Mit dem eigenen Auto nach Cape York

fruit bat falls cape york australia

Mit dem eigenen Auto nach Cape York. Zur nordöstlichen Spitze des australischen Kontinents. Natürlich kann man – ein geeignetes Budget vorausgesetzt – von Cairns nach Bamaga fliegen und sich von dort in mehr oder weniger komfortablen Bussen einmal zum Cape (oder: zum Tip wie die Australier sagen) und zurück fahren lassen. Das geht auch an einem Tag.

Cape York hat man dann allerdings nicht erlebt. Cape York, das sind hunderte von Kilometern auf Waschbrettpisten, oder – wenn man darauf keine Lust hat – unbefestigte Tracks mit Steigungen, Gefällen und Flussdurchfahrten. Dazu einmalige Outbacklandschaften in allen Farben, Dschungel, einsame Strände und unendliche Weiten. Es gibt sehr viel zu sehen, daher will die Route gut durchgeplant sein. Es macht wenig Sinn ständig zwischen der Ost- und Westküste hin- und herzupendeln und sich damit dauernd die „kniehohen“ Waschbrettpisten anzutun.

Ich teile hier mit euch unsere Route. Mit detaillierten Infos zu den einzelnen Stopps. Auf dieser Fahrt konnten wir die meisten Highlights auf der Cape York Halbinsel mitnehmen. Dabei hatten wir viel Spaß auf den 4WD Tracks und eine ausgezeichnete Mischung aus Outback, Strand, Wasserfällen, Dschungel, kleinen Städtchen und Flüssen. Nur wenn man mit dem eigenen Auto nach Cape York fährt, dann bekommt man in ca. 4 Wochen einen sehr guten Eindruck von der Halbinsel.

„You travel a region most Australians have never seen“

Küstenstraße am Pazifik nördlich Cairns, Australien

Küstenstraße am Pazifik nördlich Cairns

Ich hatte das große Glück, dies erleben zu dürfen, da mein Sohn seit 2 Jahren in Australien lebt. Er verfügt über ein entsprechendes Fahrzeug und hat sich intensiv mit der Vorbereitung dieses Trips befasst. Ausländische Touristen (außer den erwähnten Pauschaltouristen) sieht man dort selten. Selbst wenn man einen entsprechenden Wagen bei einer der Autovermietungen in Cairns anmietet, sind Fahrten nach Cape York meistens von den Mietbedingungen ausgeschlossen. So sagte auch ein Australier auf unserer Reise zu uns: „You travel in a region most Australians never have seen“ („Du reist in eine Region, die selbst die meisten Australier nicht gesehen haben“).

vollgepackter landcruiser

Vollgepackter Landcruiser – Ready to go!

Um mit dem eigenen Auto nach Cape York zu fahren ist eine entsprechende Ausrüstung unerlässlich: Ein geeigneter 4WD, am besten höher gelegt, mit einem größeren Tank und Kühlschrank, Doppelbatterie, Winsch, Zelt und – ganz wichtig – einem Kompressor zum Aufpumpen der Reifen. Luft ablassen geht übrigens schneller, einfacher und billiger mit einem Schnürsenkel als mit einem Reifendruckmesser.

Es kann in der Einsamkeit – je nach Zustand des Wagens – auch nicht schaden, wenn man elementare Fahrzeugkenntnisse hat. Reifen-, Keilriemen-, Sicherungs- und Filterwechselkenntnisse sind hilfreich. Und eine kleine Werkzeugkiste. Die darin meist auch enthaltene Axt hat uns übrigens hervorragende Dienste zum Zerteilen von Ästen fürs Grill-/Lagerfeuer geleistet.

Der Klassiker Google Maps ist nur bedingt hilfreich

track durch bushland in cape york

Track durch bushland in Cape York, Australia

Weiter empfehlenswert ist es, sich mit gutem Kartenmaterial auszustatten. Zum einen hat man nur in den wenigsten Gebieten Cape Yorks Handyempfang. Das soll sich allerdings ändern: Die australische Telefongesellschaft Telstra hat angekündigt bis zum Jahr 2021 überall in Australien ein Mobilfunknetz anzubieten. Aber zum anderen ist Cape York zu großen Teilen von Onlinediensten (Google Maps) nicht abgedeckt. Wir haben jedenfalls auf einen gesunden Mix aus Google Maps und Hema Karten (in englischer Sprache) gesetzt – und sind damit sehr gut gefahren.

Ein paar Tipps für das (Über)Leben im Outback

Bezüglich Reiseapotheke sollte sich jeder selbst darüber im Klaren sein, was er braucht. Wir haben das Übliche – Mittel für Magenprobleme aller Art, Erkältung, Schmerztabletten/salbe, Wundsalbe, etc. dabei gehabt – aber nichts davon benötigt. Dafür hat aber unser Pflastervorrat bei weitem nicht gereicht. Bei  den vielen Flussdurchfahrten ist es erforderlich, die Flüsse zuvor mehrmals zu durchwaten, um den besten Weg zu erkunden. Fast in jedem Fluss befinden sich kleine spitze Steine. Diese führten regelmäßig dazu, dass wir mit heiler Haut hineingingen, aber mit blutigen Füßen wieder herauskamen. Hier hilft auch kein Atlas oder Reisehandbuch. Durch die Strömungen in den Flüssen ist die jeweils beste Route in diesem Jahr schon nicht mehr dort, wo sie im vergangenen Jahr noch war. Es würde sich also empfehlen, entsprechende Taucherschuhe oder ähnliches einzupacken. 😉

plastiksack über dem reserverad

Plastiksack über dem Reserverad für Müll

Es ist übrigens in Australien verboten, seinen Müll in diesen einsamen Gebieten, zumeist auch Naturparks, zurückzulassen. Daher hat jeder SUV, der sich auf diese Tour macht auf seinem Reservereifen draußen am Fahrzeug eine Art großen Plastikbeutel festgezurrt. Dort wird  der Abfall in normalen Einkaufstüten gesammelt, bis er in einem Ort entsorgt werden kann. Die Australier sind übrigens mehrheitlich insbesondere auf die deutschen Backpacker sauer, die sich im Outback aufhalten.  Genau die halten sich nämlich nicht an dieses ungeschriebene Gesetz seinen Müll selbst verantwortlich zu entsorgen….

Und ganz ganz wichtig: Pro Person ca. 10 Liter Wasser pro Tag dabei zu haben, für etwa 5 Tage. Es ist nie auszuschließen, dass man durch plötzliche Regenfälle zwischen zwei Flüssen feststeckt, die man dann aufgrund der Wassertiefe nicht mehr durchqueren kann. Dann muss man erst einmal ein paar Tage abwarten. Wir haben das zwar selbst nicht erlebt, da wir in der trockensten Jahreszeit gereist sind. Aber diese Überlebensregel haben wir trotzdem immer beherzigt.

Duschen und Toilette? Fehlanzeige!

toilettensitz am strand

Bau‘ dir dein eigenes Buschklo

Noch ein Wort zur Hygiene: Wer auf diesen Trip geht, wird diesbezüglich eine Abstriche machen müssen. Zumindest, wenn man keine organisierte Tour macht, die sich vom Hotel zu einem offiziellen Campingplatz und umgekehrt bewegt.

Wir haben von den insgesamt 28 Übernachtungen 12-mal in sogenannten Bushcamps übernachtet. Das ist eine australische Erfindung in den sehr abgelegenen Gebieten. Ein Platz, auf dem man offiziell übernachten kann, aber sonst auch nichts. Es gibt keine Duschen und meist auch keine Toiletten. Manchmal gibt es eine Toilette auf ökologischer Basis, in seltenen Fällen sogar mit einer Pump-Wasserspülung. Aber: Toilettenpapier muss man selbst dabei haben, also an einen genügend großen Vorrat denken – und an einen Platz im Wagen, wo es stets griffbereit ist. Es ist auch nicht verkehrt, einen Spaten dabei zu haben (wir hatten eine Schaufel, aber die hat uns manchmal auf harten Böden im Stich gelassen!). Zum einen um das Auto ggf. aus dem Sand ausgraben, zum anderen aber auch, um sein „Geschäft“ vergraben zu können. 🙂

Hier könnt ihr die Checkliste für einen Cape York Trip (oder einen Trip ins australische Outback) herunterladen.

Bald geht es hier weiter mit weiteren Stories zu unserem Cape York Trip, also schaut mal wieder rein.

Cheers Rüdiger 😎

3 Kommentare zu “Mit dem eigenen Auto nach Cape York

  1. Rüdiger, eine Empfehlung habe ich: Bepanthen Salbe einpacken – insbesondere zur Beruhigung der Haut nach der ökologischen Entsorgung … 😉

  2. Pingback: Von Cairns zur Bramwell Junction - Cape York Teil 2

  3. Pingback: Es geht los - Ankunft in Australien // Ruedi-Retyres.com

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