Sdravéjte Bŭlgariya – Hallo Bulgarien

Flagge Bulgarien

Flagge Bulgarien

Bulgarien habe ich von Südwesten nach Nordosten durchquert, von der griechischen zur rumänischen Grenze. Von der Küste am Schwarzen Meer durch das Balkangebirge im Landesinneren bis zur Donautiefebene im Norden.

Meine Fahrt durch Bulgarien

Rund 600 Kilometer durch Bulgarien

Aber es war schon Ende Oktober. Wäre ich im Sommer hier gewesen, hätte ich sicher noch den einen oder anderen Abstecher gemacht.

Doch so blieb es bei drei Stops. Kurz hinter der Grenze im Süden in Petrisch. Später dann 200km nördlich in Sofia, der Hauptstadt von Bulgarien. Und schließlich weiter nordöstlich in Weliko Tarnowo.

Pech in Petrisch

Weil ich von Veria schon 180km gefahren war wollte ich in Petrisch übernachten. Nur 20km von der griechischen Grenze entfernt. In einem kleinen Guesthouse hatte ich schon meinen Rucksack im Zimmer abgestellt. Dann ging ich noch mal zum Auto um die Papiere zu holen. Dabei merkte ich, dass der Schlüssel noch innen steckte. Und die Fahrertür war abgeschlossen. Alle anderen Türen auch.

Pferde

Der Sommer ist vorbei

Das wäre eigentlich kein Problem. Denn der Ersatzschlüssel war immer im Rucksack. Doch jetzt nicht. Denn den hatten wir in Baku im Hotel vergessen. Und von dort war er nach Deutschland zu meinem Sohn geschickt worden.

Was also tun? Ich fragte die Vermieterin und sie wusste Rat. Sie rief bei einer Autowerkstatt an. Und nach ca. einer Stunde kamen zwei Mechaniker. Mit Schraubenzieher und einem biegsamen Draht war der Landcruiser in weniger als 20 Sekunden wieder offen. Für 10 Lewa, etwa 5 Euro. Gut, dass ich vorher nicht wusste, wie schnell das geht 😉

Petrisch, Bulgaria

Auf dem Land wird noch viel selbst angebaut

Normalerweise ist die Fahrertür nicht abgeschlossen wenn man sie schließt. Schon aus Sicherheitsgründen. Damit man sich im australischen Outback nicht ausschließt. Nur wenn man beim Schließen der Tür gleichzeitig innen am Griff einen kleinen Hebel drückt wird die Tür verschlossen. Und das hatte ich wohl aus Unachtsamkeit gemacht.

Etwas Gutes hatte mein Fehler aber auch. Ich wurde von der Vermieterin gleich zum Abendessen eingeladen. Wahrscheinlich hatte sie Verständnis dafür, dass ich jetzt keine Lust mehr hatte, irgendwo im Ort noch ein Restaurant zu suchen.

Nach Sofia

Melnik, Bulgarien

Blick auf Melnik

Petrisch ist jetzt nicht so wirklich ein Touristenort. So machte ich mich am folgenden Morgen in Richtung Sofia auf. Dabei empfahl mir die Vermieterin, noch einen kurzen Umweg über Melnik zu machen. Das ist ein Museumsort und Hauptziel für Touristen. Vor allem wegen seiner historischen Gebäude und der 100m hohen Sandsteinfelsen direkt am Ortsrand. Und seinem Weinanbau.

Ich bin da zwar erst mal hingefahren. aber habe mir das Panorama dann doch nur oben von der Straße angesehen. So toll war das Wetter nicht. Alte Häuser und Kirchen wollte ich nicht besichtigen. Und Wein konnte ich wegen des Fahrens ohnehin nicht trinken. Die Felsen konnte ich auch aus der Entfernung sehen.

Unterwegs in Bulgarien

Auf dem Weg nach Sofia

Der kleine Umweg führte aber dazu, dass ich etwa die Hälfte der 200km nach Sofia auf Landstraßen gefahren bin.

Und das war recht entspannt. Meist ohne jeden Verkehr zwischen den kleinen Orten.

Im Sommer kann man in dieser Gegend bestimmt schön Wandern oder Fahrrad fahren.

Die Hauptstadt von Bulgarien

Gebäude in Sofia, Bulgarien

Sieht aus wie ein Museum. Oder eine Kunsthalle?

In Sofia hatte ich wie üblich eine Unterkunft etwas außerhalb der Innenstadt gebucht. Aber immer noch so, dass ich die City auf einem 6km langen Spaziergang gut erkunden konnte. Den habe ich auf etwas unterschiedlichen Routen dann sogar zweimal gemacht. Einmal am Vormittag. Und weil das Wetter wieder schlechter wurde dann nochmal abends. Im Hotel gab es ein (öffentliches) Bad mit Sauna. Da bin ich dann zwischendurch drin gewesen.

Seit mindestens 5000 Jahren leben in Sofia schon Menschen. In römischer Zeit hieß der Ort Serdica. Dann eroberten die Osmanen die Stadt. Und erst nach 500 Jahren bekam sie ihre Selbständigkeit zurück. Die Zeit im Kommunismus und westliche Einflüsse seit 1990 brachten wieder neue Impulse. So entstand ein ganz spannender Mix aus persischer, türkischer, russischer, slawischer und europäischer Kultur.

Fußgängerzone Sofia, Bulgarien / Pedestrian zone SofiaNatürlich auch beim Essen. Klar, ich hätte Hamburger futtern können. Aber es sollte ja was typisch Bulgarisches sein. Für Tarator (kalte Gurkensuppe mit Joghurt) war es zu kalt. Schopska Salat war mir zu wenig. Nur Gurke, Tomate, bulgarischer(!) Schafskäse, Zwiebel, Petersilie, Salz. Aber kein Essig und Öl. Also habe ich Kebaptscheta gewählt. Das ist so ähnlich wie Ćevapčići in Serbien. Aber wirklich auch nur so ähnlich. Die Auswahl an Gewürzen macht den Unterschied.

Wenn übrigens die Verständigung in Bulgarien mal nicht so klappt, dann muss man aufpassen. Kopfnicken bedeutet Ablehnung/Verneinung. Und Kopfschütteln Zustimmung/Bejahung. Also grade umgekehrt wie anderswo.

Eine Zeitreise durch 2000 Jahre

Straßenbahn Sofia, Bulgarien / Tram in SofiaJetzt wird es aber Zeit für einen kleinen Rundgang durch die Hauptstadt von Bulgarien.

Die U-Bahn brauchte ich dazu nicht.

Noch nicht einmal die schicke Straßenbahn, die quer durch die Stadt fährt. Übrigens schon seit dem Jahr 1898.

 

Sweti Aleksandar Newski

Aleksandar Newski Kathedrale Sofia, BulgarienDie bulgarisch-orthodoxe Alexander Newski Kathedrale ist das Wahrzeichen von Sofia. Mit golden glänzenden Kuppeln und auch im Inneren prunkvoll ausgestattet.

Gebaut wurde sie 1882 – 1912 zum Gedenken an Zar Alexander II. und die Befreiung Bulgariens von der türkischen Herrschaft.

Aleksandar Newski Kathedrale Sofia, Bulgarien

Ich finde, am Abend sieht sie schöner aus

Jeder mag für sich selbst entscheiden, ob sie ihm am Tage oder am Abend besser gefällt. Ich fand sie am Abend schöner.

Zum einen ist der Platz vor der Kathedrale dann nicht so voll. Zum anderen fand ich aber auch das Licht am Abend schöner. Auch wenn man dann die goldenen Kuppeln nicht sieht. Aber ich hatte auch das Glück, dass gerade Vollmond war.

Aleksandar Newski Kathedrale Sofia, Bulgarien

An der Aleksandar Newski Kathedrale gibt es einen kleinen Flohmarkt

Hinter der Kathedrale ist ein kleiner Park mit einem Trödelmarkt.

Für 3 Euro wollte man mir aber keine Medaille „Held sozialistischer Arbeit“ aus der UdSSR verkaufen.

Und Fotos davon durfte ich auch nicht machen.

 

Reiterstatue Zar Alexander II.

Ein paar Schritte weiter schaut der russische Zar hoch zu Ross auf das Parlamentsgebäude. Das 12m hohe Denkmal wurde 1907 enthüllt. Ebenfalls ein Dank für die Befreiung Bulgariens.

Reiterstatue Zar Alexander II. Sofia, Bulgarien / Equestrian StatueAllerdings ist es schwierig zu fotografieren. Denn Gebäude mit ziemlich großen Werbetafeln stehen dahinter.

Entweder ist Werbung von einer deutschen Spedition mit auf dem Bild. Oder von einer amerikanischen Versicherung und einer internationalen Hotelkette.

Oder man sieht nur den Schwanz vom Pferd. Doch dafür dann auch das Parlamentsgebäude…

Sweti Nikolaj

Sweti Nikolaj Sofia, Bulgarien / ChurchDie russisch-orthodoxe Nikolaikirche mit ihrem grünen Dach und den vergoldeten Zwiebeltürmen finde ich persönlich hübscher als die Alexander Newski Kathedrale.

Sie wirkt nicht so wuchtig und steht auch nicht an einem so großen belebten Platz.

1914 wurde sie eingeweiht. Angeblich, weil der russische Botschafter Sehnsucht nach seiner Heimat hatte.

Nationaltheater Iwan Wasow
Nationaltheater Iwan Wasow Sofia, Bulgarien

Hübsch, der Springbrunnen vor dem Nationaltheater

Ebenso ansprechend wie die Nikolaikirche fand ich das Nationaltheater aus dem Jahre 1907.

Benannt ist es nach einem bulgarischen Historiker und Schriftsteller.

Durch seine Lage am Stadtgarten von Sofia und dem Springbrunnen davor herrscht hier eine ganz entspannte Atmosphäre.

Nationaltheater Iwan Wasow Sofia, BulgarienAngeblich gibt es dort manchmal ganz spontan eine Art open-air-Tanzfläche für junge Leute.

Gesehen habe ich das nicht, aber es war ja auch schon dunkel.

Und Ende Oktober war es abends nicht mehr so richtig warm.

Rotonda Sweti Georgi
St. Georgs Rotunde Sofia, Bulgarien

Umgeben von hohen Häuserblocks: Die Rotonda Sweti Georgi

Zuerst wusste ich gar nicht genau, was das überhaupt ist. Eine Kirche, eine Ausgrabungsstätte, antike Ruinen?

Eigentlich alles drei. Der Backsteinbau der frühchristlichen Kirche wurde wohl im 4. Jahrhundert errichtet. In den Resten einer römischen Siedlung. Und er gilt als ältestes Gebäude in Sofia.

Ungewöhnlich ist die Lage der St. Georgs Rotunde. Zwischen großen Häuserblocks eines Hotels und dem Präsidentenpalast. Aber sie liegt nun mal mitten im alten Stadtzentrum.

Übrigens gibt es nur 500m entfernt auch noch Überreste eines römischen Amphitheaters. Mit Platz für 20.000 bis 25.000 Zuschauer bei Gladiatorenkämpfen war es fast genauso groß wie das Kolosseum in Rom. Leider konnte ich diese Ausgrabungsstätte aber nicht besuchen, weil sie am Abend bereits geschlossen war.

Dreieck oder Quadrat?

Aufgrund der Stadtgeschichte leben in Sofia alle drei Weltreligionen friedlich nebeneinander. Und im Zentrum stehen ihre Bauwerke auf engem Raum zusammen. Eine Synagoge, eine Moschee und eine römisch-katholische Kirche im „Dreieck der Toleranz.

Synagoge Sofia, Bulgarien

Die Synagoge…

Banja Baschi Moschee Sofia, Bulgarien

…und die Banja Baschi Moschee

Manchmal wird auch noch die bulgarisch-orthodoxe Kathedrale Sweta Nedelja in der Nähe dazugezählt. Dann wird das Dreieck der Toleranz zum „Quadrat der Toleranz.

Sweta Petka
Sweta Petka Sofia, Bulgarien

Die Sweta Petka Kirche von vorn…

In einer Unterführung an der U-Bahn Station Serdica ganz in der Nähe der St. Georgs Rotunde steht noch eine uralte kleine Kirche.  Die Sweta Petka aus dem 16. Jahrhundert mit ein Meter dicken Wänden und nur einem Raum.

Blickt man von vorne auf sie, sieht man im Hintergrund das ehemalige Gebäude der Kommunistischen Partei Bulgariens.

Sweta Petka Sofia, Bulgarien

…und von hinten

In umgekehrter Richtung ist im Hintergrund die Statue der „Heiligen Sofia“ zu sehen.

Diese Figur wurde am „Platz der Unabhängigkeit“ im Jahr 2000 aufgestellt.

Sie löste eine Leninstatue ab, die dort bis 1990 stand und gilt als Beschützerin von Sofia und Bulgarien.

Und hier gibt’s noch ein paar weiter Fotos von meinem Stadtbummel durch Sofia.

We will rock you… Open air

Nationaler Kulturpalast Sofia

Der Kulturpalast in einem großen Park

Sofia, Bulgarien

Solche Häuschen für die Polizei zur Ampelsteuerung gab’s glaube ich in den 50er Jahren bei uns auch

Mehrfachbelichtung!

 

Zum Witoscha Gebirge

Am zweiten Tag wollte ich noch vor die Tore der Stadt. Denn dort liegt das Witoscha Gebirge. Das Naherholungsgebiet der… Ja wie sagt man eigentlich zu den Bewohnern von Sofia?

Bei den Bewohnern von Frankfurt oder Hamburg ist das klar, Frankurter oder Hamburger. Aber Sofia? Sofiaer, Sofiosi? Muss ich gleich mal im Internet gucken. Wikipedia mogelt sich drumherum und schreibt „…der Hauptstädter…„. Der Duden nennt sie Sofioter. Und es heißt dort auch „die Sofioter City„. Ob das richtig ist? Klingt ziemlich komisch 😉

Sofia, Bulgarien

Ein Blick vom Witoscha Gebirge auf die Stadt

Egal wie, jedenfalls bin ich an den Fuß des Gebirges gefahren. Das ist bis zu 2.300m hoch. Und es beginnt schon in den südlichen Vororten von Sofia. Irgendwann habe ich das Auto dann abgestellt und bin ein Stück hochgelaufen. Doch leider war es an diesem Vormittag nebelig und ich habe bald aufgegeben.

Den Nebel in Bulgarien kannte ich übrigens schon. Ein paar Wochen zuvor war es von Burgas zur griechischen Grenze genauso. Und bei meinem allerersten Besuch in Bulgarien auch. 1975, als ich einen LKW von Deutschland nach Syrien überführt habe. Damals musste ich den LKW an Kreuzungen quer stellen, um die Straßenschilder lesen zu können. Denn Internet gab’s damals noch nicht…

Weiter oben im Gebirge sollten noch ein Wasserfall, ein Kloster und die sogenannten „Steinflüsse“ sein. Lange Strecken von ziemlich großen Felsblöcken. Doch die Ausschilderung der Wanderwege war – nun ja – etwas spärlich. Und auf Google Maps wollte ich mich bei Waldwanderwegen nun schon mal gar nicht verlassen.

Kirche von Bojana
Kirche von Bojana, Sofia, Bulgarien

Die Kirche von Bojana am Fuß des Witoscha Gebirges

Auch die Straße ins Gebirge wollte ich nicht weiter hochfahren. Denn außer für Militär war das verboten. Zwar sagte mir ein Wanderer, es gäbe keine Probleme. Doch darauf wollte ich es als Tourist nicht ankommen lassen.

Also machte ich kehrt und fuhr in den nahe gelegenen Sofioter(!) Vorort Bojana. Durch kleine und kleinste Anliegerstraßen erreichte ich mt allerlei Durchfragen mein Ziel.

Kirche von Bojana, Sofia, Bulgarien / Church of BoyanaDie bulgarisch-orthodoxe Kirche von Bojana. Sie ist aus dem 10. Jahrhundert und aus dicken Ziegelsteinmauern gebaut. Innen gibt es gut erhaltene Wandmalereien. Und vermutlich steht die Kirche deswegen auch in der Liste des UNESCO Weltkulturerbes.

So spektakulär fand ich sie jedoch nicht und suchte bald lieber ein Restaurant in der Nähe. Aber leider vergeblich. Also ging es am Nachmittag wieder ins Zentrum zum Hotel zurück. Und dort in die Sauna. Vielleicht sollte man das Witoscha Gebirge eher zusammen mit einem Einheimischen besuchen.

In den Norden von Bulgarien

Eine ehemalige Kollegin empfahl mir vor meiner Weiterfahrt nach Rumänien unbedingt noch einen Stop in Weliko Tarnowo. Von Sofia nur 220km entfernt. Dort kam ich auf dem Weg nach Bukarest ohnehin vorbei.

Unterwegs nach Norden

Die Fahrt über die Autobahn endlich mal an einem sonnigen Tag dauerte nur drei Stunden.

Ein Zimmer habe ich mir oberhalb des Ortes an der Fernstraße genommen. In die verwinkelten und engen Gassen wollte ich mit dem Landcruiser definitiv nicht fahren.

Und meine Wahl war gar nicht schlecht. Denn am nächsten Tag konnte ich in einer halben Stunde durch den Wald in die Stadt laufen.

Weliko Tarnowo

Zarewez Festung und Kathedrale des Patriarchen, Weliko Tarnowo, Bulgarien

Zarewez Festung und Kathedrale des Patriarchen

Auch dieser Ort ist mindestens 5000 Jahre alt. Aber richtig entwickelt hat er sich erst im Mittelalter. Damals wurde von den bulgarischen Zaren (Königen) dort eine große Festung errichtet.

Erst innerhalb der Festung und später darüber hinaus entwickelte sich die Stadt. Sie wurde politischer, religiöser und kultureller Mittelpunkt. Und war dann sogar 200 Jahre lang Hauptstadt des Bulgarischen Reiches.

Weliko Tarnowo, Bulgarien

Blick auf die Stadt

Diese Entwicklung hat aber auch mit ihrer besonderen Lage zu tun.

Über Jahrtausende hat der Fluss Jantra eine tiefe steile Schlucht in das Gebirge gegraben. Und gleichzeitig macht er hier mehreren Schleifen.

Dadurch entstanden verschiedene große Hügel. Auf dem wichtigsten, dem Zarewetz, wurde der Festungskomplex gebaut. Und die Stadt dehnte sich dann auf die anderen Hügel aus.

Die Festung, das Panorama der Altstadt am Steilufer des Flusses und alte Häuser machen Weliko Tarnowo heute zum Touristenziel. Manche sagen, es sei eine der schönsten Städte in Bulgarien. Und Weliko Tarnowo war bereits 2010 Kulturhauptstadt des Balkans.

Die Festung Zarewez
Eingang zur Festung, Weliko Tarnowo, Bulgarien

Der Eingang zur Festung

Meinen Rundgang begann natürlich an der Festung.

Aber ich war schon so früh am Morgen da, dass noch nicht einmal das Kassenhäuschen geöffnet hatte.

Natürlich war auch die wiederaufgebaute Kirche des bulgarisch-orthodoxen Patriarchen noch geschlossen. Zu der sollte man auf jeden Fall mal ganz hinauf laufen.

Kathedrale des Patriarchen, Weliko Tarnowo, Bulgarien

Die Kathedrale des Patriarchen ganz oben auf dem Berg. Ob der da jeden Tag raufgeklettert ist?

Unterhalb der Kirche sind dann die Reste des Palastes der bulgarischen Zaren und der ersten Besiedelung zu sehen.

Während der Öffnungszeiten kann man wohl auch an einer Führung teilnehmen.

Dann wird man wahrscheinlich noch mehr historische Einzelheiten über den Festungskomplex erfahren.

Das Varusha Viertel und die Samovodska Charshia
Nadeshda 1869, Weliko Tarnowo, Bulgarien

Früher eine Schule, heute Kommunikationszentrum: Nadeshda 1869

Gegenüber dem alten politischen und kirchlichen Zentrum liegt das Varusha Viertel, die heutige Altstadt.

Auf dem einen Kilometer langen Weg vom Eingang der Festung dorthin kommt man dabei an hübschen alten Häusern und einer Kathedrale vorbei.

 

Samovodska Charshia, Weliko Tarnowo, Bulgarien

Die Handwerkerstraße, Samovodska Charshia

In der Altstadt gibt es schmale Gassen mit Kopfsteinpflaster und Häusern aus dem 19. Jahrhundert. Darin kleine Geschäfte mit Kunsthandwerk. Besonders in der Samovodska Charshia, der Handwerker Straße.

Wenn man keine Lust mehr hat weiterzulaufen findet man hier auch nette Cafes und traditionelle Restaurants. Und man fühlt sich ein bisschen wie vor 200 Jahren.

Blick ins Tal – Das Asenevtsi Denkmal und die Stambolov Brücke

Weliko Tarnowo, BulgarienZurück Richtung Festung kann man einen etwas anderen Weg entlang der Jantra nehmen. Und dort immer mal wieder rechts in schmale Durchgänge zwischen den Häusern gehen.

Dann hat man einen tollen Blick auf den tief am Fluss gelegenen Sveta Gora Park. Und auf das Asenevtsi-Denkmal direkt an einer Flussbiegung.

Asenevtsi Denkmal und Stambolov Brücke, Weliko Tarnowo, Bulgarien

Von fast überall in der Stadt zu sehen: Das Asenevtsi Denkmal. Dahinter die Stambolov Brücke

Es wurde 1985 in sozialistischem Stil errichtet. Zur Erinnerung an die bulgarischen Zaren aus der Dynastie Asen (oder Assen). Asen I und seine Brüder Petar und Kaloyan sowie Asen II, dem Sohn von Asen I.

Die Brüder begannen 1185 einen erfolgreichen Aufstand. Gegen die Besatzung von Bulgarien durch die Kaiser in Konstantinopel. In der Folge gründeten sie dann das Zweite Bulgarische Königreich.

Weliko Tarnowo, Bulgarien

In der Stadt gibt’s viele Brücken

Der Ort für das Denkmal ist perfekt gewählt. Weliko Tarnowo liegt auf Hügeln und man kann von fast jedem Punkt der Stadt das Denkmal sehen.

Dabei sieht man auch die Stambolov-Brücke von 1897 über die Jantra. Heute jedoch nur noch für Fußgänger und Radfahrer nutzbar.

Es würde sich wohl auch lohnen, mal zum Denkmal hinunter zu laufen. Und von dort auf die Stadt hochzuschauen. Dabei dürfte sich wieder eine ganz andere Perspekive auf Weliko Tarnowo ergeben. Darauf habe ich allerdings verzichtet.

Klöster in der Umgebung
Kloster der Heiligen Dreifaltigkeit, Weliko Tarnowo, Bulgarien

Nur die Klostertürme sind hinter dem hohen Tor zu sehen

Weil ich morgens schon so früh in der Stadt war hatte ich Zeit, am späteren Nachmittag noch zu einem der vielen Klöster in der Umgebung zu fahren. Ausgesucht hatte ich mir das Kloster der Heiligen Dreifaltigkeit. Vor allem weil es dort Mönchzellen geben sollte, die direkt in den Felsen gehauen worden waren.

Über kleine Landstraßen war ich auch schnell da. Denn das Kloster ist nur 6 Kilometer von der Stadt entfernt. Doch leider war es schon zu spät. Die Tür zur Klosteranlage war abgeschlossen. So konnte ich außen nur ein Foto von den Klostertürmen und der Felswand dahinter machen. Schade.

Von Bulgarien nach Rumänien

Am nächsten Tag fuhr ich weiter nach Bukarest. Zuerst 120km bis zur bulgarischen Grenze. Einen Großteil davon wieder über Landstraßen.

An einem alten Flussbett habe ich in Bulgarien noch mal Pause gemacht. Dabei entdeckte ich eine kleine Hängebrücke und einen romantischen Wasserfall. Vor der Weiterfahrt habe ich dann den Landcruiser auf blinde Passagieren gecheckt.

Tschüss Bulgarien

Eigentlich wollte ich Bulgarien mit seinen vielen tollen Landschaften noch gar nicht verlassen.

Und ich würde gerne noch mal im Sommer zurückkommen.

Denn ich glaube, dieses spannende Land im Südosten Europas hat eine Menge zu bieten. Es wird jedoch oft noch unterschätzt.

Donaubrücke, Russe, Bulgarien

Auf nach Rumänien!

Bis zur Grenze waren es dann nur noch ein paar Kilometer. Sie liegt genau in der Mitte der Donau.

Zollkontrolle und Brückenmaut auf bulgarischer Seite waren schnell erledigt. Dann ging es über die wunderschöne 30m hohe „Brücke der Freundschaft“ aus dem Jahre 1954 fast drei Kilometer über den Fluss.

Übrigens soll die Brücke unter der Fahrbahn auch noch eine Eisenbahnverbindung und einen Fußweg haben. Aber die konnte ich von oben nicht sehen.

Streit vor der Grenze

Auf rumänischer Seite war hinter der Brücke Stau. Für die 2km bis zur Kontrollstelle brauchte ich daher mehr als zweieinhalb Stunden. Kurz vor der Grenzstation passierte dann direkt vor mir noch etwas Lustiges. Ein rumänischer Mercedes fuhr rechts vorbei und wollte sich vor meinem Vordermann einfädeln. Dann begann eine heftige Diskussion…

ARRRRRGH – SMASH – GHOK – KANNGG – KA-BOOSH – KKKA-RACK – DONG

Schließlich stellte sich die – nun ja kräftige – Beifahrerin meines Vordermannes ihrem Kontrahenten erst in den Weg. Und sprang dann mit Schwung auf seine Motorhaube. Beide Parteien mussten rechts heraus fahren und wurden von der Polizei befragt. So war ich eher an der Kontrollstelle als mein Vordermann. Der diskutierte immer noch mit den Beamten.

Die Einreise nach Rumänien dauerte nur ein paar Minuten. Aber ich hatte durch den Stau schon viel Zeit verloren. Und kam erst bei Dunkelheit in Bukarest an. Obwohl die rumänische Hauptstadt nur 70km von diesem Grenzübergang entfernt ist.

Video Bulgarien

An dieser Stelle wie immer mein Dashcam-Video (2m 33s, 468 MB; Musik: Secrets Secrets – Silent Partner, YouTube Audiolibrary).

  • Petrisch
  • Richtung Sofia
  • Nach Weliko Tarnowo
  • Zur Grenze und über die Donau
  • Stau vor der Grenze

Was ich dann in Rumänien erlebt habe, das erzähle ich euch im nächsten Post.

Cheers, Rüdiger 😎

 

 

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