Ahoj Bratislava – Hallo Bratislava

Flagge Slowakei

Flagge Slowakei

In diesem Post geht es nicht um ein Land. Sondern nur um eine Stadt. Daher auch die etwas andere Überschrift als sonst.

Denn auf dem Weg von Ungarn nach Österreich habe ich nur 50km ganz im Westen der Slowakei einen Abstecher in die Hauptstadt Bratislava gemacht.

Eigentlich ist das Land ein gebirgiger Binnenstaat. Ohne Zugang zum Meer. Aber für den Osten mit der Hohen Tatra war jetzt Mitte November das Wetter einfach zu schlecht. Und der lag auch nicht direkt an meiner Route.

Mein Abstecher nach Bratislava

Mein Abstecher nach Bratislava

Entsprechend der gefahrenen Strecke wird dies wohl der kürzeste Post von meinem Roadtrip. Damit man aber den Weg durch Europa insgesamt ein bisschen einordnen kann, gibt’s hier auch noch eine Übersichtskarte.

Übrigens liegen Wien und Bratislava so dicht zusammen, wie kaum zwei andere Hauptstädte auf der Welt.

Mit dem Auto sind es 80km, die Luftlinie beträgt nur 55km.

Meine Strecke in Europa

Insgesamt bin ich 6.150km durch Europa gefahren. Davon alleine 2.500km in Griechenland

In der Überschrift kann man noch etwas entdecken. „Hallo“ heißt auf Slowakisch (und Tschechisch) „Ahoj“. Mit „j“ am Ende und nicht mit „i“ wie im Deutschen.

Komisch in einem Staat, der nicht am Meer liegt. Ich wollte das selbst erst nicht glauben. Aber mehreren Quellen im Internet zufolge ist das wirklich so.

Warum das so ist, dazu gibt es verschiedene Vermutungen. Die Nordseezeitung aus Bremerhaven hat sich dazu mal Gedanken gemacht. Aber natürlich funktionieren wie überall auf der Welt auch in Bratislava das englische „Hello“ oder „Hi“ 😅

Bratislava war schön öfter mal Haupstadt

Fast 1000 Jahre gehörte die heutige Slowakei zum Königreich Ungarn. Als die Türken große Teile davon besetzten wurde Bratislava 1536 – 1783 die Hauptstadt Ungarns. Genauso wie 1939 – 1945 während der ersten Slowakischen Republik. Danach war dann Prag Hauptstadt der neu gegründeten Tschechoslowakei.  Aber seit deren Auflösung 1993 ist Bratislava nun wieder Hauptstadt der Slowakei.

Bratislava, Slowakei

Richtung Innenstadt von Bratislava

Seit 2004 gehört das Land zur Europäischen Union, seit 2007 zum Schengen-Raum und seit 2009 zur Eurozone.

Hier konnte ich also wieder in Euro bezahlen und es gab keine Umtauschgebühren mehr. Nur eine SIM-Karte brauchte ich noch, die ich mir gleich nach Ankunft besorgt habe.

Das war ganz schlau von mir, dass ich nachmittags noch mal die vier Kilometer in die Stadt gelaufen bin. Und auch ein paar Fotos gemacht habe. Denn am nächsten Tag hat es in Strömen geregnet und ich konnte nicht aus dem Hotel raus. Bei Regen durch eine fremde Stadt  zu laufen macht einfach keinen Sinn.

Erst mal frühstücken

Den Tag habe ich dann im Hotel benutzt, um ein bisschen für mein nächstes Ziel, Wien, zu planen.

Und um mal zu gucken, was alles an Post angekommen war. Sowohl elektronisch wie auch zu Hause bei meinem Sohn als Brief. Na ja, meistens Rechnungen 😢

Der hat das übrigens ganz clever gemacht und die abfotografiert. Und mir dann per WhatsApp geschickt. So hatte ich gleich alle Infos für die Überweisungen zusammen.

Das Hotel hab‘ ich dann auch gleich noch um eine Nacht verlängert. Denn ich wollte mich ja wenigstens noch einen vollen Tag in Bratislava umsehen.

Die Innenstadt von Bratislava

St. Elisabethkirche Bratislava, Slowakei

Der Turm sieht aus wie eine Hochzeitstorte…

Das hat dann auch geklappt, denn dam folgenden Tag war das Wetter wieder schön.

Als erstes kam ich am Rande der Innenstadt an der blauen Kirche vorbei. Offiziell heißt sie eigentlich Kirche der Heiligen Elisabeth.

Die wurde als Tochter des ungarischen Königs in Bratislava geboren, damals hieß das Pressburg. Später wurde sie dann nach Thüringen verheiratet. Sie engagierte sich für Arme und Kranke und gilt bis heute als Schutzpatronin von Hessen und Thüringen.

Auch im Inneren soll die Kirche ganz in hellblauen Farbtönen gehalten sein. Aber leider war sie abgeschlossen und so kam ich nicht hinein. Auf jeden Fall gilt sie als die schönste Kirche in Bratislava.

Altstadt Bratislava, Slowakei

In der Altstadt von Bratislava

Wenig später war ich dann in der Altstadt von Bratislava. Mit schmalen Gassen, kleinen Geschäften und gemütlichen Cafés.

Am nördlichen Ende der Altstadt steht das Michaelertor, eines der ältesten Gebäude der Stadt. Es ist als einziges Tor von der mittelalterlichen Stadtbefestigung übrig geblieben.

Michaelertor Bratislava, Slowakei

Wer Lust hat kann sich die Altstadt auch vom Turm des Michaelertors ansehen

Seine heutige Form mit dem schicken Zwiebelturm bekam es Mitte des 18. Jahrhunderts. Wer mag kann auch auf den Turm rauf und sich über den Dächern der Altstadt umschauen.

Rechts neben dem Tor ist dann auch gleich noch etwas Besonderes: Das wohl schmalste Haus von Bratislava, nur 1.30m breit.

Altes Rathaus und Primatialpalais
Altes Rathaus in Bratislava, Slowakei

Auf dem Platz vor dem Alten Rathaus wurde gerade der Weihnachtsmarkt aufgebaut

Das Alte Rathaus ist schon seit 1868 kein Rathaus mehr, sondern ein Museum der Stadtgeschichte. Es war nämlich zu klein geworden und so hatte die Stadt im Laufe der Zeit weitere Häuser für die Verwaltung angekauft.

Sie stammen zwar aus verschiedenen Epochen aber sie fügen sich perfekt zu einem Gesamtbild.

Leider konnte ich hier nicht so gut fotografieren, weil auf dem Platz gerade der Weihnachtsmarkt aufgebaut wurde. So war auch der älteste Brunnen der Stadt abdeckt worden.

Aber es gab ja noch mehr zu sehen.

Direkt hinter dem Alten Rathaus befindet sich das Primatialpalais. Den Traum in Rosa ließ sich der ungarische Erzbischof 1781 erbauen. Der Kirchfürst wollte mit seiner Residenz den weltlichen Herrschern wohl nicht nachstehen.

Primatialpalais Bratislava, Slowakei

Der Kirchenfürst hat sich hier ja einen ziemlich großen Palast hinstellen lassen. Passt gar nicht ganz aufs Foto

Die Statuen auf dem Dach stellen die Tugenden dar. Und in der Mitte über dem Eingang thront ein riesiger Kardinalshut. Aber ich finde, den kann man nur mit etwas Phantasie erkennen.

Übrigens fand hier 1805 auch die Unterzeichnung des „Friedens von Pressburg“ statt. Nachdem Österreich und Russland die Schlacht bei Austerlitz gegen Napoleon verloren hatten.

Sich treiben lassen!
Kleine Gasse in Bratislava, Slowakei

Ruhig auch mal durch die kleinen Gassen schlendern…

Die Altstadt von Bratislava ist klein. Sehr klein. So kann man sich auch mal einfach treiben lassen ohne ein bestimmtes Ziel. Und auch mal durch kleine Gassen schlendern, die auf den ersten Blick weniger einladend aussehen.

Doch wenn man dabei die Augen offen hält, dann wird man überall interessante Kleinigkeiten entdecken.

…und dabei die Augen offen halten…

…nach rechts und links und oben und unten

Oder in einem Lokal landen, das nur von Einheimischen besucht wird. Und in dem man sich vorstellt, dass hier jeden Moment der Brave Soldat Schwejk zur Tür hereinkommt.

Denn verloren gehen kann man in der Innenstadt von Bratislava nicht! Spätestens nach ein paar Minuten ist man wieder auf einer größeren Straße oder auf einem belebten Platz.

Martinsdom Bratislava, Slowakei

Jetzt aber schnell. Die Uhr des Martinsdoms zeigt schon eine Minute vor 12

Und steht dann plötzlich vor der Kathedrale des Heiligen Martin. Sie war zwischen 1563 und 1830 Krönungskirche für 11 ungarische Könige und 8 Königinnen. Die bekannteste ist wahrscheinlich Maria Theresia von Österreich.

1835 führte Ludwig van Beethoven hier seine „Missa solemnis“ auf. Und 1884 Franz Liszt seine ungarische Krönungsmesse.

Natürlich sieht der Dom nicht mehr so aus wie im Mittelalter. Seine heutige Form stammt aus dem letzten Umbau Mitte des 19. Jahrhunderts. Aber auf der Spitze des Turms befindet sich immer noch eine vergoldete ungarische Stephanskrone.

Burg Bratislava
Haus zum Guten Hirten Bratislava, Slowakei

Warum heißt das wohl „Haus zum guten Hirten“?

Aber nun wird es endlich Zeit, sich auf den Weg zur Burg zu machen. Dem Wahrzeichen der slowakischen Hauptstadt Bratislava.

Zuerst kam ich erst mal an einem hübschen schmalen Haus vorbei.

Es ist vielleicht das schönste Rokoko Gebäude in Bratislava, gebaut 1765.

Seit fast 50 Jahren ist es nun ein Uhrenmuseum. Mit vielen mobilen Sonnenuhren des 17. und 18. Jahrhunderts.

Burg Bratislava, Slowakei

Ziemlich robust, die Burg Bratislava

Die Burg Bratislava liegt 85m über der Donau auf einem Hügel. Bei Tage wirkt sie ziemlich gewaltig. So, wie es sich für eine richtige Burg gehört. Sie war Residenz der Habsburger in Ungarn. Und hier wurden die Kronjuwelen aufbewahrt.

Nach einem Brand 1811 wurde sie dann erst zwischen 1953 und 1968 wieder originalgetreu aufgebaut.

Burg Bratislava, Slowakei

Aber in der Abensonne…

Burg Bratislava, Slowakei

…wirkt sie gleich viel freundlicher

Das erste Mal war ich aber schon am Abend meines Ankunftstages hier. Und in der Abendsonne sah sie dann plötzlich ganz anders aus. Wie ein Märchenschloss.

Und ein schöner Rundblick von oben
Blick auf die Altstadt von Bratislava

Die neuen Hochhäuser wachsen langsam an die Altstadt heran

Von der Burg hat man einen einmaligen Blick auf die Stadt. Sowohl auf die Altstadt wie auch auf das andere Ufer der Donau.

Richtung Altstadt ist zu sehen, wie sich die Hochhäuser immer näher in die City fressen. Hoffentlich bleibt die erhalten.

 

Neue Brücke Bratislava, Slowakei

Restaurant und Aussichtsplattform UFO von 1972

Auf das andere Ufer führt eine Brücke. Bis 2012 hieß die Novi Most (neue Brücke), seitdem Brücke des Slowakischen Nationalaufstandes von 1944.

Sie verbindet die Altstadt mit dem Neubaugebiet Petržalka, in dem viele Einwohner von Bratislava wohnen.

Das Besondere ist ein UFO-förmiges Restaurant auf dem Brückenpfeiler. Und darüber noch eine Aussichtsplattform.

The Witch Bratislava, Slowakei

Rapunzel, lass‘ dein Haar herunter! Ach nein, du bist ja eine Hexe…

Da bin ich zwar nicht gewesen, aber man hat von dort sicher auch einen tollen Blick auf die Altstadt.

Auf dem Rückweg zur City bin ich noch an dieser hübschen Skulptur vorbeigekommen, The Witch. Na ja, nicht jede witch ist so hübsch wie diese.

 

Noch ein paar Skulpturen
Cumil, Man at work Bratislava, Slowakei

Mach mal Pause – Trink Coca Cola!

Wenn man durch die City bummelt fallen einem immer wieder kleine Kunstwerke auf. Allen voran der „Čumil“, der Gaffer aus dem Gully. Er hat sogar ein eigenes Hinweisschild.

Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich den fotografieren konnte, ohne eine Gruppe Japaner mit auf dem Bild zu haben.

Eine Legende besagt, dass ein Wunsch erfüllt wird, wenn man den Kopf des Mannes streichelt. Das ist auch ein Grund dafür, dass der Kopf so blank poliert ist.

Und dann gibt es noch den „Schöne Náci“. Nein, Náci nicht mit „z“ sondern mit „c“!!! Und in Bratislava ist er tatsächlich unter der Namensform „Schöne Náci“ bekannt, ohne -r!!

Ignac Lamar Bratislava, Slowakei

Küss die Hand gnädige Frau

Der hat wirklich gelebt. Denn das ist eine Statue von einem stadtbekannten Original in Bratislava. Er hieß Ignác Lamár (1897 – 1967) und lief stets mit Frack, Zylinder und Lackschuhen in der Altstadt von Bratislava herum. Die Frauen begrüßte er mit „Küss die Hand, gnädige Frau“ und überreichte dazu manchmal noch eine Blume.

Ob einfach nur elegant und freundlich oder etwas durchgeknallt und schizophren – wer will sich heute darüber schon ein Urteil anmaßen…

Es gibt noch mehr solche hübschen Skulpturen in Bratislava. Die eines Paparazzo mit Kamera und die eines napoleonischen Soldaten an einer Bank. Und noch andere. Aber die habe ich leider nicht gefunden.

Auf jeden Fall sind diese kleinen Hingucker etwas ganz Besonderes. Das mir nur in den osteuropäischen Städten aufgefallen ist, aber nie in Westeuropa.

Am Rande der Innenstadt von Bratislava

Wer sich jetzt noch ein paar Kilometer mehr Fußmarsch zutraut, der kann am Rande der Innenstadt noch mehr entdecken.

Palais Grassalkovich Bratislava, Slowakei

Immerhin darf man in den Garten des Präsidentenpalastes

Zum Beispiel das Palais Grassalkovich. Das wurde 1760 für den gleichnamigen Berater von Kaiserin Maria Theresia gebaut. Heute ist es der Amtssitz des Präsidenten der Slowakischen Republik. Und daher darf man leider nicht rein.

Aber der Garten ist zugänglich, wobei ich mir den jetzt Mitte November erspart habe. Obwohl, auch da soll es einige ganz interessante Skulpturen geben.

Slavín Ehrenmal und Friedhof Bratislava, Slovakia

Erinnerung an die Befreiung von Bratislava 1945

Aber auf dem Slavín Ehrenmal war ich noch. Das liegt auf einem Hügel westlich der Altstadt.

Es wurde 1960 zu Ehren der sowjetischen Soldaten erbaut, die bei der Eroberung von Bratislava 1945 gestorben sind.

Neben der Statue eines siegreichen Sowjetsoldaten ist hier auch ein Friedhof mit den Gräbern von fast 7.000 sowjetischen Soldaten.

Außer in der Mongolei habe ich in jedem Land, durch das ich auf meinem Roadtrip gekommen bin, solche Anlagen gesehen. Und das zeigt mir, dass auch heute, 75 Jahre nach Kriegsende, die damaligen Ereignisse in diesen Ländern nicht vergessen sind.

Gebäude des Slowakischen Rundfunks Bratislava, Slowakei

Das Gebäude des Jahrhunderts in der Slowakei: Die umgekehrte Pyramide

Auf dem Rückweg zum Hotel bin ich dann noch an einem ganz modernen Gebäude vorbeigekommen.

Es sieht aus, wie eine auf dem Kopf stehende Pyramide. Und es ist das Haus des Slowakischen Rundfunks.

In Bratislava wird es auch das „Gebäude des Jahrhunderts“ genannt. Von den einen, weil der Bau von 1967 bis 1983 gedauert hat. Von den anderen, weil seine Architektur so einzigartig ist. Und weit über die damalige sozialistische Architektur hinausgeht.

Es ist 80m hoch und eigentlich besteht es wohl aus zwei Pyramiden. Aber die innere mit ihren Sendeanlagen und Tonstudios konnte ich ja nicht sehen. Mittlerweile steht es unter Denkmalschutz.

Meine Videos

Weil ich in der Slowakei ja kaum gefahren bin, ist auch das Dashcam Video nicht so wirklich aufregend. Trotzdem will ich es euch hier nicht vorenthalten (2m 22s, 424 MB; Musik: The Engagement – Silent Partner, YouTube Audiolibrary).

  • Grenze Slowakei
  • Nach Bratislava
  • Zur österreichischen Grenze

Und wie vor ein paar Wochen versprochen dazu noch der Link zu meinem YouTube Video von 2019 für den ersten Teil von Europa. Von der Ankunft in Bulgarien bis zur Slowakei.

Auf jeden Fall kann ich nur empfehlen, mal einen Abstecher nach Bratislava für zwei Tage zu machen, wenn man in Wien ist und noch etwas Zeit hat. Auch diese Stadt lohnt sich!

Wie es dann in Österreich, dem vorletzten Land auf meinem Roadtrip von Australien nach Deutschland, für mich weiterging, das erzähle ich euch in meinem nächsten Post.

Cheers, Rüdiger 😎

 

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