien gebaut worden. Und früher in Italien, Griechenland und Spanien unterwegs gewesen.

Mit 14 Knoten überquerte sie nun das Schwarze Meer. Und die Strecke war mit 630 sm (fast 1.200 km) ungefähr dreimal so lang wie die über das Kaspische Meer. Auch hier gab es an Bord drei Mahlzeiten täglich. Aber leider keinen leckeren Tee nachmittags.

Fähre auf dem Schwarzen Meer

Leider durften wir nur auf das kleine Deck mit den Rettungsbooten – © Foto PB Management

Und machen konnte man auch nicht viel. Nur das kleine Deck mit den Rettungsbooten im vorderen Drittel des Schiffes war geöffnet. Das obere Deck war leider abgesperrt. So konnte ich auch nicht nach vorne schauen. Zudem war das Wetter sehr wechselhaft und kühl. Blieb also nur schlafen, essen und ab und zu die Beine vertreten. So erreichten wir fast genau 2 Tage später Burgas in Bulgarien.

Und zum Schluss zwei Videos

Küste von Bulgarien bei Burgas

Bulgarien, wir kommen

Wie immer an dieser Stelle das Dashcam-Video. Vom letzten Teil meiner Reise in Georgien und der Fahrt mit der Fähre nach Bulgarien (4m 1s, 746 MB; Musik: Hills Behind – Silent Partner,  YouTube Audiolibrary).

Ich habe dieses Mal versucht, etwas mehr Originaltöne im Video zu lassen. Also die Informationen von Google Maps und die Musik. Dazu hatte ich übrigens mein Handy mit dem Autoradio verbunden.

  • Tbilissi
  • Richtung Gori
  • Weiter nach Kutaissi
  • Und nach Batumi
  • Gonio
  • Grenze Georgien
  • Batumi
  • Fähre Schwarzes Meer
  • Ankunft in Bulgarien

Und schließlich mein YouTube Video von diesem Teil meiner Reise aus 2019 (11m 57s).

Wie es in Bulgarien und Europa weiterging, das erfahrt ihr in meinem nächsten Post.

Cheers, Rüdiger 😎

 

 

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